Max Wohl kam am 16. März 1895 als Sohn des Kaufmanns Gustav Wohl und seiner Ehefrau Jenny Wohl, geborene Arnholz, in Bublitz (dem heutigen Bobolice in Polen) zur Welt. Max war der jüngste von insgesamt 10 Brüdern und Schwestern.
Die Familie Wohl führte in Bublitz (dem heutigen Bobolice in Polen) ein Unternehmen, das mit Getreide und anderen landwirtschaftlichen Produkten handelte. Gegründet wurde das Unternehmen von Moses Wohl (1811-1894). Das Geschäft bestand aus einem Laden, der an prominenter Stelle auf dem Marktplatz des Ortes vor einer imposanten Statue Kaiser Wilhelms I. stand, einem Lagerhaus hinter dem Laden und mehreren Bauernhöfen im Umland. Im Frühjahr kauften die Bauern Düngemittel auf Kredit und zahlten ihre Schulden im Herbst zurück, wenn sie ihre Erzeugnisse an das Geschäft verkauften. Nach der Ernte wurden Lkw-Ladungen Kartoffeln im ganzen Land verschickt. Nach dem Tod des Gründers führte sein Sohn Gustav das Geschäft weiter.
Am 27. April 1913 verstarb der Vater von Max, Gustav Wohl, in der Kurfürstenstr. 42 in Berlin. Die Anzeige im Sterberegister erfolgte durch seinen Schwiegersohn Max Loewy, dem Schwager von Max Wohl. Max Loewy und seine Ehefrau Rosa Loewy (geb. Wohl), die Schwester von Max Wohl, lebten zu diesem Zeitpunkt bereits in Berlin.
Nach dem Tod des Vaters übernahmen die beiden älteren Brüder von Max, Leonhardt und Alex, das Familiengeschäft in Bublitz. Max und seine beiden weiteren Brüder zogen aus Bublitz weg.
Wann genau Max nach Körlin a.d. Persante (dem heutigen Karlino in Polen) zog, ist nicht bekannt. Spätestens jedoch zu seiner Eheschließung 1926 war er in Körlin a.d. Persante gemeldet. Die Stadt liegt knapp 60 km westlich von seinem Geburtsort Bublitz entfernt.
Am 01. Februar 1926 heiratete Max die am 21. Februar 1901 in Lippehne (dem heutigen Lipiany in Polen) geborene Hanna Leiser. Gemeinsam lebten sie in den folgenden Jahren in Körlin a.d. Persante und besaßen dort ein Geschäftshaus. Auch ihre beiden Söhne Peter (*17. November 1926) und Horst (*25. Januar 1930) wurden in Körlin a.d. Persante geboren und erlebten dort die ersten Jahre ihrer Kindheit.
Die furchtbaren Ereignisse der Pogromnacht vom 9. November 1938 waren sehr wahrscheinlich dafür ausschlaggebend, dass die Eltern – um die Sicherheit ihrer Söhne besorgt – diese in größere Städte schickten. Sie handelten in der trügerischen Hoffnung, dass die Anonymität der Großstadt das Leben etwas sicherer gestalten könnte.
Schon am 21. November 1938 wechselte Max und Hannas jüngster Sohn Horst auf eine Schule nach Berlin. Er wohnte bei seiner Tante Rosa Loewy und deren Ehemann Max in Friedrichshain (damals Horst-Wessel-Stadt), in der Straße An der Bartholomäuskirche 2. Zu diesem Zeitpunkt war Horst erst acht Jahre alt und ging das zweite Jahr zur Schule.
Auch den älteren Sohn Peter schickten die Eltern in die Großstadt Berlin. Nach Angaben der Schülerkartei ist Peter aus Stettin nach Berlin zugezogen. Ob die Eltern nach der Pogromnacht zuerst versuchten, Peter in Stettin unterzubringen oder andere Gründe dahinterstanden, ist nicht bekannt. Am 27. März 1939 – mit Beginn des neuen Schuljahres – wechselte der damals zwölfjährige Peter dann auf eine Jungen-Volksschule nach Berlin und wohnte bei der in "Mischehe" lebenden Familie des Zahnarztes Dr. John Lehmann und seiner Ehefrau Elisabeth, geb. Raddan, in der Alexanderstr. 21 in Berlin-Mitte. Der älteste der beiden Söhne, Hans Lehmann, begann im Mai 1939 eine landwirtschaftliche Ausbildung in Ellguth bei Steinau (dem heutigen Przydroże Wielkie in Polen), so dass die Familie Platz für die Aufnahme von Peter hatte. Über das Verhältnis der Familien Wohl und Lehmann miteinander ist nichts bekannt.
