Margarete Salomon née Philipsthal

Location 
Corneliusstr. 13
District
Lankwitz
Stone was laid
24 May 2024
Born
19 May 1872 in Neuenburg (Westpreußen) / Nowe
Escape into death
20 February 1942 in Berlin
Biography

Margarete Philipsthal wurde am 19. Mai 1872 in Neuenburg/Schwetz (Westpreußen), heute Nowe/Polen, als Tochter von Theodor Philipsthal (1841–1924) und seiner Frau Frederike Lehmann (1851–1872) geboren. Margaretes Vater heiratete, nachdem seine Frau kurz nach der Geburt Margaretes gestorben war, zwei Jahre später erneut. Mit Anna Sachs (1849–1940), seiner zweiten Frau, hatte er drei weitere Kinder (Hans, Paul und Hedwig). Margaretes Stiefmutter gab den Impuls zum Umzug nach Berlin, um den Kindern eine bessere Bildung zu ermöglichen (Margarete erhielt so u.a. Klavierunterricht).

Im Oktober 1896 heiratete sie ihren Halbcousin Alfred Salomon (*05.05.1870 in Tiegenhof, heute Nowy Dwór Gdański in Polen). Er war der jüngste Sohn des Kaufmanns Isaac Salomon (1835–1876) und seiner Frau Emma Engel (1839–1903). Alfred hatte einen Bruder, Heinrich, und zwei Schwestern, Klara und Minna. Nach dem Tod des Vaters heiratete Alfreds Mutter erneut und zog mit der Familie nach Berlin, in die Steinmetzstraße 47 in Schöneberg. Das genaue Datum des Umzugs ist nicht bekannt. Alfred Salomon besuchte das Real-Gymnasium in der Lützowstraße 83-86, wo er 1888 als Bester seines Jahrgangs das Reifezeugnis erhielt. 

Nach einem Studium der Chemie an der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute: Humboldt-Universität) wurde Alfred Salomon dort 1893 promoviert. 

Margarete und Alfred bekamen zwei Söhne, Fritz (1902–1983) und Heinrich (1905–1982). Zu dieser Zeit war Alfred u.a. im Vorstand der Aktien-Gesellschaft für Gasglühlicht zusammen mit Dr. Alfred Oppenheim tätig. Außerdem betrieb er zusammen mit mehreren Geschäftspartnern die Vereinigten Fabriken für Laboratoriumsbedarf, mit einer zusätzlichen Produktionsstätte in Stützerbach in Thüringen. Geschäftsreisen führten Alfred Salomon u.a. nach Frankreich, Russland, Ägypten, in die USA und in verschiedene Balkanstaaten. Gelegentlich begleitete Margarete ihren Mann auf diesen Reisen. 

In den Jahren 1907/08 ließen Margarete und Alfred in der Corneliusstraße 13 in Berlin-Lankwitz ihr Haus bauen, in das sie im Sommer 1908 von der Grolmanstraße in Charlottenburg einzogen. Hier führten sie ein offenes Haus und ein ausgefülltes gesellschaftliches und kulturelles Leben mit Musikabenden, Lesungen und familiären Zusammenkünften. Opern- und Theaterbesuche sowie Konzerte bereicherten ihr Leben. Alfred und Margarete verbrachten viel Zeit im Garten, um Blumen und Obstbäume zu pflanzen und zu pflegen. Alfred besaß eine kleine Werkstatt, in der er Holzspielzeug für seine Söhne herstellte und Gartengerätschaften reparierte. Margarete ging außerdem ihren musikalischen Neigungen nach und engagierte sich in einem Lankwitzer Chor.

1909 ließ sich das Ehepaar mit den Söhnen protestantisch taufen. Da sie nicht religiös waren, unterlag diese Entscheidung wahrscheinlich dem Bedürfnis, sich der deutschen Mehrheitsgesellschaft anzupassen und den gesellschaftlichen Antisemitismus zu unterlaufen.

Der ältere Sohn Fritz studierte in Berlin und Tübingen Politik und Ökonomie und wurde 1925 promoviert. Er heiratete am 9. April 1927 Sonja Swienty (1902–1965), die als Sekretärin seines Vaters Alfred tätig war und lebte mit ihr bei seinen Eltern. Sonjas Großvater mütterlicherseits war Wilhelm Liebknecht, der fünf Söhne hatte (Theodor, Karl, Otto, Wilhelm Alexander und Adolf Curt Karl). 

