Anna Ilse Davidsohn wurde am 15. August 1900 in Berlin als zweites Kind von Martha Charlotte und Dr. Heinrich Davidsohn geboren und war die jüngere Schwester der Kinderärztin Dr. Sophie Erna Davidsohn. Sie lebte mit ihrer Familie in der Bahnstraße 1–2, heute Crellestraße 1. An dieser Adresse befand sich auch die Praxis des Vaters, in der auch Ilses Schwester Erna zeitweise mitarbeitete.
Nach dem Verlust der Approbation und der Berufserlaubnis von Vater und Schwester war die Familie gezwungen in die Marburger Straße 5 zu ziehen und dort fortan in einem beengten Untermietverhältnis einer sogenannten "Judenwohnung" zu leben. Dr. Heinrich Davidsohn starb im Jahr 1940 im Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde Berlin. Im Jahr 1942 wurde die Mutter Martha im Alter von 77 Jahren zusammen mit ihrer älteren Schwester Anna Jacoby nach Theresienstadt deportiert, auf dem Formular steht „evakuiert“. Beide wurden dort ermordet.
Ilse verblieb mit ihrer Schwester Erna noch einige Zeit in der Marburger Straße. Am 17. Mai 1943 wurden die Schwestern mit dem „38. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert. Vorher mussten sie noch die Vermögenserklärung ausfüllen, die den Nationalsozialisten einen Überblick über mögliche Vermögenswerte ermöglichte, um diese dann nach der
Deportation
der Betroffenen einzuziehen. Ilses Schwester Erna wurde mit zwei Kolleginnen unter schlimmsten Bedingungen als Lagerärztin im sogenannten „Zigeunerlager“ eingesetzt. Über Ilses Tod gibt es keine definitive Quelle. Dr. Lucy Adelsberger, die in ihrem Buch „Auschwitz – Ein Tatsachenbericht“ von ihrer Zeit als Lagerärztin berichtet, war eine der zwei Ärztinnen, mit denen Dr. Erna Davidsohn zusammenarbeiten musste. Sie schreibt in ihrem Buch, dass die jüngere Schwester ihrer Kollegin direkt nach der Ankunft vergast wurde.
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