Rosemarie Lachotzki wurde am 7. Januar 1927 im Berliner Bezirk Charlottenburg als Tochter von Selma und Bruno Lachotzki geboren. Die Familie war wohlhabend, da die Kleiderfabrikation, die die Eltern als Teilhaber besaßen, sehr erfolgreich war.
Da ihre Eltern viel beschäftigt waren, kümmerten sich ihre Tante Thea und das Kindermädchen Lina um sie und ihren jüngeren Bruder Fritz.
Ihr Leben in Berlin war, trotz des Aufstiegs von Hitler, inmitten der großen Familie, ihren Freunden in der Schule und regelmäßigen Ferien in den Bergen angenehm. Die Wohnung in der Paulsborner Straße, in der sie aufwuchs, war elegant und großzügig. Sie lag in der Nähe des Kurfürstendamms und unweit des Berliner Zoos.
Rosemaries erste Schule befand sich in der Sybelstraße, nicht weit von ihrem Zuhause entfernt. Seit dem Frühjahr 1933 wuchsen die Diskriminierungen und Schikanen gegen jüdische Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Schulen. Auch wenn ihnen der öffentliche Schulbesuch erst ab November 1938 gänzlich verboten wurde, zogen Rosemaries Eltern bereits 1936 Konsequenzen. Daher gingen sie und ihr Bruder nun auf die private jüdische Ganztagsschule in Dahlem, genannt die `Private Waldschule Kaliski´. Diese war eine Zuflucht, in der die Kinder neben den üblichen Unterrichtsfächern auch Fähigkeiten lernten, die sie lehrten, das Leben in Palästina zu meistern, sollten sie einmal die Chance haben, dorthin auszuwandern.
Nach den Novemberpogromen 1938 wurde ihr Vater Bruno verhaftet und im
Konzentrationslager
Sachsenhausen interniert. Als Ältere der Kinder wird der 12-jährigen Rosemarie möglicherweise durchaus bewusst gewesen sein, was in der Familie und im ganzen Land passierte. Als Erwachsene sprach sie nie über ihre Kindheit, wahrscheinlich war das Erlebte zu traumatisch, besonders im Lichte dessen, was noch kommen sollte.
Wenige Monate nach Brunos Verhaftung war ihre Mutter Selma in der Lage, genug Bestechungsgeld zu bezahlen, um ihn aus dem Lager herauszuholen. Die Familie musste dann gezwungenermaßen Deutschland binnen zweier Tage verlassen. Selma hatte die Papiere beisammen, um nach England zu reisen, wo Cousins der Familie ein kleines Sommerhaus in Sussex zur Verfügung stellten. Rosemarie besuchte dort fortan eine öffentliche Schule. Die Lachotzkis kannten noch kein englisches Wort, sprachen die Sprache aber doch recht flüssig, als sie im Frühjahr 1940 in die USA weiterreisen konnten.
Die Familie ließ sich in Minneapolis nieder, wo Rosemary, wie sie sich nun nannte, die Junior High und dann die High School besuchte und vorhatte, eine Ausbildung für Krankenschwestern zu absolvieren. Mit 17 Jahren traf sie den 30-jährigen Hans Kalitzki. Beide verliebten sich und heirateten 1945. Da eine verheiratete Frau nicht an der Schwestern-Ausbildung teilnehmen durfte, musste Rosemary sich diesen Wunsch fortan versagen.
In den Jahren 1947 bis 1952 kamen drei Töchter zur Welt: Kathleen, Barbara und Judith. Hans strebte eine höhere Position als Koch an, konnte diesen Wunsch aber nur in New York City oder San Francisco erfüllen. Auf Rosemarys Wunsch zogen sie nach Kalifornien, wo sie den Rest ihres Lebens verbrachten.
Dem Ehepaar war es möglich, viel zu reisen. Rosemary liebte die Besuche in Frankreich, Italien und Österreich, aber sie setzte nie wieder einen Fuß auf deutschen Boden. Da sie das Reisen liebte, arbeitete sie schließlich für eine Reise-Agentur.
Trotz der Aufgaben, die zuhause mit den drei Mädchen auf sie warteten, half sie als Freiwillige in einem Krankenhaus. Als die Töchter erwachsen waren, war sie in einer Schulbibliothek tätig, um den Kindern Bücher, Handarbeiten usw. nahezubringen und um denen zu helfen, die Unterstützung am meisten brauchten.
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