Selma Conitzer (geb. Cohn) war die ältere Schwester von Meta Cohn. Sie wurde am 29. September 1875 in Reichenbach, im damaligen Regierungsbezirk Königsberg, Ostpreußen (heute: Województwo Warmińsko-Mazurskie, Woiwodschaft Ermland-Masuren), geboren. Über die Eltern der Geschwister Cohn ist nichts bekannt. Nach dem Tod ihres Ehemannes Moritz 1938 zog sie in die große Wohnung ihrer Schwester in der Duisburger Straße 5, Berlin-Wilmersdorf. Dort wohnte bereits ihre ledige Nichte Herta Marcus. Im folgenden Jahr zogen ihre beiden Schwäger, Martin Conitzer und Siegbert Conitzer wahrscheinlich ebenfalls in die Cohnsche Wohnung.
Wie ihre Schwester war auch Selma vermögend, erhielt aber – vermutlich nach dem Tod ihres Mannes - von den Nationalsozialisten die Weisung, dass sie sich „jeder Verfügung über ihr Vermögen zu enthalten habe". Damit war ihr der Zugriff auf ihre Vermögenswerte gesperrt, die später von den Nationalsozialisten „zugunsten des Deutschen Reiches“ beschlagnahmt wurden.
Selma Conitzer wurde am 1. Juli 1939 zusammen mit ihrer Schwester und der Nichte Herta zwangsweise in die Güntzelstraße 15 umgesiedelt. Kurz vor ihrer
Deportation
musste sich Selma in der erst 1914 eingeweihten und seit 1941 von den Nationalsozialisten als „Sammelstelle“ missbrauchten Synagoge in der Levetzowstraße 7-8 im damaligen Bezirk Tiergarten (heute Moabit) einfinden. Von dort wurde sie – wie auch ihr Schwager Martin Conitzer - am 3. April 1942 mit dem sog. „XII. Osttransport“ in das
Ghetto
Warschau deportiert. Insgesamt wurden mit diesem Transport 1010 jüdische Menschen aus Berlin und dem Regierungsbezirk Frankfurt/Oder deportiert.
Im Ghetto Warschau waren damals ca. 500 000 Menschen eingepfercht - nicht nur Juden aus Warschau und den besetzten Gebieten Polens. Es diente als Sammelstelle für Juden aus dem deutschen Reichsgebiet und anderen besetzten Ländern Europas auf dem Weg in die Vernichtungslager. Ab dem 22.7.1942 wurden die meisten Menschen aus dem Ghetto in der „Großen Aktion“ der SS in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort umgebracht.
Der Todestag von Selma Conitzer, die in der Transportliste fälschlicherweise als geb. Conitzer verzeichnet ist, ist nicht bekannt. Man weiß daher nicht, ob sie bereits an den unsäglichen, menschenunwürdigen und lebensfeindlichen Bedingungen im Warschauer Ghetto verstarb oder noch den weiteren Transport nach Treblinka erleiden musste. Im (unvollständigen) Totenbuch des Vernichtungslagers Treblinka ist sie nicht aufgeführt.
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