Herbert Weile

Verlegeort
Böckhstraße 2
Bezirk/Ortsteil
Kreuzberg
Geboren
06. Juni 1883 in Berlin
Deportation
am 04. März 1943 nach Auschwitz
Ermordet
Biografie

Herbert Carl Weile kam am 6. Juni 1883 in Berlin als Sohn des jüdischen Kaufmanns Nathan Weile und dessen Ehefrau Henriette, geb. Morgenstern, zur Welt. Er hatte noch eine ältere Schwester namens Hedwig (*1881). Der Vater war Mitinhaber der Firma „Max Gottschalk & Co. Nachf. Weile & Co.“ – Fabrik für Pianoverzierungen und Lager für Pianobestandteile – , die sich in der Prinzenstraße 31 befand. Die Familie Weile lebte auch in der Nähe: Im Laufe der letzten Jahre des 19. Jahrhunderts wohnten sie an verschiedenen Adressen in der Gegend nordwestlich des Kottbusser Tors. Über Herbert Weiles Kindheit und Jugend haben sich ansonsten keine Informationen erhalten.

Die Familie zog 1902 in das Haus Uhlandstraße 161 nach „Deutsch-Wilmersdorf“, das damals noch ein Dorf war und erst 1906 das Stadtrecht erhielt. Etwa 1907 kehrten sie nach Kreuzberg zurück und übersiedelten um 1912 in die Suarezstraße nach Charlottenburg, das bis zur Eingemeindung nach Groß-Berlin im Jahr 1920 eine eigenständige Großstadt war. 

1914 ist der Kaufmann Herbert C. Weile das erste Mal im Berliner Adressbuch verzeichnet: Sein Vater hatte ihn zum Mitinhaber der Firma „Max Gottschalk & Co. Nachf. Weile & Co.“ gemacht. Um 1916 zog Herbert zurück nach Kreuzberg, in die Gegend, in der er aufgewachsen war.

Er heiratete am 11. Juni 1920 Erna Pahl, geb. 1885 in Berlin, und bezog mit seiner Ehefrau eine Wohnung im Haus Waterlooufer 19. Offenbar hatte sich die Familie Weile vom jüdischen Glauben abgewendet: Herbert Weile ist laut seiner Heiratsurkunde evangelisch. Auch seine Schwester gehörte 1906, als sie einen Klavierfabrikanten heiratete, der evangelischen Religion an. Hedwig, geschiedene Hilse, verstarb 1923 mit 42 Jahren. Die Mutter Henriette Weile war im Dezember 1917 verstorben – laut ihrer Sterbeurkunde war sie „freireligiös“. Als Herbert den Tod seines Vaters im Oktober 1920 beim Standesamt anzeigte, verwendete dieser dessen Rufnamen „Ludwig“ und nicht seinen hebräischen Vornamen „Nathan“. 

Herbert C. Weile war nun alleiniger Inhaber der Großhandelsfirma für Pianobestandteile, die er etwa 1924 in „Weile & Co.“ umbenannte. Um 1930 verlegte er den Firmensitz in seine Wohnung.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen Herbert C. Weile. Aus Sicht der Nazis blieben Juden auch nach einer christlichen Taufe Juden und waren damit allen Schikanen des Regimes ausgesetzt.

Etwa 1934 verlegte Herbert seine Wohnung und den Großhandel in die Ritterstraße 105. Sicherlich litt auch die Firma „Weile & Co.“ unter dem zunehmenden Boykott jüdischer Geschäftsleute, bis sie Ende 1938 aufgelöst werden musste. Auch die Wohnung musste er aufgeben. Die Ehe mit seiner „arischen“ Ehefrau war im Oktober 1937 geschieden worden.

Bei der Volkszählung im Mai 1939 lebte Herbert C. Weile als Untermieter bei dem Rentner Josef Pietras in der Böckhstraße 2. Aufgrund der „Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden“ konnte er sich ab dem 19. September 1941 nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen. Zuletzt wohnte er zur Untermiete in der Grimmstraße 18. 

Herbert C. Weile wurde am 4. März 1943 mit dem 34. Osttransport von Berlin nach Auschwitz deportiert und ermordet.