- Location
- Schreinerstraße 21
- District
- Friedrichshain
- Stone was laid
-
03 April 2025
- Born
- 23 December 1892 in Graudenz (Westpreußen) / Grudziądz
- Deportation
- on 02 March 1943 to Auschwitz
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Murdered
Helene Franziska Czarlinski kam am 23. Dezember 1892 in Graudenz in Westpreußen als Tochter des jüdischen Kassenboten Leopold Czarlinski und dessen Ehefrau Rebekka, geb. Lublinski, zur Welt. Die Stadt Graudenz (polnisch Grudziądz), am Ostufer der Weichsel und etwa 90 km südlich von Danzig gelegen, war zu diesem Zeitpunkt ein schnell wachsender Industriestandort und Eisenbahnknotenpunkt.
Helene hatte mindestens noch fünf Geschwister: Emma (*1885), Else (*1887), Georg (*1889), Minna (*1891) und Margarete (*1897). Über die Kindheit und Jugend von Helene Czarlinski haben sich keine Informationen erhalten.
Sie heiratete um 1910 in Graudenz den jüdischen Kaufmann David Holdstein, geb. am 29. September 1886 in Schönsee (Westpreußen). Am 24. Mai 1911 kam der Sohn Alfred, am 7. März 1915 Reinhard zur Welt. Ende 1919 wurde der Sohn Hans geboren, der aber im Alter von 1 ½ Jahren verstarb. Ein weiterer Sohn, Siegfried, starb ebenfalls im Kleinkindalter. Helene kümmerte sich um den Haushalt und die Kinder, während ihr Mann den Lebensunterhalt der Familie verdiente.
Die Holdsteins übersiedelten im Juli 1920 nach Berlin, nachdem ihre Heimatstadt Graudenz aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags im Januar 1920 an Polen abgetreten worden war. Helenes Schwestern Emma, Else und Minna waren bereits vor dem Ersten Weltkrieg in die Reichshauptstadt gezogen.
Die Familie Holdstein lebte im Bezirk Friedrichshain, von den frühen 1920er Jahren bis 1932 in der Lebuser Straße 14, seit etwa 1934 in der Schreinerstraße 21.
Sohn Reinhard Holdstein gibt nach dem Krieg gegenüber dem Entschädigungsamt an, dass sein Vater Einkäufer für Gardinen und Teppiche im Kaufhaus von Moritz Kiewe in der Prenzlauer Allee war. Auch die Söhne Alfred und Reinhard absolvierten eine kaufmännische Ausbildung. Seine Stellung im Kaufhaus Kiewe verlor Helenes Ehemann um 1939 infolge der Arisierung der Firma. David Holdstein musste dann Zwangsarbeit bei einer Baufirma verrichten, die Söhne wurden ebenfalls zur Zwangsarbeit verpflichtet.
Alfred Holdstein hatte 1936 Ida Rosenfeld geheiratet und lebte mit ihr in der Dirschauer Straße 13. Reinhard Holdstein heiratete 1938 Selma Rosenfeld, Idas jüngere Schwester. Nach der Hochzeit wohnte das junge Ehepaar bei David und Helene Holdstein, zuletzt in der Landsberger Straße 119, wohin sie zu einem unbekannten Zeitpunkt verzogen waren.
Die Familie Holdstein wurde am 27. Februar 1943 Opfer der „Fabrikaktion“, bei der die bis dahin von der Deportation verschonten letzten Berliner Juden, die in kriegswichtigen Betrieben zwangsbeschäftigt waren, verhaftet und deportiert wurden.
David und Helene Holdstein sowie die Schwiegertochter Selma wurden mit dem 32. Osttransport am 2. März 1943 nach Auschwitz verschleppt und wahrscheinlich gleich nach ihrer Ankunft ermordet. Reinhard Holdstein wurde mit dem 34. Osttransport am 4. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Er überlebte mehrere Konzentrationslager und wanderte 1949 in die USA aus.
Der ältere Sohn Alfred war mit seiner Frau Ida und seiner Schwiegermutter Regina Rosenfeld bereits am 18. Oktober 1941 mit dem 1. Osttransport in das Ghetto Lodz deportiert worden. Regina Rosenfeld und Tochter Ida wurden im Mai 1942 im Ghetto Lodz ermordet, Alfred Holdstein wurde am 6. Juli 1944 in das Vernichtungslager Kulmhof verschleppt und ermordet.
Helenes Bruder Georg Czarlinski wurde mit seiner Ehefrau Käthe, geb. Blumberg, am 14. November 1941 mit dem 5. Osttransport in das Ghetto Minsk deportiert, wo sich ihre Spur verliert. Ihre Schwester Emma, verwitwete Bergmann, wurde am 19. Januar 1942 mit dem 9. Osttransport in das Ghetto Riga verschleppt, wo sie am 24. August 1943 ermordet wurde. Helenes Schwester Else Czarlinski wurde am 13. Juni 1942 mit dem 15. Osttransport in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und ermordet.
Die Schwestern Minna, verheiratete Vedder, und Margarete, verheiratete Sielaff, überlebten aufgrund ihrer sogenannten „Mischehen“ die Shoa.
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