Hugo Lewandowski wurde am 21. August 1883 im westpreußischen Culm (heute Chełmno in Polen) geboren. Er entstammte einer Kaufmannsfamilie.
Im Ersten Weltkrieg war Hugo Lewandowski Marineflieger. Er lernte seine spätere Ehefrau Elsbeth in den 1920er-Jahren in Berlin kennen, wo sie als Buchhalterin arbeitete. Elsbeth stammte aus einer nichtjüdischen Familie. Die Familie zog dann in das litauische Kaunas, wo Hugo, der inzwischen Geschäftsmann war, eine Manufaktur betrieb. Das Paar bekam dort 1924 ihr erstes Kind, die Tochter Eva. Dann siedelte die Familie nach Königsberg (heute Kaliningrad in Russland), wo Hugo eine Fabrik erwarb und betrieb. 1930 wurde dort das zweite Kind, der Sohn Georg geboren.
Hugos Ehefrau Elsbeth erkrankte schon in jungen Jahren, mit nur 36, an Krebs. Ihre Schwester Gertrud Wundersee kam aus Berlin nach Königsberg, um zu helfen und wurde als „Tante Trudchen“ Ersatzmutter für die Kinder. Als Hugo in den 1930er-Jahren sein Geschäft aufgeben musste, war seine Ehefrau Elsbeth bereits verstorben. Es ist anzunehmen, dass er den Betrieb aufgrund der wirtschaftlichen Maßnahmen gegen Jüdinnen und Juden seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten gezwungenermaßen einstellte.
Hugo zog 1937 mit den Kindern wieder zurück nach Berlin, in der Hoffnung, in der Großstadt eine neue wirtschaftliche Existenz aufbauen zu können. Er erkannte zu spät die Gefahr, die vom Regime der Nationalsozialisten ausging. 1939 versuchte er noch, sich und seine Kinder ins Ausland zu retten. Zu diesem Zeitpunkt nahmen die meisten Staaten keine jüdischen Flüchtlinge mehr aus Deutschland auf. Hugo wurde zur Zwangsarbeit bei der Firma Deutsche Hydraulik- und Präzisionswerke/Alfred Teves GmbH in Wittenau verpflichtet. Hier wurden Teile für Flugzeuge und U-Boote hergestellt.
Bis zu ihrer Deportation im Oktober 1942 in das Ghetto Litzmannstadt wohnte Hugo bei seiner Schwester Erna Nawratzki. In der Folgezeit bewohnte er im gleichen Haus bei der Schwägerin seiner Schwester ein möbliertes Zimmer. Am 27. Februar 1943 – während der sogenannten „Fabrikaktion“ – wurde Hugo verhaftet und in die Synagoge Levetzowstraße (Moabit) gebracht, die den Nationalsozialisten als Sammelstelle für die zu deportierenden Jüdinnen und Juden diente. Hugo blieb sechs Tage im Sammellager, bis er mit weiteren 1730 Menschen zu Fuß durch die Berliner Straßen zum Güterbahnhof Moabit gebracht wurde. Er wurde am 3. März 1943 mit dem 33. Osttransport nach Auschwitz deportiert und ermordet. Hugo Lewandowski wird in der Transportliste unter der Nr. 587 geführt.
Nach Hugos Deportation kümmerte sich ihre Tante „Trudchen“ um die beiden Kinder. Hugos Schicksal wurde nach dem Krieg ebenso aus dem Familiengedächtnis verdrängt, wie das seiner Schwester Erna. Sein 1952 geborener Enkel Andreas Lorenz, der Journalist beim SPIEGEL wurde, machte sich vor wenigen Jahren auf die Suche nach der vergessenen Geschichte seines Großvaters, die er 2021 im Lukas Verlag veröffentlichte.
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