Max Schwarzleder

Verlegeort
Boxhagener Straße 14
Bezirk/Ortsteil
Friedrichshain
Verlegedatum
09. November 2022
Geboren
01. Januar 1930 in Berlin
Flucht
1939 Belgien
Interniert
bis bis September 1942 in Rivesaltes
Deportation
am 11. September 1942 von Drancy nach Auschwitz
Ermordet
September 1942 in Auschwitz
Biografie

Max Schwarzleder wurde am 1. Januar 1930 in Berlin geboren. Seine Eltern waren Joseph Schwarzleder, der aus Vilnius kam, und Charlotte Schwarzleder, die eine geborene Wurgart war. Max‘ Eltern stammten beide aus jüdischen Familien. Wir wissen sehr wenig über die Familie und müssen uns ihr Leben aus den wenigen Verfolgungsdaten, die erhalten sind, rekonstruieren. 

Max lebte mit seinen Eltern in der Boxhagener Straße 14 in Friedrichshain – ein Stadtteil, in dem in seinen ersten Lebensjahren auf der Straße heftige Auseinandersetzungen zwischen der immer stärker werdenden SA und ihren Gegnern stattfanden. Sicherlich wird diese Zeit von der zunehmenden Sorge seiner Eltern geprägt sein, die sich mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten bewahrheitete. Mit sechs Jahren wurde Max in der „Knabenschule der jüdischen Gemeinde zu Berlin“ in der Kaiserstraße, unweit des Polizeipräsidiums am Alexanderplatz, eingeschult. Der weite Schulweg von der Boxhagener Straße dorthin kann mit der Tatsache erklärt werden, dass es 1936 nahezu unmöglich war, jüdische Kinder auf nicht-jüdische Schulen zu schicken. Max konnte in Berlin nur kurze Zeit zur Schule gehen, da seine Eltern sich dazu entschieden, Deutschland zu verlassen. Auf Max‘ Kennkarte der Reichsvereinigung der Juden steht, dass er am 9. Januar 1939 in Belgien gemeldet ist.

Max lebte das nächste Jahr mit seinen Eltern in Brüssel, wir wissen nicht unter welchen Umständen. Als die deutsche Wehrmacht am 10. Mai 1940 in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg einmarschierte, endete für das Kind sein Leben in Freiheit. Zwischen dem 10. und 15. Mai 1940 wurden mehrere tausend ausländische Juden und Jüdinnen von den belgischen Behörden in das vom Vichy-Regime regierte Südfrankreich ausgewiesen und dort in Lager gesperrt – so auch Max und seine Eltern. Auf der ‚Liste de Saint Cyprien‘ ist festgehalten, dass der Litauer Joseph Schwarzleder und die Deutsche Charlotte Wurgart nach ihrer Verhaftung in Brüssel vorerst in den Zwischenlagern Rodez und Albi interniert waren. Von Max ist keine Rede, aber es war üblich, dass Kinder bei ihren Müttern blieben, auch wenn diese von den Vätern getrennt wurden. 

Max‘ Vater Joseph Schwarzleder ist im Lager Saint Cyprien im Südwesten Frankreichs als Gefangener gelistet. Ursprünglich für Interbrigadisten gebaut, die nach dem Sieg Francos in Spanien nach Frankreich geflohen waren, wurde das rudimentäre Lager am Strand vergrößert. Im Frühsommer 1940 wurden zwischen 4.400 und 8.000 „feindliche Ausländer“ in Saint Cyprien interniert. Auch wenn zu diesem Zeitpunkt mit den aus Belgien kommenden Geflüchteten auch Frauen und Kinder in Saint Cyprien interniert wurden, ist es wahrscheinlicher, dass Max und seine Mutter Charlotte von seinem Vater Joseph getrennt wurden; beide werden in Saint Cyprien nicht gelistet. Jedoch gibt es zwei Jahre später für alle drei den Nachweis aus dem Lager Rivesaltes, das als „Familienzusammenführungslager“ galt. Aus Rivesaltes wurde Max zusammen mit seinen Eltern im September 1942 nach Drancy verschleppt. Drancy bei Paris fungierte als „Sammellager“ für die Deportationszüge in den Tod. Die Familie Schwarzleder wurde am Morgen des 11. September 1942 mit 1.032 anderen Menschen in einen Zug gepfercht, sie kamen zwei Tage später in Auschwitz an und wurden dort vermutlich gleich nach ihrer Ankunft ermordet. Max wurde nur 12 Jahre alt.