Auguste „Gittel“ Fischer wurde am 8. Februar 1871 in Miescisko/Wronkowitz/Polen geboren. Sie heiratete im April 1902 in Berlin Aba Fuchs, genannt „Kalkstein“.
Im November 1902 wurde die Tochter Natalie in Berlin-Kreuzberg geboren. Diese heiratete im Februar 1929 den Kaufmann Erich Lublin. Familie Fuchs wohnte zu diesem Zeitpunkt in Berlin-Friedrichshain, Langestraße 75 (heute zw. Frucht-u. Koppenstraße).
Im Dezember 1931 starb Aba Fuchs im Krankenhaus Friedrichshain. „Gittel“ wird noch bis 1934 als Witwe Auguste Fuchs im Berliner Adressbuch unter der Langestr. 75 geführt.
Spätestens auf der Hochzeit ihrer Tochter Natalie hatte sie deren Schwiegervater Hugo Lublin kennengelernt. Beide verwitwet heirateten sie im September 1937 auf dem Berliner Standesamt VIII.
Das Ehepaar zog am 1. Oktober 1937 in die Göhrener Str. 8, Parterre II. Aufgang. Als Hauptmieter bewohnten sie damit eine Wohnung mit 2 Stuben, Küche, Bodenkammer, Boden und einem Keller für 65 RM im Monat. So gab es Gittel in ihrer Vermögenserklärung im Juni 1942 an.
Bei der Volkszählung am 17. Mai 1939 wurden Hugo und Auguste Lublin in der Göhrener Straße 8 erfasst. Bei dieser Gelegenheit dokumentierten die Nationalsozialisten auch die Abstammungsverhältnisse der deutschen Bürgerinnen und Bürger. „Gittel“ und ihr zweiter Ehemann wurden von der deutschen Bürokratie als sogenannte „Volljuden“ erfasst, da sämtliche ihrer Großeltern jüdischen Glaubens waren. Über ihr weiteres Schicksal bis zur
Deportation
im Sommer 1942 ist nichts weiter bekannt.
Das Ehepaar musste sich am 4. Juli 1942 in der Sammelstelle Große Hamburger Straße 26 einfinden. Sein gesamter Besitz wurde „zu Gunsten des Deutschen Reiches“ enteignet. Am 7. Juli 1942 wurden Auguste und Hugo Lublin mit dem 16. Alterstransport ins „
Ghetto
“ Theresienstadt deportiert.
Etwa einen Monat darauf wurde am 5. August 1942 der gesamte Hausrat der Lublins für 200 RM von einer Frau Rosa Schulz ersteigert. Der Besitz der deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden wurde gewinnbringend an die meistbietenden „Volksgenossen“ versteigert.
Am 19. September 1942 wurden Hugo und Auguste Lublin von Theresienstadt nach Treblinka gebracht und dort sofort ermordet.
Über das Schicksal ihrer Kinder ist folgendes bekannt:
Hugos Sohn Kurt konnte mit seiner Frau Hatty geb. Lachmann Anfang 1939 in die USA emigrieren. Sie starben 1979 bzw. 1985 kinderlos in Miami Beach, Dade, Florida, USA.
Hugos Tochter Hertha war mit ihrem Mann Max Reichenberg und dem 1931 geborenen Sohn Harry bereits Anfang 1937 in die USA emigriert. Dort starb Max im Jahre 1966 und Hertha 1998.
Augustes Tochter Natalie und Hugos Sohn Erich sowie dessen Tochter Marianne gelang es nicht, ins sichere Ausland zu entkommen. Alle drei wurden im Mai 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
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