Bohumla Filomena Chotzen née Bytesnik

Location 
Johannisberger Str. 3
District
Wilmersdorf
Stone was laid
21 June 2024
Born
04 January 1900 in Tišnov (Mähren) / Tischnowitz
Survived
Biography

Bohumila Filomena Bytesnik wurde am 4. Januar 1900 in Tišnov (Deutsch Tischnowitz) geboren – einem kleinen in Südmähren (heute Tschechische Republik), unweit Brno, gelegenen Ort. Im Jahr 1900 hatte Tišnov etwas mehr als 3.500 Einwohner. Ihre von dort stammende Mutter, Cecilie Bytesnik, war zum Zeitpunkt von Bohumilas Geburt 19 Jahre alt.

Am 24. Februar 1902 wurde Bohumilas Bruder, František Bytesnik, geboren. Sowohl bei František als auch bei Bohumila sucht man in den Kirchbüchern vergeblich nach dem Namen des Vaters. Über die Großeltern von Bohumila, Leopold Bytesnik und Františka Bytesnik, geb. Gvenar, ist ebenfalls nichts weiter bekannt.

Cecilie Bytesnik und ihre beiden Kinder verließen Tišnov in Richtung Berlin. Wann, aus welchem Grund und ob sie gemeinsam nach Berlin kamen, konnte bisher nicht festgestellt werden. Bohumila Bytesnik muss sich 1921 in Berlin aufgehalten haben, denn am 9. Januar 1921 brachte sie dort ihren Sohn Karl zur Welt. Es gibt keinen Hinweis darauf, wer der Vater von Karl war, und auch keine Informationen dazu, dass jemand die Vaterschaft anerkannt hätte.

Bohumila, auch Božka genannt, und Joseph Chotzen, auch Eppi genannt, lernten sich 1928 kennen. In seinen Lebenserinnerungen schreibt Joseph über Bohumila: „Sie war Tschechoslowakin, in Tišnov bei Brünn geboren, also Mährin – worauf sie sehr viel Wert legte – und nicht Jüdin.“ Erst 17 Jahre später war es möglich, dass Bohumila endlich ihre große Liebe Joseph heiraten konnte. „Božka“ und „Eppi“ reisten viel. Neben Aufenthalten im Harz, in Wernsdorf oder Teupitz hielten sie sich auch mehrere Male in Tišnov auf. Hier entstanden „viele Aufnahmen mit der Verwandtschaft“ und der Umgebung, wie es in Barbara Schiebs Buch „Nachricht von Chotzen“ heißt.

Im Juli 1933 wurde Joseph Chotzen verhaftet und im Gestapo -Gefängnis „Columbia-Haus“ in Berlin-Kreuzberg festgehalten. Bei Barbara Schieb heißt es: „Seine Freundin Božka arbeitete bei der dänischen Botschaft als Wirtschafterin. Ein bis heute Unbekannter dieser Botschaft setzte sich für Eppis Freilassung ein. Wie dies genau vor sich ging, ist unbekannt.“

In einer „Aufstellung sämtlicher vom 1. September 1939 bis Kriegsende auf dem Polizei-Revier 31 registriert gewesenen Ausländer“ vom Januar 1946 aus dem ITS Arolsen finden sich weitere Informationen zu Bohumila und ihrer Familie. Ihre Mutter Cecilie, wurde als Köchin registriert, ihr Bruder František als Elektromonteur und Bohumila ohne Angabe eines Berufs. Alle lebten unter derselben Adresse in der Woyrschstr. 30 d, heute Genthiner Straße in Tiergarten. In einem im Dänischen Nationalarchiv befindlichen Schriftstück, datiert vom 23. Dezember 1941, „beehrt sich die Königliche Dänische Gesandtschaft, dem Auswärtigen Amte hierdurch ergebenst mitzuteilen, dass der Legationsrat Herr V. de Steensen-Leth gleichzeitig damit, dass er am 1. Januar nächsten Jahres die von dem früheren Amerikanischen Botschaftssekretär Landrath M. Harrison gemietete Wohnung in der Woyrschstrasse 30 c übernimmt, auch die Hausangestellten des Herrn Harrison die Angehörigen des Protektorats Böhmen und Mähren Frau Bozka Bytesnik und Frau Cecilie Bytesnik, in seinen Dienst nimmt“.

Im Frühjahr 1943 nahmen Bohumila und ihre Mutter Joseph Chotzen in der Wohnung in der Woyrschstraße auf, damit er sich dort für einige Wochen vor der Gestapo verstecken konnte. Möglicherweise war die Unterbringung von Joseph zu diesem Zeitpunkt etwas einfacher, da František im Januar 1943 nach Tišnov zurückgekehrt war. Dennoch war es für alle lebensgefährlich.

Im Mai 1943 benötigten auch Bohumila und ihre Mutter seelische Unterstützung. Sohn und Enkel Karl Bytesnik, wohnhaft in Berlin-Schmöckwitz, war mit 21 Jahren am 1. Dezember 1942 bei Zemena an der Ostfront gefallen. Die Sterbeurkunde ist datiert auf den 29. Mai 1943.

Bohumila und Cecilie halfen, wo sie gebraucht wurden, von Anfang an und über das Kriegsende hinaus. „Eppi“ berichtet später: „Božka war von Anfang an mit allen meinen Aktivitäten vertraut oder verbunden; wenn ich daher über mein Erleben in diesen drei Jahrzehnten zu erzählen versuche, spielt sie immer eine wichtige oft entscheidende Rolle. Sie und ihre Mutter Cilly waren jahrzehntelang in Diplomatenhaushalten als Haushälterin und Köchin angestellt. Sie waren beliebt, sehr gutmütig und stets hilfsbereit. Sobald die Notzeiten begannen, setzten sie sich, wo sie nur konnten, ringsum helfend ein. […] Entscheidend aber war ihre Hilfe, als meine Brüder und ihre Frauen mit Angehörigen in die Konzentrationslager abtransportiert wurden und meine Mutter die große Paketaktion begann! Ohne Božkas Unterstützung hätte meine Mutter das alles in dieser Dimension und Stetigkeit nicht durchführen können.“

Am 8. Juni 1945 konnten Bohumila und Joseph endlich heiraten. Im September desselben Jahres erhielten sie einen Pachtvertrag für einen Garten in der Kleingartenkolonie „Johannisberg“. Ilse Rewald, eine Freundin der Familie Chotzen, erinnert sich: „Er erfreute sich an seinem kleinen Schrebergarten und an der immerwährenden Veränderung der Natur.“ Eine Verbundenheit und Liebe zur Natur dürfte auch Bohumila innegewohnt haben.

Ob Bohumila und ihre Mutter Kontakt mit dem in Tišnov lebenden Bruder František Bytesnik und seiner Ehefrau Albina Bytesnik, geb. Odehnalova, hatten und halten konnten, ist bisher unbekannt. František starb am 23. Juni 1961 in Tišnov, seine Ehefrau Albina am 18. August 2004 ebenda. Die Ehe der beiden blieb kinderlos.

Bohumilas Mutter Cecilie, die sich stets um den erkrankten Joseph kümmerte und ihn umsorgte, starb am 3. November 1951 mit 69 Jahren in Berlin-Nikolassee.

Als Bohumila „Božka“ Chotzen, geb. Bytesnik, unerwartet am 5. Juni 1959 in Berlin verstarb, drei Tage vor ihrem 14. Hochzeitstag, brach für Joseph Chotzen eine Welt zusammen.

Erst 1974 lernte er Elsa Ruess kennen, mit der er bis zu seinem Tod am 17. April 1992 zusammen blieb.