Fritz und Sonja bekamen 1931 ihren Sohn Peter Ulrich. Sie lebten weiterhin gemeinsam mit Alfred und Margarete Salomon in der Corneliusstraße 13. Im August 1939 emigrierten Fritz und Sonja, kurz vor dem Überfall Deutschlands auf Polen. Über Basel (wohin Theodor Liebknecht emigriert war) und Paris (dort lebte Sonjas ebenfalls emigrierter Onkel Paul Philipsthal) gelangten sie von Boulogne-sur-Mer mit dem Schiff nach New York. Schließlich ließen sie sich kurz darauf in Cincinnati/Ohio nieder. Fortan nannten sie sich nach Sonjas Familiennamen Swenty (nun ohne i).

Der zweite Sohn Heinrich (Heinz) heiratete am 28. Mai 1930 Ilse Lange (1904–2000) und sie bekamen 1944 ihren Sohn Michael Walter. Das Ehepaar lebte in der Philippistr. 1 in Berlin-Charlottenburg. Heinz arbeitete als kaufmännischer Angestellter (Expedient) der Deutschen Reichsbahn, die später als kriegswichtiger Betrieb gelten würde. In den Wiedergutmachungsakten des Landesarchivs Berlin wird als Beruf für Heinrich Salomon auch Mechaniker angegeben und vermerkt, dass er nach 1939 als Zwangsarbeiter für die Deutsche Reichsbahn und für das Abbruchunternehmen „Exner“ tätig war. Die Tatsache, dass er in einer sogenannten „Mischehe“ lebte, trug vermutlich dazu bei, dass er und seine Familie in Berlin überleben konnten. Ihr Vorhaben, in die USA zu emigrieren, war an einer Quotenregelung gescheitert. Im Jahr 1947 schließlich wanderte die Familie über Bremerhaven in die USA aus, ebenfalls nach Cincinnati und nahm dort auch den Familiennamen Swenty an. 

Alfred und Margarete Salomon lebten weiterhin in ihrem Haus, das am 20. Januar 1939 „verkauft“ wurde. Inwieweit dies aus freien Stücken oder durch eine wirtschaftliche Notlage bedingt, u.a. durch die sog. „Judenvermögensabgabe“ (die Verordnung über eine Sühneleistung der Juden deutscher Staatsangehörigkeit vom 12.11.1938, erlassen nach den Novemberpogromen 1938) geschah oder ob ein Zwang der Behörden dem Verkauf zugrunde lag, lässt sich nicht mehr zweifelsfrei ermitteln. Aus dem Kaufvertrag (der im Landesarchiv Berlin vorliegt) geht jedenfalls hervor, dass dem Ehepaar Salomon erlaubt wurde, zwei kleine Räume, nebst einer Möglichkeit zum Kochen und einem kleinen „Bad“ zu bewohnen bzw. zu nutzen. Hierfür mussten sie jedoch eine Miete zahlen.

Am 20. Februar 1942 wählten beide aus Furcht vor der Deportation die „Flucht in den Tod“, nachdem sie die Aufforderung von der Gestapo erhalten hatten, sich mit kleinem Handgepäck an einer Sammelstelle einzufinden.

Das Ehepaar Salomon wurde am 18. April 1942 auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf in einem Urnengrab beigesetzt. Im Jahr 1966 wurden ihre Gräber auf Veranlassung der Bundesregierung zu „Kriegsgräbern“ erklärt, was ihren Bestand zunächst sicherte. In den Jahren 1994/95 wurde in Verantwortung der Senatskanzlei Berlin im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland für alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft eine Gedenkstätte an einem zentralen Ort auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf geschaffen. Die Urnen von Alfred und Margarete Salomon wurden dorthin umgebettet. 

Der Gedenkplatz mit Namenstafeln befindet sich heute im Bereich Epiphanien. Er ist auf dem Übersichtsplan des Südwestkirchhofs Stahnsdorf ausgewiesen. 

Das Haus in der Corneliusstraße 13 wurde im August 1943 durch Bomben zerstört und brannte völlig aus. An seiner Stelle wurde etwa Mitte der 1950er Jahre ein neues Haus mit dem gleichen Grundriss und den identischen Stockwerken errichtet.