- Location
- Fraenkelufer 36
- Historical name
- Thielschufer 36
- District
- Kreuzberg
- Stone was laid
-
16 October 2024
- Born
- 26 March 1884 in Warschau
- Expelled
-
von 28 October 1938 to Bentschen / Zbąszyń
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Murdered
Hermann Hersz Pazer kam am 26. März 1884 in Warschau, das damals zum russischen Kaiserreich gehörte, als Sohn von Josek Pazer und Ruchla, geb. Lauterfeld, zur Welt. Die Familie gehörte der jüdischen Religionsgemeinschaft an. Über die Kindheit und Jugend von Hermann Pazer haben sich keine Informationen erhalten. Er erlernte den Beruf des Kaufmanns und heiratete am 12. Februar 1911 in Warschau die am 7. Januar 1888 ebendort geborene Paula Perla Reinfeld. 1911 kam der Sohn Josef, 1915 die Tochter Romana zur Welt.
Hermann Pazer betrieb in Warschau ein Textilgeschäft. Er zog 1918 nach Berlin, wo er für eine Textilfirma tätig war. Seine Ehefrau folgte ihm mit den Kindern 1920 nach.
Die Familie lebte zunächst bei einer Verwandten, Genta Janklowitz, im Haus An der Jerusalemer Kirche 3 in Kreuzberg (die Adresse existiert nicht mehr, heute etwa Rudi-Dutschke-Straße / Axel-Springer-Straße). Ende der 1920er Jahre zogen sie in die Grimmstraße 30, etwa 1933 in eine 3-Zimmer-Wohnung im Haus Kottbusser Ufer 60 (1937 umbenannt und umnummeriert in Thielschufer 36, heute Fraenkelufer 36). Die Familie hatte einen gutbürgerlichen Lebensstandard.
Da der Sohn Josef, der als Dekorateur und Grafiker arbeitete, nach 1933 zunehmend von SA-Leuten bedroht wurde, sah er sich dazu gezwungen, Deutschland zu verlassen. Er ging im Sommer 1934 nach Dänemark, wo er eine landwirtschaftliche Ausbildung absolvierte, um sich auf die Emigration nach Palästina vorzubereiten. Im Dezember 1934 heiratete er in Kopenhagen eine deutsche Emigrantin und wanderte im Juli 1935 mit seiner Frau über Triest nach Haifa aus.
Die Tochter Romana, die den Beruf der Schneiderin erlernt hatte, heiratete 1936 Martin Deutsch (*1911 in Zempelburg), 1938 kam die Tochter Eveline Sylvia zur Welt. Die Familie lebte in der Dresdener Straße 97 in Mitte.
Obwohl Juden zunehmend ihre Anstellungen in „arischen“ Firmen verloren, konnte Hermann Pazer seine Tätigkeit in der Textilfirma am Dönhoffplatz weiter ausüben. Er wurde jedoch am 28. Oktober 1938 im Rahmen der „Polenaktion“ aufgrund seiner polnischen Staatsangehörigkeit verhaftet und in die Grenzstadt Bentschen (Zbąszyń) abgeschoben. Dort wurde er für mehrere Monate interniert, bevor er in seine Geburtsstadt Warschau weiterwandern konnte. Auch Paula Pazer, die in Berlin zurückgeblieben war, folgte ihrem Ehemann nach Polen.
Nach der Besetzung Warschaus durch die deutsche Wehrmacht wurden ab November 1940 die Juden der Stadt im Warschauer Ghetto eingesperrt – das größte jüdische Ghetto im besetzten Europa. Die Bedingungen waren menschenunwürdig: Das Leben bewegte sich zwischen dem verzweifelten Kampf ums Überleben und dem Tod durch Krankheit und Hunger. Im März 1941, dem Zeitpunkt der dichtesten Belegung, lebten innerhalb der Ghettomauern etwa 460.000 Menschen auf 3,1 km². Sechs bis sieben Menschen teilten sich ein Zimmer, die sanitären Bedingungen waren katastrophal. Die Nahrungsrationen entsprachen in ihrem Nährwert einem Zehntel des lebensnotwendigen täglichen Kalorienbedarfes. Krankheiten, vor allem Flecktyphus, breiteten sich aus. Trotz der Tätigkeit der jüdischen Gemeindeinstitutionen, v.a. des Judenrates und der Hilfsorganisationen, starben im Warschauer Ghetto mehr als 80.000 Juden. Hermann und Paula Pazer kamen dort wahrscheinlich 1942 ums Leben.
Die Tochter Romana wurde mit ihrem Ehemann Martin Deutsch und der 3-jährigen Tochter am 17. November 1941 mit dem 6. Osttransport nach Kowno (Kaunas), Fort IX deportiert. Nach vier Tagen kamen sie in der heute zweitgrößten Stadt Litauens an. Das Fort IX, ein Teil der alten Befestigungsanlage von Kaunas, war eine Exekutionsstätte der SS, in der zehntausende Juden aus dem Ghetto Kaunas und deportierte Juden aus dem Deutschen Reich ermordet wurden. Romana, Martin und Eveline Sylvia Deutsch wurden dort am 25. November 1941 erschossen.
Der Sohn Josef Pazer war mittellos in Palästina eingewandert und konnte in dem noch unentwickelten Land nicht in seinem erlernten Beruf arbeiten. Er trat deshalb in einen Kibbuz ein, wo er in der Landwirtschaft tätig war. Er litt unter der für ihn ungewohnten schweren körperlichen Arbeit und dem subtropischen Klima. Nachdem er nach Kriegsende Gewissheit über das Schicksal seiner Familie erhalten hatte, erlitt er einen schweren Nervenzusammenbruch.
Josef Pazer, der drei Kinder hatte, änderte seinen Namen 1949 in Josef Sohar. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.
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