Edith Markus geb. Ehmann

Verlegeort
Köpenicker Straße 27
Historischer Name
Köpenicker Straße 26a
Bezirk/Ortsteil
Kreuzberg
Verlegedatum
05. Mai 2024
Geboren
12. Juni 1902 in Berlin
Deportation
am 17. März 1943 nach Theresienstadt
Später deportiert
am 16. Mai 1944 nach Auschwitz
Ermordet
Biografie

Edith Ehmann kam am 12. Juni 1902 in Berlin als erstes Kind des jüdischen Kaufmanns Siegfried Ehmann und dessen Ehefrau Emma, geb. Steinberg, zur Welt. Sie hatte noch sieben Geschwister: Felicie (*1903), Anna (1904–1904), Herta (*1907), Gerhard Leon (1909–1910), Charlotte (*1912), Ernst (*1914) und Ruth (*1920). Die Familie übersiedelte etwa 1913 in die schlesische Kleinstadt Herrnstadt (polnisch Wąsosz), die ca. 60 km nördlich von Breslau liegt. Dort kamen die beiden jüngsten Geschwister zur Welt. Über Ediths Kindheit und Jugend haben sich ansonsten keine Informationen erhalten.

Edith zog etwa 1931 zurück nach Berlin. Sie heiratete dort am 6. Juni 1940 Gustav Braun, geb. am 12. Januar 1899 in Tuchel (Westpreußen). Zum Zeitpunkt der Hochzeit war sie in einer Färberei zwangsverpflichtet, Gustav Braun musste Zwangsarbeit bei der Reichsbahn leisten. Edith zog zu ihrem Ehemann, der in der Prinzenstraße 96 in Kreuzberg zur Untermiete wohnte. Am 19. August 1940 brachte sie den gemeinsamen Sohn Berl zur Welt. Nur 11 Tage später kam ihr Ehemann ums Leben. 

Laut seiner Sterbeurkunde ist Gustav Braun „am 30. August 1940 gegen 13 Uhr 48 Minuten in Berlin-Blankenburg auf der Eisenbahn-Fernstrecke Berlin-Stettin am Kilometerstein 10 verstorben.“ Als Todesursache wurde „Zertrümmerung der Schädeldecke“ vermerkt. Die näheren Umstände sind unbekannt, möglicherweise handelte es sich hier um einen tödlichen Arbeitsunfall. Gustav Braun wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee beigesetzt.

Edith heiratete am 12. November 1941 den Tischler Jakob Markus, geb. am 4. April 1895 in Gollub (Westpreußen). Seit Dezember 1941 bewohnte die kleine Familie in der Köpenicker Straße 26a ein Zimmer zur Untermiete.

Ediths zweiter Ehemann musste im Holzbearbeitungswerk Hans Schubert in der Rudolfstädter Straße 51-85 in Wilmersdorf Zwangsarbeit leisten. Er wurde am 27. Februar 1943 Opfer der „Fabrikaktion“, bei der die bis dahin von der Deportation verschonten letzten Berliner Juden, die in kriegswichtigen Betrieben zwangsbeschäftigt waren, verhaftet und deportiert wurden. Jakob Markus wurde am 1. März 1943 mit dem 31. Osttransport nach Auschwitz verschleppt, wo er am 31. März 1943 ermordet wurde.

Edith Markus und Berl Braun wurden am 17. März 1943 mit dem 4. großen Alterstransport von Berlin nach Theresienstadt und von dort am 16. Mai 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet. 

Ediths Schwester Ruth war mit ihrem Ehemann Rudolf Hopp und den beiden Söhnen René (*1938) und Joel Abel (*1940) am 19. Oktober 1942 mit dem 21. Osttransport von Berlin nach Riga verschleppt worden, wo sie gleich nach ihrer Ankunft am 22. Oktober 1942 ermordet wurden.

Ediths Bruder Ernst Ehmann war bereits 1932 nach Palästina ausgewandert und änderte seinen Namen in Avraham Eilat. Die Schwester Herta folgte ihrem Bruder nach Palästina, Charlotte Ehmann war in die USA emigriert.

Die Schwester Felicie hatte den Nichtjuden Otto Bärnreuther geheiratet, mit dem sie in Nürnberg lebte. Sie blieb durch diese „Mischehe“ von der Deportation verschont.