Walter Schwalba

Location 
Bänschstraße 30
Historical name
Mirbachstraße 14
District
Friedrichshain
Stone was laid
04 April 2025
Born
16 November 1896 in Berlin
Arrested
von 21 April 1937
Interned
von 24 February 1938 to bis 20 April 1942 in Zuchthaus Luckau
Interned
von 25 July 1942 in Sachsenhausen
Survived
Biography

Walter Arthur Fritz Schwalba kam am 16. November 1896 in Berlin als Sohn des Arbeiters Friedrich Schwalba und dessen Ehefrau Berta, geb. Franke, zur Welt. Zum Zeitpunkt seiner Geburt wohnte die Familie – Walter hatte noch zwei ältere Schwestern – in der Wrangelstraße 60. Um 1909 zogen sie in das Haus Mirbachstraße 14 (heute Bänschstraße 30). Walter Schwalba, der evangelisch getauft wurde, besuchte bis 1911 die Volksschule und erlernte anschließend vier Jahre den Beruf des Klaviermachers. Im Oktober 1915 wurde er eingezogen und nahm im Füsilier-Regiment 33 bis zum Oktober 1918 am Ersten Weltkrieg teil. 

Nachdem er in seine Geburtsstadt zurückgekehrt war, kam er am 9. November 1918 im Zuge der revolutionären Ereignisse in das Berliner Stadtschloss, wo er bis zum 17. November als Telefonist tätig war und die Schloss-Zentrale bediente. Walter Schwalba nahm Ende 1918 / Anfang 1919 mehrfach an den bewaffneten Kämpfen gegen die Freikorps-Truppen teil.

Er trat im November 1918 dem Spartakusbund bei, der sich zum Jahreswechsel 1918/19 mit kleineren linksradikalen Gruppen zur Kommunistischen Partei Deutschlands zusammenschloss. Seit Dezember 1918 war er in der Eisenbahn-Reparaturwerkstatt am Markgrafendamm beschäftigt und war Mitglied des Eisenbahner-Verbandes. Walter Schwalba war bis Januar 1920 in der KPD. Im März 1920 nahm er seinen erlernten Beruf als Klaviermacher wieder auf und trat in die Freie Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) ein, die bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen Anarchosyndikalismus war. 

Das Hauptziel des Anarchosyndikalismus ist die revolutionäre Überwindung des Staates und der kapitalistischen Gesellschaft durch die unmittelbare Übernahme der Produktionsmittel in gewerkschaftlicher Selbstorganisation. Dadurch soll die staaten- und klassenlose Kollektivordnung entstehen. Die Hochphase der Gewerkschaft lag zwischen 1919 und 1923. Eine große Zahl von revolutionär gesinnten Arbeitern und Arbeiterinnen trat der FAUD bei, die sich erfolgreich als Alternative zu anderen Gewerkschaften darstellen konnte. Von ihrem Höchststand mit 150.000 Mitgliedern sank sie bis Mitte der 1920er Jahre auf einige 10.000 ab und hatte 1932 noch ca. 4.300 Mitglieder. 

Walter Schwalba war in der Föderationsleitung der Holzarbeiter tätig, seit 1930 war er Revisor in der Leitung der Gesamtorganisation. Er heiratete am 30. Januar 1932 die Plätterin Frieda Krause, geb. am 31. Januar 1899 in Berlin. Die Ehe blieb kinderlos.

Im März 1933 löste sich die FAUD zunächst auf, die ehemaligen Funktionäre beschlossen aber einige Monate später, sie illegal wieder aufzubauen. Im Frühsommer 1934 wurde von der FAUD eine illegale Broschüre mit dem Tarnnamen „Esst deutsche Früchte und ihr bleibt gesund“ herausgegeben, in der zum gewaltsamen Sturz des nationalsozialistischen Regimes aufgerufen wurde. Die früher monatlich erscheinende Schrift „Die Internationale“ wurde im Herbst 1934 und Anfang 1935 wieder herausgebracht – sie trug den Tarntitel „Deutschtum im Ausland, Blätter zur Pflege deutscher Art“.

Walter Schwalba, der zur Leitung der Berliner Organisation gehörte, holte mit seinem Motorrad aus Leipzig, wo sich nun der Sitz der Reichsleitung der FAUD befand, die illegale Literatur ab und brachte unter den Mitgliedern gesammelte Geldbeträge zur Aufrechterhaltung der illegalen Geschäftskommission dorthin. Er sorgte für die Verbreitung der illegalen Schriften und veranlasste die Mitglieder zur Sammlung von Spenden zur Unterstützung politischer Gefangener und deren Angehöriger.

Walter Schwalba arbeitete u.a. als Glasätzer und Kurbelsticker, seit Anfang März 1937 war er als Arbeiter bei der Zementdielen-Fabrik Stolte in Berlin-Rummelsburg beschäftigt. Dort wurde er am 21. April 1937 von der Gestapo verhaftet und kam in Untersuchungshaft. Außer ihm wurden im April und Mai 1937 zahlreiche weitere Funktionäre und Mitglieder der FAUD inhaftiert und angeklagt. 

Walter Schwalba wurde am 3. Februar 1938 wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 5 Jahren Zuchthaus, unter Anrechnung von 9 Monaten und 2 Wochen Untersuchungshaft, verurteilt. Am 24. Februar 1938 wurde er in das Zuchthaus Luckau überstellt, wo er als Tischler beschäftigt wurde. Nach dem Ende der Haft am 20. April 1942 wurde er aber nicht entlassen, sondern in das Polizeigefängnis Berlin überstellt. Aufgrund einer festgestellten Lungenentzündung wurde er zunächst in ein Krankenhaus, am 25. Juli 1942 in das KZ Sachsenhausen überführt, wo er bis zur Befreiung inhaftiert blieb.

Walter Schwalba trat im September 1945 in die KPD und nach ihrer Gründung in die SED ein.

Nach dem Krieg war er bei der Volkspolizei angestellt: Zuerst einige Jahre im Einwohnermeldeamt, 1948 wurde er zur Personalabteilung versetzt. Zuletzt war er bei der VP-Inspektion Weißensee Leiter des Pass- und Meldewesens, bevor er 1954 krankheitsbedingt in Rente gehen musste. 

Er widmete sich nun der ehrenamtlichen Arbeit: Walter Schwalba war u.a. Vorsitzender seiner Wohngruppe der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, Vorsitzender des Wohnbezirksausschusses der Nationalen Front und Vorsitzender des Verbandes der Verfolgten des Naziregimes (VdN) in Friedrichshain. 

Aus der Wohnung in der Bänschstraße 30 war er Mitte der 1950er Jahre ausgezogen – zunächst in die Proskauer Straße 16, 1963 erhielt er eine Wohnung in der Karl-Marx-Allee 131. 1970 wurde ihm der Vaterländische Verdienstorden in Bronze, eine staatliche Auszeichnung der DDR, verliehen, 1974 bekam er sie in Silber.

Walter Schwalba starb am 6. Mai 1984 in Berlin und wurde auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt.