- Location
- Dresdener Straße 123
- District
- Kreuzberg
- Stone was laid
-
09 March 2026
- Born
- 25 August 1899 in Berlin
- Escape
- 1938 USA
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Survived
Hildegard, genannt Hilde, Wolff kam am 25. August 1899 in Berlin als Tochter des jüdischen Kaufmanns Salomon Wolff und dessen Ehefrau Gertrud, geb. Grünfeld, zur Welt. Sie hatte noch zwei Geschwister: Edith (*1897) und Erich (*1901). Der Vater verstarb 1902, die Mutter 1909. Vormund der Kinder wurde ihr Onkel Heinrich Grünfeld (1865–1936). Die Familie Grünfeld war sehr wohlhabend, sie hatte 1873 den ersten Versandhandel, vor allem für Leinenwaren, aufgebaut. 1919 war Heinrich Grünfeld der Gründungspräsident der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels.
Hilde, die den Beruf der Buchhalterin erlernt hatte, heiratete am 9. Juni 1922 den jüdischen Arzt Dr. Erwin Max Schoeps, geb. am 20. Dezember 1895 in Berlin. Ihr Ehemann ließ sich zunächst als Allgemeinmediziner in der Schreinerstraße 52 im Friedrichshain nieder, seit September 1924 praktizierte er in der zweiten Etage des Vorderhauses Dresdener Straße 123, wo sich auch die Wohnung befand. Die Praxis florierte und ermöglichte der Familie – 1924 kam die Tochter Eva, 1929 Lili zur Welt – einen gutbürgerlichen Lebensstil. Hilde war künstlerisch begabt und schuf viele Ölgemälde, die ihr Zuhause und ihre Nachbarschaft darstellten.
Nachdem die Nationalsozialisten 1933 an die Macht gekommen waren, verlor Dr. Erwin Schoeps immer mehr Patienten und sein Einkommen ging zurück. Die zunehmende Diskriminierung und soziale Ausgrenzung von Juden und die Sorge, dass die Töchter keine angemessene Ausbildung erhalten könnten, veranlasste die Familie, ihre Auswanderung vorzubereiten.
Auch Hildes Geschwister hatten Deutschland schon verlassen: Ihre Schwester Edith war in der Weimarer Republik politische Redakteurin beim „Berliner Börsen-Courier“, einer linksliberalen Tageszeitung. Sie war als einzige Frau unter 200 Kollegen zur Reichspressekonferenz zugelassen. Ihre journalistische Karriere endete Anfang 1933 mit dem Beginn der NS-Diktatur. 1934 floh sie mit ihrem Ehemann, dem Wirtschaftswissenschaftler Dr. Fritz Baade, der von 1930 bis 1933 als SPD-Abgeordneter dem Reichstag angehört hatte, in die Türkei. Ihr Bruder Erich Wolff wanderte nach Australien aus.
Erwin Schoeps reiste zu entfernten Verwandten in die USA, um sich vorzustellen und sie zu bitten, eine beglaubigte Bürgschaftserklärung (Affidavit) zu unterschreiben, um ihm und seiner Familie die Einreise in die USA zu ermöglichen. Er kehrte schließlich mit den erforderlichen Papieren nach Deutschland zurück. Die Familie war nun gezwungen, binnen kürzester Zeit den Großteil ihres Besitzes zu Schleuderpreisen zu verkaufen und eine hohe Reichsfluchtsteuer zu zahlen. Im September 1938 verließ die Familie Schoeps Berlin und wanderte in die USA aus. Sie kamen am 3. Oktober 1938 in New York City an. Hildes Ehemann begann sofort englisch zu lernen und sich auf die ärztliche Zulassungsprüfung vorzubereiten. Nachdem er diese im Juni 1940 bestanden hatte, ließ sich die Familie in der Kleinstadt Waverly im Bundesstaat New York, etwa 300 km nordwestlich von New York City gelegen, nieder. Dort baute er wieder eine erfolgreiche Arztpraxis auf.
Hildegard und Erwin Schoeps wurden am 5. September 1944 eingebürgert. Hilde Schoeps starb am 29. August 1962 in Waverly.
Edith und Fritz Baade lebten während des gesamten Krieges in der Türkei und waren kurzzeitig in einem Lager in Anatolien interniert. Nach Kriegsende wanderten sie in die USA aus, doch sie kehrten 1948 nach Deutschland zurück und ließen sich in Kiel nieder. Fritz Baade war von 1949 bis 1965 Mitglied des Deutschen Bundestages.
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