- Location
- Wallstr. 32
- District
- Mitte
- Born
- 05 December 1891 in Berlin
-
Survived
Wenig ist über das Leben von Else Feldheim bekannt. Sie wurde als Else Emilia Wächter am 5. Dezember 1891 in eine evangelische Familie in Berlin-Charlottenburg geboren. Über ihre Familie wissen wir nichts. Als junge Frau muss Else den 11 Jahre älteren Benno Feldheim aus Dortmund kennengelernt haben, der aus einer wohlhabenden jüdischen Familie aus Dortmund kam. Die konfessionelle Unterschiedlichkeit hinderte Else nicht, Benno zu heiraten, was auf Weltoffenheit und Mut schließen lässt.
Elses Mann Benno, dessen Geschwister Hedwig und Max ebenfalls nach Berlin gezogen waren, war Geschäftsmann. Er hatte sich erst mit einem Partner in der Neuen Friedrichsstraße niedergelassen und eine Mützenmanufaktur betrieben, bis er allein in der Wallstraße 32 ein Geschäft für Damenhüte eröffnete, über dem das Ehepaar auch wohnte. Ihre Ehe blieb kinderlos.
Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten werden Else und die Familie ihres Mannes mit großer Sorge betrachtet haben. Und schon bald waren die antisemitischen Anfeindungen spürbar, geschäftlich wie persönlich. Wie alle nicht-jüdischen Ehepartner*innen wird auch auf Else der gesellschaftliche Druck ausgeübt worden sein, sich von Benno zu trennen. Sie aber blieb an seiner Seite und sicherte ihm damit das Überleben. Andere Familienmitglieder standen nicht unter diesem fragilen Schutz. Elses Schwägerin, Hedwig Rosenberg, lebte gemeinsam mit deren Tochter Alice und Enkel Peter in Charlottenburg – alle drei, ebenfalls wie der Bruder von Alice, Walter, waren der vollen Last der Ausgrenzung, Anfeindung und Entrechtung ausgesetzt. Als sich die ökonomische Lage im Laufe der 1930er Jahre immer mehr zuspitzte, beschlossen Else und Bennos Nichte und Neffe, Deutschland zu verlassen. Vermutlich ging es auch darum, für die Familie die Bedingungen im Ausland zu schaffen, die eine Flucht für alle ermöglichte. Walter floh in die Schweiz. Als Alice im März 1939 nach England ging, zog Hedwig zu Bennos Bruder Max, während der 12-jährige Peter zu Else und Benno auf die Fischerinsel zog.
Else und ihr Mann Benno mussten den furchtbaren Tag am 2. Februar 1943 erleben, an dem ihr 15-jähriger Großneffe Peter, den Benno in späteren Unterlagen als Ziehsohn bezeichnet, sich in dem Sammellager in der Großen Hamburger Straße einfinden musste. Einen Tag später wurde Peter nach Auschwitz deportiert. Da der Junge nie eine Häftlingsnummer erhielt, ist davon auszugehen, dass er unmittelbar nach seiner Ankunft ermordet wurde. Auch die Deportation ihrer Schwiegermutter musste Else erleben: Hedwig Feldheim wurde am 16. Juni 1943 nach Theresienstadt deportiert. Dort überlebte sie fast ein Jahr, bis auch sie am 18. Juni 1944 nach Auschwitz verschleppt und ermordet wurde.
Und auch die Befreiung vom Faschismus brachte nur kurz Erleichterung für Else: Mit nur 68 Jahren starb ihr Mann Benno am 2. August 1948 im Sankt-Hedwig-Krankenhaus in der Großen Hamburger Straße in Berlin, wenige Häuser weiter als das Grundstück des Sammellagers, aus dem Peter deportiert worden war. Else Feldheim starb 1973. Ihre Todesurkunde ist auf den 2. Februar ausgestellt – auf den Tag genau 30 Jahre nach Peters Internierung. Ihr letzter Wohnsitz befand sich in Ost-Berlin in der Köpenickerstraße 110. Else und Benno Feldheim sind auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee begraben, auf ihrem Grabstein steht: „Die Liebe höret nimmer auf!“
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