- Location
- Graudenzer Straße 8
- Historical name
- Graudenzer Straße 4
- District
- Friedrichshain
- Stone was laid
-
14 April 2026
- Born
- 14 May 1902 in Berlin
- Deportation
- on 18 October 1941 to Łódź / Litzmannstadt
- Later deported
- on 05 May 1942 to Chełmno / Kulmhof
-
Murdered
- 05 May 1942 in Chełmno / Kulmhof
Max Lewy kam am 14. Mai 1902 in Berlin als Sohn des jüdischen Schneiders Salomon Lewy und dessen Ehefrau Johanna, geb. Kiwi, zur Welt. Er hatte noch fünf Geschwister: Nora (*1895), Alfons (*1897), Alexander (*1900), Sidonie (*1905) und Herbert (*1907). Die Familie lebte an verschiedenen Adressen im nordwestlichen Teil Friedrichshains. Der Vater verdiente den Lebensunterhalt als Schneider von Damenkonfektion, bis er im Dezember 1917 im Alter von 48 Jahren verstarb. Danach zog die Mutter mit den Kindern in die Proskauer Straße 37.
Max Lewy studierte an der Berliner Universität Zahnmedizin und bestand im März 1931 das zahnärztliche Staatsexamen. Er sollte aber nie eine eigene Praxis haben.
Im März 1932 hatte sich Dr. Max Lewy mit der Friseurin Dora Golisch, geb. 1908 in Fürstenau (Schlesien), verlobt. Warum das Paar nicht bald darauf heiratete, ist unbekannt. Nach dem Erlass des „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ am 15. September 1935 wurde die Eheschließung zwischen Juden und Nichtjuden verboten. Dadurch war es dem Paar nun unmöglich zu heiraten, da Dora Golisch „Arierin“ war.
Im Juni 1933 wurde Max Lewy aufgrund seiner jüdischen Abstammung die Kassenzulassung entzogen. In den folgenden Jahren war er in verschiedenen Berliner Zahnarztpraxen – oft nur kurzzeitig – als Krankheitsvertretung oder als Assistenzzahnarzt tätig. Ab Januar 1939 musste er sich – wie alle jüdischen Zahnärzte – „Zahnbehandler“ nennen und durfte nur noch Juden behandeln.
Seit etwa 1934 wohnte Max Lewy mit seiner Mutter in der Graudenzer Straße 4 – das Gebäude existiert nicht mehr, dort befindet sich heute die Nr. 8. Auch der jüngste Bruder Herbert zog dort ein, nachdem er seine Stellung als Buchhalter bei einer Augsburger Firma Ende Februar 1934 aufgrund seiner jüdischen Abstammung verloren hatte. Herbert Lewy wurde am 19. Juli 1935 in der Wohnung seiner Mutter von der Gestapo verhaftet und von Berlin nach Augsburg überführt. Dort wurde ihm zunächst Brandstiftung, später Rassenschande vorgeworfen – nichts davon konnte bewiesen werden. Die Bayerische Politische Polizei ordnete dennoch Schutzhaft gegen ihn an und Herbert Lewy wurde am 24. August 1935 in das KZ Dachau eingeliefert. Als er am 4. April 1936 entlassen wurde, bekam er die Auflage, Deutschland innerhalb kürzester Zeit verlassen zu müssen. Max' Bruder wanderte im Juni 1936 nach Spanien aus, wohin der älteste Bruder Alfons Lewy mit seiner Familie bereits 1933 geflohen war. Die Schwester Nora, verheiratete Soberski, emigrierte 1939 nach Brasilien.
Als die Mutter Johanna Lewy am 17. Februar 1941 verstarb, wohnte sie mit ihrem Sohn zur Untermiete bei dem jüdischen Ehepaar Moses in der Boxhagener Straße 7. Zuletzt lebte Max Lewy als Untermieter bei dem jüdischen Ehepaar Breslauer in der Großen Frankfurter Straße 123 (heute Karl-Marx-Allee).
Dr. Max Lewy wurde Mitte Oktober 1941 in die Synagoge Levetzowstraße in Moabit verschleppt, die kurz vorher zum Sammellager umfunktioniert worden war. Vom Bahnhof Grunewald wurde er am 18. Oktober 1941 mit dem 1. Osttransport in das Ghetto Litzmannstadt deportiert. Dort fand er Unterkunft in der Königsberger Straße 24/24. Am 5. Mai 1942 wurde Dr. Max Lewy in das Vernichtungslager Kulmhof verschleppt und gleich nach der Ankunft ermordet.
Seine Brüder Alfons und Herbert Lewy lebten in Barcelona, bis im Sommer 1936 der Spanische Bürgerkrieg ausbrach. Sie gingen dann nach Italien und lebten in Mailand, Ende 1937 emigrierten sie nach Kolumbien. Alfons Lewy erkrankte jedoch schwer, da er das ungewohnte tropische Klima nicht vertrug und sie reisten nach einigen Monaten zurück nach Italien und ließen sich wieder in Mailand nieder. Nachdem auch Italien begann, antijüdische Gesetze zu erlassen, konnten die Lewys auch dort nicht länger bleiben. Alfons Lewy übersiedelte mit seiner Familie Ende Juli 1939 nach Mallorca und Mitte 1940 nach Spanisch-Marokko. Im Frühjahr 1944 konnten sie von dort nach Kanada emigrieren.
Herbert Lewy wanderte von Mailand im Sommer 1939 nach England aus. Nach Kriegsbeginn wurde er in ein Internierungslager auf der Isle of Man verbracht und von dort mit einem Transport anderer Zivilinternierter in ein Lager nach Kanada überführt. Nach mehreren Monaten konnte Herbert Lewy 1941 nach England zurückkehren, wo er als landwirtschaftlicher Arbeiter Beschäftigung fand. Ende 1947 wanderte er endgültig nach Kanada aus.
Die Schwester Sidonie hatte 1928 den Nicht-Juden Richard Grabowsky geheiratet und blieb durch diese „Mischehe“ von der Deportation verschont, ebenso der Bruder Alexander Lewy, der 1928 die Nicht-Jüdin Erna Benner geheiratet hatte.
Durch das 1950 erlassene „Gesetz über die Anerkennung freier Ehen rassisch und politisch Verfolgter“ wurde 1961 die Ehe zwischen Dr. Max Lewy und Dora Golisch mit Wirkung vom 1. Juli 1936 anerkannt.
All texts and images on this website are protected by copyright and may not be used without the permission of the copyright holder.