Selma Mayer geb. Giesenow

Verlegeort
Barbarossastr. 32
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
07. Oktober 2022
Geboren
05. März 1879 in Schwerin
Beruf
Prokuristin
Flucht
1938 über Italien nach Brüssel
Verhaftet
von 10. September 1942 in Brüssel
Deportation
am 12. September 1942 von Kaserne Dossin in Mechelen (Malines) Belgien nach Auschwitz - Birkenau
Ermordet
21. Dezember 1942 in Auschwitz-Birkenau
Biografie

Selma Mayer, geb. Giesenow, wurde am 05.03.1879 in Schwerin geboren. Sie war die jüngste Tochter von Malvine Giesenow, geb. Ascher, und Meir Giesenow, die 1872 geheiratet hatten. Nach dem Tod ihres Ehemannes zog Malvine Giesenow nach Berlin, wo sie bis zu Ihrem Tod am 12.11.1910 lebte.

Selma Mayer, geb. Giesenow, heiratete am 17.11.1903 in Berlin Hugo Mayer (siehe Biographie von Hugo Mayer). Sie lebten in einer Wohnung in der Barbarossastr. 32 in Berlin Wilmersdorf. Ihre Tochter Helene Mayer wurde am 9.10.1904 in Berlin geboren.

Ihr Ehemann Hugo Mayer war Kaufmann und besaß seit 1906 eine Metallwarenfabrik und Stanzerei, zunächst in der Oranienstraße 34, seit den 20er Jahren in der Köpenickerstraße 114 in Berlin-Luisenstadt (heute Kreuzberg). Die „Metallwarenfabrik und Stanzerei Hugo Mayer“ stellte gepresste, gezogene, gestanzte Artikel unter Anwendung von Galvanisierung und Lötösenverzinnung her sowie zunehmend Bau- und Zubehörteile für die aufstrebende Radio- und Funkindustrie. Es war ein weithin bekanntes Spezialunternehmen, das auch in europäische Länder exportierte.

Selma Mayer war maßgeblich an der Fabrikleitung beteiligt. Sie erledigte kaufmännische Angelegenheiten eigenverantwortlich und hatte Prokura. Zu ihren Aufgaben gehörte die Buchführung, Lohnabrechnung, Kundenwerbung und Auftragsentgegennahme. Sie verhandelte auch mit Banken.

Ab 1933 waren Selma und Hugo Mayer als Juden sowie ihre Firma aufgrund der jüdischen Inhaberschaft zunehmend Schikanen durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Hugo Mayer sah sich daher gezwungen, die Fabrik am 28.07.1936 zu verkaufen. Die Bezahlung des Kaufpreises wurde vom Finanzamt Berlin-Schöneberg sofort gesperrt.

Die Tochter Helene Mayer emigrierte1936 ohne ihre Eltern nach Palästina. Hugo und Selma Mayer konnten sich eine Ausreise nach Israel nicht vorstellen, da sie unüberwindbare Schwierigkeiten sahen, ihre Fabrik dort wieder aufzubauen. Stattdessen emigrierten sie 1938 als politische Flüchtlinge über Italien nach Brüssel, Belgien. Dort hofften Hugo Mayer und seine Frau, eine neue Fabrik zu gründen. Sie und ihr Ehemann Hugo Mayer wurden jedoch in Brüssel infolge der Besetzung durch die Nationalsozialisten, weil sie Juden waren, festgenommen und am 10.09.1942 zum Sammel-Lager in der Kaserne Dossin in Mechelen (Malines), Belgien, gebracht. Am 12.091942 wurden sie von den Nationalsozialisten vom Sammel-Lager mit dem Transport IX nach Koźle (Kozel), heute Polen, und von dort nach Auschwitz -Birkenau deportiert.

Es gibt keine Dokumente zum Tod von Selma Mayer. Vom Amtsgericht Berlin-Schöneberg wurden Selma und Hugo Mayer mit Datum 21.12.1942 für tot erklärt. Angesichts ihres hohen Alters spricht vieles dafür, dass sie - sollte sie den Transport überlebt haben - direkt nach Ankunft in Auschwitz-Birkenau am 14.09.1942 ermordet wurde.