Die Eltern Max und Hanna lebten weiter in Körlin a.d. Persante, wie man den überlieferten Unterlagen der Volkszählung vom Mai 1939 entnehmen kann.
Horst Wohl erlebte am 18. Juli 1940 den Tod des Onkels Max Loewy in Berlin. Rosa lebte weiterhin mit dem Ziehkind Horst in der gemeinsamen Wohnung. Am 27. Oktober 1941 wurde Rosa Loewy, geb. Wohl, in das
Ghetto
Litzmannstadt (Łódź) deportiert. Sie überlebte die fürchterlichen Lebensumstände dort nicht. Ihr genaues Todesdatum ist nicht dokumentiert.
Ob Max und seine Ehefrau Hanna bereits nach dem Tod des Schwagers nach Berlin zogen, oder Peter vorerst zu seiner Tante Rosa Loewy und seinem Bruder Horst zog, ist nicht bekannt. Es ist anzunehmen, dass Max und Hanna spätestens zum Zeitpunkt der Deportation Rosas zu ihren Söhnen nach Berlin zogen.
Gemeinsam lebte die Familie Wohl zuletzt als Untermieter von Ernst und Lucie Finkenstein in einer Zweizimmerwohnung mit Küche in der Choriner Str. 71. Im Oktober 1942 wurde das Ehepaar Finkenstein nach Riga deportiert.
Die Familienmitglieder Wohl waren – wie alle jüdischen Bürger – zur Zwangsarbeit verpflichtet. VonHorst ist bekannt, dass er zuletzt in der Gormannstr. 3 in Berlin beschäftigt war. Dieses Gebäude war vor der Nutzung durch die Nationalsozialisten ein sogenanntes Heimathaus und auch Altenheim der jüdischen Gemeinde. Ab November 1942 wurde das Gebäude auf Weisung der Gestapo zur Zentralküche der Jüdischen Gemeinde und diente teilweise auch als provisorisches „Sammellager“. Die Arbeitsstellen der drei anderen Wohls sind nicht bekannt.
Max, Hanna und ihre beiden Söhne Horst und Peter wurden im Rahmen der sogenannten „Fabrikaktion“ festgenommen. Bei dieser Großrazzia wurden zwischen dem 01. und 12. März 1943 ca. 8.000 bisher von der Deportation verschont gebliebene Berliner Jüdinnen und Juden, die bis zum 27. Februar 1943 noch zwangsbeschäftigt waren, verhaftet. Dies geschah meist direkt an ihren Arbeitsplätzen, auf offener Straße oder in ihren Wohnungen. Sie wurden in Sammellager gebracht und anschließend nach Auschwitz deportiert.
Zuerst wurden Hanna und ihr ältester Sohn Peter am 01. März 1943 mit dem „31. Osttransport“ in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert.
Am darauffolgenden Tag mussten Max und Horst ihre sogenannten „Vermögenserklärungen“ abgeben. Ihre gesamte verbliebene Habe sowie das Grundstück in Körlin a.d. Persante wurden zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen. Das Wohnungsinventar wurde mit 1886,- Reichsmark bewertet und verkauft.
Am 04. März 1943 wurden auch Max und Horst mit dem „34. Osttransport“ in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert.
Die Familie Wohl überlebte den Holocaust nicht. Ihr genaues Schicksal und ihre Todesdaten sind unbekannt.
Auch vom weiteren Familienkreis überlebten nur sehr wenige Mitglieder. Von den insgesamt zehn Geschwistern Max Wohls aus Bublitz überlebten nur zwei den Holocaust. Seinem Bruder Oscar gelang die Flucht in die USA, seine Schwester Clara konnte nach Brasilien emigrieren.
Aus der Familie von Hanna Leiser ist bekannt, dass die Brüder, Kurt und Heinz, zuletzt gemeinsam mit ihrer Mutter Flora in der Stolpischen Str. 1 in Berlin Prenzlauer Berg lebten.
Ihre Mutter wurde am 14. September 1942 von Berlin in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 22. Januar 1943 verstarb. Heinz wurde am 01.03.1943 nach Auschwitz deportiert. Sein genaues Todesdatum ist nicht bekannt. Kurt wurde am 06.03.1943 ebenfalls nach Auschwitz deportiert, wo er am 26.05.1943 ermordet wurde.
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