Minna Blau wurde am 9. August 1879 in Stolp in Pommern (heute Słupsk in Polen) geboren.
Sie heiratete Anfang des 20. Jahrhunderts mit 21 Jahren den 31-jährigen Apotheker Max Weintraub (geboren am 5. September 1869) aus Königsberg (heute Kaliningrad/Russland). 1901 wurden sie Eltern eines Sohnes, den sie Kurt nannten.
Damals lebten sie in Culm (heute Chełmno in Polen), einer Kreisstadt in der Provinz Westpreußen im Regierungsbezirk Marienwerder, zwei Kilometer von der Weichsel entfernt. Im Jahr 1900 lebten in Culm mit der Garnison 11.079 Einwohner, der Großteil waren Katholiken, 3530 waren Protestanten und 339 Juden.
Wann die Familie Weintraub nach Berlin ging, ist nicht bekannt. Die Ehe von Minna und Max Weintraub wurde geschieden. Minna führte nach der Scheidung wieder ihren Geburtsnamen Blau. Ihr Sohn Kurt blieb bei seiner Mutter und wurde Kaufmann.
Am 11. September 1919 fand die Polizei in Berlin-Schöneberg Minnas Sohn Kurt Weintraub tot in seiner Wohnung. Er hatte seinem Leben mit 18 Jahren am 31. August 1919 ein Ende gesetzt. Minna war damals 40 Jahre alt. Max’Anschrift war zu diesem Zeitpunkt unbekannt.
Auch er wurde fast 20 Jahre später, am 15. November 1938, von der Polizei tot in seiner Wohnung in der Swinemünder Straße 53 in Berlin-Wedding aufgefunden. Als Todesursache wurde eine Gasvergiftung festgestellt. Er starb mit 69 Jahren.
Seit 1935 lebte Minna Blau in der Marienbader Straße 12 in Berlin-Schmargendorf. Bei der Volkszählung am 17. Mai 1939 wohnte die ebenfalls geschiedene Margarete Gumpert, geborene Gerstmann, bei ihr zur Untermiete. Sie zog zum 1. Juli 1939 wieder aus. Wer danach einzog, ist nicht bekannt. Es ist aber anzunehmen, dass ihr fortlaufend Untermieterinnen zugewiesen wurden. Bis 1940 war der Name Minna Blau im Telefonbuch zu finden.
Ab September 1941 wurde Minna, wie alle Jüdinnen und Juden im Deutschen Reich, gezwungen, den gelben Stern zu tragen. Minna Blau war die erste im Haus Marienbader Straße 12, die im Oktober 1941 von der Gestapo aufgefordert wurde, eine Vermögenserklärung auszufüllen. Mit dem „IV. Transport“ wurde sie am 1. November 1941 vom Güterbahnhof Berlin-Grunewald „nach Osten“ deportiert. Das Ziel der Reise wurde verheimlicht. Es war die polnische Industriestadt Łódź, 478 km von Berlin entfernt. Die deutschen Besatzer hatten die Stadt nach dem Überfall auf Polen 1939 zu Ehren des preußischen Generals und NSDAP-Mitglieds Karl Litzmann in „Litzmannstadt“ umbenannt. Einen Teil des Stadtgebietes hatten sie als Ghetto abgeriegelt. Dort wurde Minna einquartiert. Schon nach kurzer Zeit wurde sie aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes in das Ghetto-Krankenhaus in Łódź eingeliefert, wo sie drei Wochen nach Ankunft im Ghetto mit 72 Jahren an Herzschwäche starb.
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