Julius Jacobowitz kam am 2. April 1887 als Sohn von Moritz (1849–1924) und Ernestine Jacobowitz, geb. Gleiwitzer (1854–1919) in Berlin auf die Welt. Sein Vater stammte aus dem Ort Tomaszów in Galizien, der um 1850 russisch war. In Galizien, das abwechselnd russisch, polnisch oder österreich-ungarisch war, lebten Polen, Ukrainer und viele Juden sowie andere Bevölkerungsminderheiten.
Moritz Jacobowitz arbeitete anfangs als Kürschner und wurde später Kaufmann. Mit seiner Ehefrau Ernestine hatte er zehn (oder mehr) Kinder, die zwischen 1877 und 1891 geboren wurden und von denen einige nur einen einzigen Tag gelebt haben: Martin (*1877), Hannchen (*1879), Ludwig (*1881), Clara (*1883), Willy (*1884), Siegfried (*1885), Julius (*1887), Arthur (*1888), Frida (*1889) und Jenny (*1891). Willy, Arthur und Frida starben kurz nach oder bereits an ihrem ersten Lebenstag, Siegfried wurde nicht ganz ein Jahr alt.
Die Familie Jacobowitz zog immer wieder um. Die Straßen lagen nicht weit voneinander entfernt in Berlin-Mitte und im Prenzlauer Berg. Im Geburtsjahr von Julius wohnten die Eltern in der Griebenowstraße 18 in Berlin-Mitte, nicht weit vom Zionskirchplatz. Er und seine Geschwister wuchsen zwischen Arbeitern, kleinen Händlern und Handwerkern auf, unter denen viele jüdische Zuwanderer ohne deutschen Pass waren. Im Unterschied zu seinen Geschwistern scheint Julius allerdings nicht „staatenlos“ gewesen zu sein.
Julius und seine Geschwister wohnten auch als Erwachsene noch bei den Eltern. 1909 heiratete seine Schwester Hannchen, eine Schneiderin, den evangelischen Maurermeister und Architekten (Bautechniker) Erich Tritt (1881–1939) und „verließ“ die Familie.
Seit 1914 lebten die Eltern mit den ledigen Kindern in der Heinersdorfer Straße 26 im Prenzlauer Berg (seit 1925 Heinrich-Roller-Straße). Das Wohnhaus lag (und liegt) gegenüber einem Friedhof, heute ist dieser Teil der Begräbnisstätte umgewidmet und wird „Leise-Park“ genannt. 1919 starb die Mutter Ernestine, 1924 der Vater Moritz Jacobowitz.
1920 heiratete Julius Bruder Ludwig die 1886 geborene selbstständige Schneiderin Ella Hefter. Mit seinem Schwager besaß er die Firma „Hefter & Jacobowitz“, eine „Kostümrockfabrik".
1934 verlor Julius Jacobowitz zwei seiner Schwestern: Die unverheiratete Clara und Hannchen Tritt verstarben im Jüdischen Krankenhaus.
1935 zogen Julius und seine ebenfalls ledigen Geschwister Martin und Jenny Jacobowitz in eine Drei-Zimmer-Wohnung im dritten Stock des Hauses Wilhelmsaue 5 in Berlin-Wilmersdorf. – Eigentümer des Hauses war der jüdische Arzt Dr. med. Jacob (Hans) Horwitz (1876–1951). 1938 verlor der Arzt seine Kassenzulassung, im April 1939 emigrierte er mit Frau und Kind nach Argentinien. Neuer Eigentümer war laut Berliner Adressbuch von 1941 die Alster Grundstücksverwaltungs-GmbH.
Die ledigen Geschwister haben kaum Spuren hinterlassen: Nach den Eintragungen im Berliner Adressbuch war Martin Jacobowitz, ein „Bücherrevisor“, der Haushaltsvorstand. Julius Jacobowitz war als „Architekt“, als „Innenarchitekt“ oder einfach als „Angestellter“ eingetragen. Wo und wie er beschäftigt war, bleibt unklar. Er fungierte in den Jahren 1938/39 als „Haushaltsvorstand“.
Zuletzt musste Julius als Zwangsarbeiter in einer Gepäckabfertigung der Deutschen Reichsbahn arbeiten. Sein Bruder Martin starb 1941 an einer Herzkrankheit. Im März 1942 mussten Ludwig Jacobowitz und dessen Ehefrau Ella als Untermieter in ein möbliertes Zimmer in der Wilhelmsaue 5 ziehen. Dort wohnten sie nur kurze Zeit:
Am 9. Dezember 1942 wurden die Geschwister Julius und Jenny Jacobowitz sowie das Ehepaar Ludwig und Ella Jacobowitz mit dem „24. Osttransport“ nach
Auschwitz
deportiert und dort ermordet.
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