Dr. Erwin Schoeps

Location 
Dresdener Straße 123
District
Kreuzberg
Stone was laid
09 March 2026
Born
20 December 1895 in Berlin
Escape
1938 USA
Survived
Biography

Erwin Max Schoeps kam am 20. Dezember 1895 in Berlin als Sohn des jüdischen Kaufmanns Nüssen Nathan Schoeps und dessen Ehefrau Gertrud, geb. Jacob, zur Welt. Sein Bruder Gerhard wurde 1902 geboren. Die Familie lebte im Bezirk Wedding. Am 28. Dezember 1903 verstarb der Vater im Alter von 42 Jahren.

Erwin Schoeps besuchte das Lessing-Gymnasium in der Pankstraße und später das Sophien-Gymnasium in Mitte. Sein Medizinstudium von 1914 bis 1920 an der Berliner Universität wurde durch seinen Militärdienst im Ersten Weltkrieg unterbrochen: Ab 1915 war er zunächst Gefreiter in der Infanterie, später im Sanitätsdienst als Feldunterarzt. 

Von 1920 bis 1922 absolvierte Erwin Schoeps ein Praktikum am Jüdischen Krankenhaus Berlin. 1921 wurde er promoviert und erhielt seine Approbation.

Er heiratete am 9. Juni 1922 die Buchhalterin Hildegard Wolff, geb. am 25. August 1899 in Berlin, und ließ sich zunächst als Allgemeinmediziner in der Schreinerstraße 52 im Friedrichshain nieder. Seit September 1924 praktizierte er in der zweiten Etage des Vorderhauses Dresdener Straße 123, wo sich auch die Wohnung befand. Die Praxis florierte und ermöglichte der Familie – 1924 kam die Tochter Eva, 1929 Lili zur Welt – einen gutbürgerlichen Lebensstil.

Nachdem die Nationalsozialisten 1933 an die Macht gekommen waren, verlor Dr. Erwin Schoeps immer mehr Patienten und sein Einkommen ging zurück. Die zunehmende Diskriminierung und soziale Ausgrenzung von Juden und die Sorge, dass seine Töchter keine angemessene Ausbildung erhalten könnten, veranlasste die Familie, ihre Auswanderung vorzubereiten. Erwins Bruder Gerhard Schoeps war bereits 1936 nach Brasilien emigriert. Edith, die Schwester seiner Ehefrau, war mit ihrem Mann Dr. Fritz Baade, der von 1930 bis 1933 als SPD-Abgeordneter dem Reichstag angehört hatte, 1934 in die Türkei geflohen. Hildes Bruder Erich Wolff wanderte nach Australien aus.

Erwin Schoeps reiste zu entfernten Verwandten in die USA, um sich vorzustellen und sie zu bitten, eine beglaubigte Bürgschaftserklärung (Affidavit) zu unterschreiben, um ihm und seiner Familie die Einreise in die USA zu ermöglichen. Erwin Schoeps kehrte schließlich mit den erforderlichen Papieren nach Deutschland zurück. Die Familie war nun gezwungen, binnen kürzester Zeit den Großteil ihres Besitzes zu Schleuderpreisen zu verkaufen und eine hohe Reichsfluchtsteuer zu zahlen. Im September 1938 verließ die Familie Schoeps Berlin und wanderte in die USA aus. Sie kamen am 3. Oktober 1938 in New York City an. Erwin begann sofort englisch zu lernen und sich auf die ärztliche Zulassungsprüfung vorzubereiten. Nachdem er diese im Juni 1940 bestanden hatte, ließ sich die Familie in der Kleinstadt Waverly im Bundesstaat New York, etwa 300 km nordwestlich von New York City gelegen, nieder. Dort baute er wieder eine erfolgreiche Arztpraxis auf.

Erwin und Hildegard Schoeps wurden am 5. September 1944 eingebürgert. Seine Ehefrau starb am 29. August 1962, seine Tochter Eva, verheiratete Daly, hatte am 8. Juli 1964 einen tödlichen Autounfall. Dr. Erwin Schoeps starb am 23. Mai 1966 in Waverly.