Else Kochmann, geb. Brock, wurde am 22. April 1870 in Stettin (Szczecin) geboren. Sie lebte später in Berlin, 1927 in der Weimarer Straße und seit Herbst 1935 – nach der Flucht ihres Sohnes nach Palästina – in einer 2-Zimmer-Wohnung in der Duisburger Straße 2.
Ihr Sohn Dr. Rudolf Kochmann war Kinderarzt in Berlin und floh 1935 mit seiner Frau und den 1920 und 1921 geborenen Kindern Klaus und Gabrielle nach Tel Aviv, wo er wieder als Arzt arbeitete und sich eine Existenz aufbaute. 1952 emigrierte er in die Schweiz. Else Kochmanns Enkel Klaus – später Gad Eshkar – wurde Geiger im Israel Philharmonic Orchestra, die Enkelin Gabrielle, verheiratete Golan, lebte später mit ihrem Mann als Flötenlehrerin in Genf.
Else Kochmann besuchte ihre Familie in Palästina zweimal, wohl 1936 und 1938. Ihr Sohn wollte sie dazu bewegen, ebenfalls in Palästina zu bleiben. Aber Else Kochmann war – wie viele jüdische Deutsche damals – überzeugt, dass es keinen Krieg geben würde und sie nicht in Gefahr sei.
Wieder zurück in Berlin wurde Else Kochmann von den Nationalsozialisten 1940 gezwungen, ihre Wohnung in der Duisburger Straße 2 zu verlassen und in ein leeres Zimmer in der Xantener Straße 3 umzuziehen. Es scheint sich dort um eine sogenannte „Judenwohnung“ gehandelt zu haben. Sie konnte nur wenige Dinge aus ihrer früheren Wohnung mitnehmen und hatte bereits 1939 praktisch alle ihre Wertsachen abgeben müssen.
„Judenwohnungen“ waren Wohnungen, deren Besitzer oder Hauptmieter auf Anordnung der Nationalsozialisten jüdische Untermieter aufnehmen mussten. Somit hatten die Nationalsozialisten einen besseren Überblick bei anstehenden Deportationen. In die Wohnung von Else Isaac in der Xantener Straße 3 wurden drei Untermieterinnen eingewiesen, darunter ihre Tochter Tilly. Laut Volkszählung von 1939 war Else Isaac, geb. Mannheim, die Hauptmieterin. Sie wurde im Alter von 74 Jahren am 28. Mai 1943 nach Theresienstadt deportiert. Ihre zehn Jahre ältere Untermieterin Johanna Cohn, geb. Gutmann, war bereits am 17. August 1942 ebenfalls nach Theresienstadt deportiert worden.
Else Kochmann wurde im Alter von 73 Jahren zusammen mit der Tochter ihrer Vermieterin, der 50-jährigen Tilly Loevy, geb. Isaac, und dem ebenfalls in der Xantener Straße 3 wohnenden Ehepaar Gimpel am 2. März.1943 mit dem sogenannten „32. Osttransport“ – zusammen mit 1527 weiteren Berliner Juden und Jüdinnen sowie 125 jüdischen Menschen aus unterschiedlichen Orten Deutschlands und 158 aus Norwegen – nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Der genaue Todestag von Else Kochmann ist nicht bekannt. Es ist aber zu vermuten, dass sie aufgrund ihres Alters unmittelbar nach der Ankunft in Auschwitz in der Gaskammer ermordet wurde.
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