Horst Silberstein

Location 
Schönhauser Allee 144
District
Prenzlauer Berg
Stone was laid
12 June 2024
Born
06 January 1931 in Berlin
Escape
1939 Shanghai
Survived
Biography

Walter Horst Silberstein wurde am 6. Januar 1931 als einziges Kind des jüdischen Rechtsanwalts und Notars, Dr. Alfred Silberstein, und dessen Ehefrau Käthe, geb. Crohn, in Berlin geboren. Seine Eltern hatten im Dezember 1929 geheiratet. 

Von 1930 bis 1939 wohnte die Familie des Rechtsanwalts und Notars Dr. Alfred Silberstein an der Adresse Schönhauser Allee 144, wie dem Berliner Adressbuch zu entnehmen ist. Horsts Großeltern, Eugen und Jette Silberstein, wohnten im gleichen Haus; eventuell wohnten sie in derselben Wohnung.

Mit der Machtübernahme der Nazis in Deutschland wurden auch für die Silbersteins die Lebensumstände immer dramatischer. Als jüdische Familie wurden sie in den Folgejahren systematisch entrechtet, enteignet und verfolgt.

Auch Alfred Silberstein wurde in der Folge die Ausübung seines Berufes verboten. Da er im 1. Weltkrieg gekämpft hatte, unterlag er einer Ausnahmeregelung, die dieses Berufsverbot nicht „schon“ 1933, sondern „erst“ 1938 in Kraft setzte. 

Nach der Pogromnacht im November 1938 wurde Alfred von einem Bekannten mit Papieren versehen, die ihm und seiner Familie eine legale Ausreise aus Deutschland ermöglichten. Im März 1939 hatte die Familie Silberstein alle notwendigen Papiere zur Ausreise beisammen, alle Formalitäten zur Auflösung der Wohnung waren erledigt.

In diesem kritischen Moment verstarb Horsts Großvater Eugen Silberstein am 5. April 1939 im Jüdischen Krankenhaus Wedding. Nur fünf Tage nach Eugens Tod gelang Alfred am 10. April 1939 die Flucht. Gemeinsam mit der verwitweten Mutter, seiner Frau Käthe, dem achtjährigen Horst sowie Käthes Mutter, der ebenfalls verwitweten Lieschen Crohn, geb. Lewin, reiste er per Zug über die Schweiz nach Italien. Von dort fuhr die Familie mit einem italienischen Liniendampfer ins chinesische Shanghai, das in jenen Tagen unter internationaler Verwaltung stand. Alfred gelang es sogar, den Abtransport des Hausrates per Container zu organisieren – und damit die Existenzgrundlage der Familie in der Emigration in Shanghai zu sichern. 

Ein britisch-chinesischer Vertrag aus dem frühen 19. Jahrhundert sicherte den jüdischen Flüchtlingen aus Europa noch die Einreise nach Shanghai, nachdem bereits alle anderen Länder – mit Ausnahme der Komoren – keine mehr aufnahmen. Nachdem die Stadt Ende 1941 unter japanische Besatzung gefallen war, mussten die dort verbliebenen etwa 20000 europäischen Jüdinnen und Juden ab Ende 1942 in ein „Ghetto“ ziehen. Diese sogenannte Designated Area for Stateless Refugees sah zwar Härten für ihre Bewohner, wie Ausgangssperren und beengte Wohnverhältnisse. Jedoch planten die Japaner nie die Vernichtung der Jüdinnen und Juden in ihrem Herrschaftsbereich. So überlebten die etwa 20000 Geflüchteten in Shanghai den Holocaust in Europa.

Jette Silberstein starb im Mai 1946 noch in Shanghai. Vater Alfred, Käthe, Horst und die Großmutter, Lieschen Crohn, konnten später in die USA emigrieren. Lieschen starb hier im Juli 1954. Horst gründete im selben Jahr mit seiner Frau Nancy eine Familie, aus der drei Söhne hervorgingen. Er starb im Februar 2001 in Philadelphia. Sein Vater, Dr. Alfred Silberstein, war bereits 1971 und seine Mutter, Käthe, im Jahre 1973 verstorben.

Auf Antrag der Familie wurden am 12. Juni 2024 vor dem letzten frei gewählten Berliner Wohnsitz in der Schönhauser Allee 144 für Käthe Silberstein, ihren Mann Alfred, den Sohn Horst sowie für die Großeltern, Eugen und Jette Silberstein, geb. Ascher, fünf Stolpersteine verlegt.