Aranka Farkas wurde 1902 in Budapest geboren. Ihre Eltern hießen Fanny und Michael Farkas. Die Familie wanderte von Ungarn nach Deutschland aus. Aranka lernte ihren zukünftigen Mann, Aladar Steiner, auf einem ungarischen Ball in Berlin kennen. Sie heirateten 1921 und bekamen zwei Kinder. Alfred wurde 1922 und Lilly 1927 geboren.
1933 kamen die Nazis an die Macht. Als sich die Lage für die Jüdinnen und Juden in Deutschland verschlechterte, besprachen die Kinder und Aladar viele der Erfahrungen, die sie gemacht haben. Da Aranka sehr schnell besorgt war, wurde nicht immer alles vor ihr geäußert. Arankas Eltern flohen schließlich nach Kuba. Sie konnten wegen der Einwanderungsquote allerdings nicht in die USA einreisen. Aranka, Aladar und die Kinder verabschiedeten sich von ihnen am Bahnhof in Wien. Sie blieben vorerst in Europa.
Nach den Novemberpogromen 1938 verloren die Steiners nahezu ihren gesamten Besitz in Deutschland. In der überlieferten Familienerinnerung kam ein Nazi mit einem Ehepaar in die Familien-Wohnung. Den Steiners wurde gesagt, dass das Paar die Wohnung ab sofort übernehmen würde und sie nur so viel Kleidung mitnehmen dürften, wie sie tragen konnten. Auch die Fabrik und das Auto von Arankas Mann wurden vom Staat beschlagnahmt. Noch 1938 floh die Familie nach Ungarn, da Aranka und Aladar die ungarische Staatsbürgerschaft besaßen.
Auch dort erlebte die Familie bald Antisemitismus. Die Kinder stritten sich manchmal mit anderen Kindern, die sie antijüdisch beschimpften. Sie wohnten in einer Wohnung in Budapest und besuchten an jedem jüdischen Feiertag die Synagoge in der Dohány-Straße. Arankas Mann war von 1938-44 Teilhaber an einer Textilfabrik. Später zog die Familie in eine Wohnung am Stadtrand, und Aladars Geschäftspartner, ein Baron, half ihm, Papiere zu bekommen, die seine jüdische Identität verbargen. Er wollte auch für Aranka und die Kinder gefälschte Pässe besorgen, aber Aranka hatte zu viel Angst, dabei entdeckt zu werden. Mit dem Kriegseintritt Ungarns gegen die Sowjetunion im Sommer 1941, wurden zwischen 80. und 130.000 ungarische Juden gezwungen, sich in speziellen Einheiten der Armee zur Zwangsarbeit zu melden. Dieses Schicksal traf auch Arankas Sohn Alfred, genannt Freddy, der hinter der Front Gräben für die ungarische Armee ausheben musste. Etwa 30. bis 40.000 ungarische Juden überlebten den Zwangseinsatz nicht.
Im März 1944 marschierte Deutschland in Ungarn ein. Die antisemitische Politik des Landes radikalisierte sich daraufhin. Schon im April mussten alle Jüdinnen und Juden den “Gelben Stern” tragen. In den Städten bildeten sich Ghettos und im Mai begannen die Deportationen nach Auschwitz . Aranka und ihre Tochter mussten in ein Budapester "Judenhaus" umziehen. Während des Umzugs wurden sie von Ungarn mit antisemitischen Parolen beschimpft. In jeder Wohnung lebten zwei Familien, und ab 17:00 Uhr galt eine Ausgangssperre. Als Aladars Identität aufgedeckt wurde, beschlagnahmte die Gestapo die Fabrik und machte ihn zum Zwangsarbeiter. Jedoch wurde er angewiesen, die Fabrik weiterzuführen.
Aranka zog mit Lilly zu ihrem Mann in die Fabrik. Dort arbeiteten und lebten etwa 400 Jüdinnen und Juden. Da es keine Betten gab, schliefen sie auf dem Fabrikboden. Bis Weihnachten 1944 fertigten und reparierten sie Uniformen, als sie ins Budapester Ghetto rund um die Synagoge in der Dohány-Straße gebracht wurden. Sie hatten nur sehr wenig zu essen und lebten von Bohnensuppe und Kaffee. Ohne Betten mussten sie in einem Keller auf Holztüren schlafen. Im Winter 1944/45 begannen die faschistischen Pfeilkreuzler, die im Oktober 1944 die Macht in Ungarn übernommen hatten, in Budapest mit der Ermordung aller Jüdinnen und Juden, derer sie habhaft wurden. Viele Menschen im Ghetto begingen aus Verzweiflung Selbstmord. Aranka erzählte ihrer Tochter, dass sie keinen Lebenswillen mehr hatte. Doch Lilly berichtete ihr von einem Traum, in dem ein alter Mann ihr gesagt habe, dass sie überleben würden. Dies gab Aranka die Hoffnung, die sie zum Überleben brauchte.
Da ihr Mann es arrangieren konnte, im Ghetto eine Position als Polizist zu erlangen, profitierte die Familie von der ihm dafür zugewiesenen Vergütung: täglich eine Scheibe Brot und eine Kümmelsuppe. Die Nazis begannen schließlich mit der Auflösung des Ghettos. Die Befreiung durch die sowjetische Armee am Mitte Januar 1945, rettete die Steiners und etwa 70.000 weitere Menschen im jüdischen Ghetto vor der sicheren Deportation in ein Konzentrationslager .
Gleich nach der Befreiung gingen sie in ihre Wohnung, die in sehr schlechtem Zustand war. Ein Freund teilte der Familie mit, dass Freddy im Sterben liege. Doch der Sohn überlebte dank der fürsorglichen Pflege eines sowjetischen Soldaten. Die wirtschaftliche Lage der Steiners war verzweifelt. In einem harten Winter mussten sie fast alle ihre noch verbliebenen Möbel verheizen.
Neun Jahre, von 1938 bis 1947, hatte die Familie Steiner in Ungarn gelebt, als sie mit Hilfe der HIAS (Hebrew Immigration Aid Society) in die USA auswanderten. Aranka und Aladar konnten Ellis Island jedoch nicht verlassen und mussten nach Venezuela und Kuba weiterziehen. Erst 1951 gelang es ihnen, in die Vereinigten Staaten einzuwandern.
Beide erhielten 1956 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Sie lebten zunächst in New York und zogen 1970 aus gesundheitlichen Gründen nach Florida. Aranka starb 1984 in Miami.
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