Dr. Curt Blumenthal

Verlegeort
Schloßstr. 107-108
Bezirk/Ortsteil
Steglitz
Verlegedatum
09. März 2025
Geboren
05. Dezember 1882 in Nordhausen
Beruf
Rechtsanwalt und Notar
Zwangsarbeit
Arbeiter (Fritz Weber und Co. Metallwaren- und Laternenfabrik)
Deportation
am 29. Januar 1943 nach Auschwitz
Ermordet
1943 in Auschwitz
Datei
Biografie

Dr. Curt Blumenthal wurde am 5. Dezember 1882 als Sohn von Louis und Bertha Blumenthal (geborene Sommerguth) in Nordhausen in der Provinz Sachsen (heute Thüringen) geboren. Sein Vater Louis Blumenthal war in Nordhausen Kaufmann und Teilhaber der Firma Martin Blumenthal. Er wurde am 15. März 1851 in Egels (Kreis Wanzleben) geboren und ist am 17. September 1912 in Nordhausen gestorben. Seine Ehefrau Bertha Blumenthal wurde am 7. Dezember 1857 geboren und ist am 13. Februar 1935 verstorben. Die Familie Blumenthal hatte noch ein weiteres Kind. Der zweite Sohn, Hans Nathan, wurde am 21. August 1884 geboren und ist am 26. November desselben Jahres verstorben.
Curt Blumenthal ging in Nordhausen zur Schule und machte 1901 am Nordhäuser Gymnasium sein Abitur. Er studierte in München, Berlin und Halle Rechtswissenschaften, seine Referendarzeit machte er in Berlin. Er promovierte an der Universität Leipzig zum Thema „Von dem Inventar und der Bilanz des Einzelkaufmanns und der offenen Handelsgesellschaft“. 
Curt Blumenthal wurde am 10. Juli 1911 als Rechtsanwalt in Berlin zugelassen. Im Ersten Weltkrieg war er in der Militärjustizverwaltung des Heeres als Militär-Hilfsrichter tätig. Nach dem Krieg nahm er seine Arbeit als Rechtsanwalt wieder auf und wurde am 23. Juli 1919 zusätzlich zum Notar ernannt. Der Präsident des Landgerichts Berlin hatte seine Ernennung zum Notar zuvor befürwortet und ausgeführt, dass Herr Dr. Blumenthal „bei den Prozessrichtern als wohlbefähigter, gewissenhafter und sorgfältiger Anwalt“ gelte. Curt Blumenthal hat dem Reichsbanner angehört, einem überparteilichen Bündnis der demokratischen Parteien, das dem Schutz der Weimarer Republik gegen ihre radikalen Feinde diente.

Seine Kanzleiräume hatte Curt Blumenthal seit 1919 in der Schloßstraße 107/108 in Berlin-Steglitz, wo er dann auch wohnte. Das Haus war 1906 gebaut worden und gehörte damals den Kaufmann Max Perlow, der hier auch selber seinen Wohnsitz hatte. 
1928 heiratete Curt Blumenthal die Kindergärtnerin Margarethe Kohn, die am 22. Juli 1891 in Görlitz/Schlesien geboren wurde. Sie zog nach der Heirat zu ihm in das Haus in die Schloßstraße. Am 18. Oktober 1929 wurde ihr Sohn Werner Louis in Berlin geboren.

Das Leben von Curt Blumenthal änderte sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten dramatisch. Da er jüdischer Herkunft war, durfte er ab Juni 1933 nicht mehr als Notar tätig sein. Als Rechtsanwalt konnte er aber als sog. Altanwalt zunächst noch weiterarbeiten, weil er vor August 1914 seine Zulassung als Rechtsanwalt erhalten hatte. Ab dem 30. November 1938 galt dann auch für Curt Blumenthal wie für alle anderen zu der Zeit noch zugelassenen jüdischen Rechtsanwälte in Deutschland ein Berufsverbot. Sein Antrag, noch als juristischer Beistand für jüdische Menschen, als sog. „Konsulent“, zu arbeiten, wurde vom Landgericht Berlin nicht als vorrangig angesehen.
Nach den Unterlagen zu den Ergänzungskarten der Volkszählung im Deutschen Reich am 17. Mai 1939 hatte die Familie Blumenthal ihren Wohnsitz zu diesem Zeitpunkt noch in der Schloßstraße 107/108. Auch im Berliner Telefonbuch für 1939 findet sich ein entsprechender Eintrag. Dies war der letzte frei gewählte Wohnsitz der Familie Blumenthal. 

Im Juni 1939 musste die Familie Blumenthal laut ihrer Vermögenserklärung aus ihrer Wohnung in der Schloßstraße ausziehen und in die Mommsenstraße 22 in Charlottenburg umziehen. Sie wohnten hier in einer sog. Zwangswohnung. An diese Adresse erfolgten nach 1939 mindestens weitere 32 Einzüge. Hintergrund war das „Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden“ vom 30. April 1939, wonach jüdische Menschen ihren Wohnsitz nicht mehr frei wählen konnten. Im Berliner Telefonbuch von 1941 ist die Familie Blumenthal nicht mehr aufgeführt. 
Curt Blumenthal wurde zu Zwangsarbeit verpflichtet. Aus seiner Vermögenserklärung ergibt sich, dass er als Arbeiter bei der „Fritz Weber und Co. Metallwaren- und Laternenfabrik“ in der damaligen Graetzstraße 68 (heute Karl-Kunger-Straße) in Berlin Treptow tätig sein musste. Der Firmeninhaber Fritz Weber war NSDAP-Mitglied und wurde als „Wehrwirtschaftsführer“– ein „Ehrentitel“, der an die Leiter von rüstungswichtigen Betrieben verliehen wurde – ausgezeichnet. Nach 1945 wurde die Firma enteignet.

Am 17. Januar 1943 mussten Curt Blumenthal sowie seine Frau und ihr 13-jähriger Sohn ihre Vermögenserklärungen abgeben. Hier mussten sie ihre Vermögenswerte, aber etwa auch das Wohnungsinventar und Kleidungsstücke oder noch vorhandene Vorräte auflisten. Die ausgefüllten Vermögenserklärungen mussten zusammen mit den Personaldokumenten, den Lebensmittelkarten sowie den Haustürschlüsseln in die Sammellager mitgebracht werden, in denen die Menschen vor ihrer Deportation in die Konzentrations- und Vernichtungslager zusammengepfercht waren. Die Familie Blumenthal kam in das Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26, wo vorher ein jüdisches Altersheim und die jüdische Moses-Mendelssohn-Schule untergebracht waren. In dem Sammellager wurden Curt Blumenthal sowie seiner Ehefrau und seinem Sohn die Verfügungen zum Einzug ihres jeweiligen Vermögens am 27. Januar 1943 übergeben.

Zwei Tage später, am 29. Januar 1943, wurde die Familie Blumenthal vom Güterbahnhof Berlin-Moabit aus mit dem 27. „Osttransport“ in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort umgebracht.

Die Gedenktafel „Anwälte erinnern“ des Deutschen Anwaltvereins in der Littenstraße in Berlin erinnert auch an Dr. Curt Blumenthal.