Franz Behrend wurde am 9. Februar 1871 in Berlin geboren. Über seine Familie und Jugend war leider nur wenig in den noch vorhandenen Personalakten im Landeshauptarchiv in Potsdam (44KG Pers 12693 – 12693/13) zu finden. Sein Vater war Jacob Friedrich Behrend (1833 – 1907). Er hatte zwei Brüder und zwei Schwestern: Anna Rosalie Behrend (1869/Berlin – 1943/Theresienstadt), Paul Martin Behrend (1872/Berlin – 1901), Richard Behrend (1874/Berlin – 1913/Badenweiler) und Margarethe Pauline Behrend (1880/Greifswald - ?). Er stammte aus einer Juristenfamilie, sein Vater war Reichsgerichtsrat, sein Bruder Richard Regierungsrat, er selber war bei seiner 1933 erzwungenen Entlassung seit 1923 Landgerichtsrat beim Landgericht II in Berlin.
Seine Laufbahn als Richter begann er am 23. Juli 1891 als Referendar in Finsterwalde, Stationen seiner Tätigkeit waren u.a. Marburg, Trebbin, Crossen a.d. Oder, wo er 1908 zum Amtsrichter und 1913 zum Amtsgerichtsrat ernannt wurde. Seinen Doktorgrad hatte er schon vorher am 10.03.1892 an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin erworben.
Im Ersten Weltkrieg meldete er sich als „Freiwilliger" bei der kämpfenden Truppe, wurde aber aus Altersgründen abgewiesen, wurde aber von Oktober 1914 bis August 1915 als Kriegsgerichtsrat an der Westfront eingesetzt, bis er nach Erkrankung ausschied. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
Während in der ursprünglich handschriftlich geführten Personalakte aus Crossen unter Religion (Bekenntnis) nur „evangelisch“ steht, wird dies in einer späteren (um 1920) maschinenschriftlichen Fassung in: „evangelisch (seit 1885, vorher jüdisch)“ verändert. Für die Nazis war Franz Behrend ein „Nichtarier“.
Er heiratete 1927 Martha Maria Camp (1893 – 1943). Die Ehe blieb kinderlos und wurde 1940 geschieden.
Ab April 1933 ist er zwangsweise beurlaubt, im Juli 1933 wurde ihm die Versetzung in den Ruhestand nach § 5 des sog. „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ in Aussicht gestellt, die im September vollzogen wurde. Behrend wehrte sich in zahlreichen Schreiben gegen das drohende Berufsverbot und betonte seine deutsch-nationale, christlich-evangelische Einstellung, seine Eingaben blieben aber erfolglos.
Seit 1935 lebte er mit seiner Ehefrau in einem neu erbauten Haus in Berlin-Schlachtensee, Ilsensteinweg 18a (damals Hoensbroechstraße). Er blieb von den Deportationen verschont, weil die Ehe bis 1940 als „Mischehe" galt. Nach den Erinnerungen einer Zeitzeugin wurde Franz Behrend am 14.12.1942 von der Gestapo festgenommen, weil er den Judenstern an seiner Kleidung verdeckt haben soll. Er wurde in die Strafanstalt (Zellengefängnis) Moabit, Invalidenstraße 54 (Lehrter Straße 1 -5) eingeliefert und kam am 9.1.1943 zu Tode. Auf dem amtlichen Totenschein wird als Todesursache vermerkt: Herzleiden, Herzmuskelschwäche.
Seine Schwester Anna heiratete den Rittergutsbesitzer Georg Jacob Josephy, und lebte seit 1905 in Jena in der Sedanstraße 4 (heute Ebertstraße) mit ihrer Familie. Ihr Sohn Berthold studierte in Jena Landwirtschaftswissenschaften. 1929 erhielt er eine außerordentliche Professur für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und wurde im April 1933 auf der Grundlage des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ beurlaubt. Um seiner Entlassung zuvorzukommen, kündigte er sein Arbeitsverhältnis und emigrierte 1934 nach Schweden.
Das Wohnhaus der Josephys wurde von den Nazis als eines der sog. „Judenhäuser“ in Jena missbraucht. Anna Josephy und ihre beiden Kinder Elisabeth und Hedwig wurden von dort 1943 nach Theresienstadt deportiert und ermordet. Vor ihrem Haus wurden für sie drei 2008 Stolpersteine verlegt.
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