Erna Nawratzki, geb. Lewandowski, kam am 22. August 1886 in Kulm (heute Chełmno) zur Welt. Sie war mit dem Kaufmann Ewald Nawratzki verheiratet. Beide betrieben in Berlin einen Großhandel für Tuche und Futterstoffe. Nach dem Tod ihres Mannes 1939 – er wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weissensee beigesetzt – war sie gezwungen, einige Zimmer ihrer Wohnung in Berlin-Tiergarten unterzuvermieten.
Erna gehörte zu den ersten Jüdinnen und Juden, die aus Berlin deportiert wurden. Es war der „III. Transport“, der am 29. Oktober 1941 aus dem Bahnhof Grunewald rollte. Sie kam zuerst ins Ghetto Litzmannstadt , dem heutigen Łódź, dann ins jüdische Frauenarbeitslager Posen-Antonin.
Dort verliert sich ihre Spur. Es ist unbekannt, wie, wann und wo sie gestorben ist. Klar ist nur, dass die überlebenden Gefangenen aus Posen-Antonin nach der Auflösung des Lagers 1943 nach Auschwitz verschleppt wurden.
Erna und Ewald Nawratzki hatten zwei Töchter: Senta Susi (geb. 1912) und Gertraud (geb. 1919). Im August 1939 gelang beiden die Flucht nach Frankreich. Dort kamen sie nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Internierungslager Recebedou und Noé. Gertraud starb am 23. August 1943 in Noé. Die Ursache ihres Todes ist unbekannt.
Senta Susi überlebte und heiratete nach dem Krieg den deutschen Anwalt Louis Ludwig Loewe, der ebenfalls nach Frankreich geflohen war und in den Reihen der Résistance kämpfte. Sie bekamen einen Sohn: George. Die Familie wanderte 1951 in die USA aus, Senta Susi starb 1955 in New York, ihr Mann 1987.
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