Auguste Kurzberg geb. Hennig

Verlegeort
Fraenkelufer 30
Historischer Name
Thielschufer 30
Bezirk/Ortsteil
Kreuzberg
Verlegedatum
31. August 2023
Geboren
12. Februar 1881 in Neumark (Westpreußen) / Nowy Targ
Deportation
am 28. März 1942 nach Piaski
Ermordet
Biografie

Auguste Hennig kam am 12. Februar 1881 in Neumark in Westpreußen als Tochter des jüdischen Kaufmanns David Hennig und dessen Ehefrau Ida, geb. Cantorson, zur Welt. Das Dorf Neumark (polnisch Nowy Targ) liegt etwa 70 km südöstlich von Danzig. Augustes Mutter starb kurz nach ihrer Geburt, ihr Vater heiratete 1884 erneut. Die Familie übersiedelte dann in die Reichshauptstadt, wo 1888 Augustes Halbbruder Julius geboren wurde. Laut Berliner Adressbuch betrieb David Hennig seit 1891 in der Großen Frankfurter Straße (heute Karl-Marx-Allee) eine Stroh- und Filzhutfabrik.

Auguste Hennig erlernte den Beruf der Buchhalterin. Sie heiratete am 22. Mai 1913 den aus Galizien stammenden Kaufmann Jona Kurzberg (*1879). Auch er gehörte der jüdischen Religionsgemeinschaft an. Laut ihrem Neffen Rudolf Kurzberg sollen Augustes Eltern nicht mit der Heirat einverstanden gewesen sein und sie deshalb keine Mitgift erhalten haben. Die Ehe blieb kinderlos.

Das Ehepaar Kurzberg eröffnete noch 1913 in der Oranienstraße 160 eine Maßschneiderei für Damen und Herren. Diese betrieben sie als Ratenzahlungsgeschäft, sie boten aber auch Konfektion an. Die Wohnung schloss sich an die Geschäftsräume an. Im Betrieb und dem Geschäft wurden drei kaufmännische Angestellte, mehrere Zuschneider und Zwischenmeister sowie zahlreiche Schneider in Heimarbeit beschäftigt. Auguste war im Betrieb als Buchhalterin tätig. Das Geschäft florierte und ermöglichte dem Ehepaar einen gutbürgerlichen Lebensstandard. Sie betrieben zeitweise noch eine weitere Filiale in der Chausseestraße 1 in Mitte. Das Ehepaar bezog um 1933 eine Vierzimmerwohnung im Haus Kottbusser Ufer 56a (1937 umbenannt und umnummeriert nach dem 1931 ums Leben gekommenen SA-Mann Hermann Thielsch in Thielschufer 30; heute Fraenkelufer 30).

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen die Familie Kurzberg. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Das Geschäft des Ehepaars in der Oranienstraße 160 wurde Ende der 1930er Jahre zwangsweise „arisiert“. Augustes Ehemann war am 22. September 1939 in Sachsenhausen inhaftiert, wurde aber wieder entlassen. Dauer und Vorwand der Inhaftierung sind unbekannt. Er wurde als Bügler bei der Damenschneiderei Wilhelm Jakubaschk in der Markgrafenstraße 19 zwangsverpflichtet. Die Wohnung im Haus Thielschufer 30 musste das Ehepaar Kurzberg aufgeben. Seit Mai 1941 wohnten sie zur Untermiete bei den jüdischen Schwestern Rosa und Johanna Kasper im Haus Kottbusser Damm 28.

Auguste und Jona wurden am 28. März 1942 mit dem 11. Osttransport nach Piaski deportiert. Der kleine Ort Piaski, 23 km südöstlich von Lublin gelegen, war nach der deutschen Besetzung Polens Teil des Generalgouvernements geworden. Im Schtetl in Piaski wurde Anfang 1940 ein Ghetto eingerichtet, in das mehrere tausend Juden aus dem Deutschen Reich deportiert wurden.

Die wenigen sanitären Anlagen des Ghettos waren in einem katastrophalen Zustand, die Grundversorgung mit Nahrung und Trinkwasser absolut unzureichend. Das Ghetto, bestehend aus kleinen, hauptsächlich eingeschossigen Holzhäusern, war nicht für so viele Personen ausgelegt. Zwischen 10 und 20 Menschen mussten sich in der Regel einen Wohnraum teilen. Auguste Kurzberg starb dort vermutlich an Hunger, Entkräftung oder Krankheit. Jona Kurzberg wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt im 10 km entfernten Trawniki ermordet, wahrscheinlich war er in das dortige Zwangsarbeiterlager verlegt worden.

Augustes Halbbruder Julius Hennig überlebte den Krieg, er war bereits 1911 in die USA ausgewandert.