Leopold Chones, genannt Poldi, wurde am 24. September 1924 in Berlin geboren.
Er wohnte seit mindestens 1939 als Pflegekind bei Fanny und Felix Grünberg in der Weißenburgerstr. 33. Von 1932 bis 1939 besuchte er die 3. jüdische Volksschule in Berlin.
Auf der Deportationsliste der Gestapo ist unter seinem Namen die Berufsbezeichnung „Gärtner“ vermerkt. Leopold musste aber bis Februar 1943 Zwangsarbeit bei der Metall- und Elektrofirma Ehrlich & Graetz in Berlin-Treptow leisten. Dort wurden von Herbst 1940 bis Februar 1943 mehr als 500 jüdische Zwangsarbeiter*innen vor allem in der Produktion eingesetzt.
Den am 27.02.1943 einsetzenden Deportationen im Rahmen der „Fabrikaktion“ entzog er sich durch Untertauchen. Zusammen mit weiteren Jugendlichen gründete er die zionistische Widerstandsgruppe „Chug Chaluzi“ (hebräisch: Kreis der Pioniere) unter Führung des ehemaligen Lehrers und Jugendleiters Jizchak Schwersenz und der Halbjüdin Edit Wolff. Die Gruppe umfasste bis zu 40 Mitglieder, vor allem untergetauchte Juden. Sie organisierte Verstecke, Lebensmittelkarten und falsche Papiere für das Leben im Untergrund. Gleichzeitig gab sie ihren Mitgliedern durch Schulungen, Ausflüge und religiöse Feiern Halt.
Am 17. März 1943 wurden Leopolds Pflegeeltern mit dem „4. Großen Alterstransport“ in das KZ Theresienstadt deportiert. Beide überlebten und kehrten nach Kriegsende nach Berlin zurück. Am 13. Dezember 1947 stellten Felix und Fanny einen Hilfsantrag bei der Internationalen Flüchtlingsorganisation. Als Wohnort gaben sie das Altersheim der jüdischen Gemeinde zu Berlin an.
Nach der Deportation seiner Pflegeeltern schlich sich Leopold heimlich in deren Wohnung in der Weißenburgerstr. zurück und schlief dort. Bis Oktober 1943 tauchte er in wechselnden Verstecken bei verschiedensten Kontaktpersonen unter. Zuletzt war er bei Frau Lange in der Taunusstraße 28 in Friedenau. Nach der Verhaftung von Edit Wolff und einem Hinweis von deren Mutter wurde Leopold am 02.10.1943 durch die Gestapo im Versteck in der Taunusstraße verhaftet. Bei der Verhaftung setzte er sich zur Wehr und wurde so verprügelt, dass er schwer verletzt in ein jüdisches Krankenhaus gebracht werden musste, um wieder verhörfähig gemacht zu werden.
Anschließend wurde er ins Sammellager in der Großen Hamburger Str. gebracht. Trotz wochenlanger Folter und Verhöre gab er die Identität seiner Unterstützerinnen und Unterstützer nicht preis. Über einen Jüdischen Aufseher des Sammellagers ließ er kurz vor seiner Deportation nach Auschwitz Nachricht an Jitzchak Schwersenz übermitteln: „Ich habe gekämpft und geschwiegen. Geht nicht mehr in die alten Quartiere! Macht euch um mich keine Sorgen! Ich werde tapfer bleiben und stark. Rettet euch! Wir werden uns, so Gott will, wiedersehen.“
Am 29.10.1943 wurde Leopold nach Auschwitz deportiert und dort zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet.
Kriminalbeamter und Lagerleiter Walter Dobberke vermerkte zur Verhaftung: „Am Sonnabend, den 2.10.1943 wurde in der Wohnung der Lange, Berlin-Steglitz, Taunusstraße 28, der flüchtige Jude Leopold Israel Choneß (sic!), geboren 24.9.24 Berlin, festgenommen. Er war unter dem Namen Poldi dem bereits festgenommenen Hallermann und Kaufmann bekannt.“
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