Benno Feldheim

Location 
Wallstr. 32
District
Mitte
Stone was laid
16 April 2026
Born
15 September 1880 in Dortmund
Occupation
Geschäftsmann
Survived
Biography

Benno Feldheim wurde am 15. September 1880 als jüngstes Geschwister der Familie Feldheim in Dortmund geboren. Seine Geschwister hießen Max und Hedwig. Alle drei Feldheim-Kinder zogen als junge Erwachsene nach Berlin – warum, wissen wir nicht. Die beiden Brüder bauten Geschäfte in der Tuchfabrikation auf und spezialisierten sich auf Damenmode – Max auf Mäntel und Benno auf Hüte. Benno Feldheim heiratete die Berlinerin Else Wächter, die aus einer evangelischen Familie stammte.

In den 1920er Jahren betrieb Benno Feldheim zusammen mit einem Partner eine Mützenmanufaktur mit einem Laden in der Neuen Friedrichsstraße. Später zog er um und eröffnete in der Wallstraße 32 ein Geschäft für Damenhüte auf, über dem er und seine Frau lebten. Wir können davon ausgehen, dass Benno Feldheim vor der Entrechtung und Enteignung durch die Nationalsozialisten recht wohlhabend war. Benno Feldheim war durch die Ehe mit seiner Frau Else leidlich vor der Deportation geschützt – stand er unter dem zynischen Status der „privilegierten Mischehe“. Nicht-jüdische Ehepartner*innen standen im Nationalsozialismus unter Druck, sich von ihren jüdischen Partnern zu trennen – Else blieb bei ihrem Mann und sicherte so sein Überleben. Als sich die Familie seiner Schwester Hedwig, bei der ihre Tochter Alice und deren Sohn Peter lebten, entschloss, sich aufzuteilen, spielte dieser Schutzstatus womöglich eine Rolle. Seine Schwester Hedwig zog zu dem gemeinsamen Bruder Max nach Dahlem, der ebenfalls mit einer nicht-jüdischen Frau verheiratet war. Bennos Nichte Alice floh im März 1939 nach England, sicherlich mit der Absicht, Familienmitglieder nachzuholen. Benno und seine Frau Else nahmen Alice' Sohn, ihren Großneffen Peter auf, der im Alter von 13 Jahren als jüdischer Junge keine Schule mehr besuchen durfte.

Benno und seine Frau Else mussten den furchtbaren Tag am 2. Februar 1943 erleben, an dem ihr 15-jähriger Großneffe Peter, den Benno in späteren Unterlagen als Ziehsohn bezeichnet, sich in dem Sammellager in der Großen Hamburger Straße einfinden musste. Einen Tag später wurde Peter nach Auschwitz deportiert. Da der Junge nie eine Häftlingsnummer erhielt, ist davon auszugehen, dass er unmittelbar nach seiner Ankunft ermordet wurde. Auch die Deportation seiner Schwester musste Benno erleben: Hedwig Feldheim wurde am 16. Juni 1943 nach Theresienstadt deportiert. Dort überlebte sie fast ein Jahr, bis auch sie am 18. Juni 1944 nach Auschwitz verschleppt und ermordet wurde.

Mit nur 68 Jahren starb Benno Feldheim am 2. August 1948 im Sankt-Hedwig-Krankenhaus in der Großen Hamburger Straße in Berlin, wenige Häuser weiter als das Grundstück des Sammellagers, aus dem Peter deportiert worden war. Else Feldheim starb 1973. Ihre Todesurkunde ist auf den 2. Februar ausgestellt – auf den Tag genau 30 Jahre nach Peters Internierung. Benno und Else Feldheim sind auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee begraben – auf ihrem Grabstein steht: „Die Liebe höret nimmer auf!“