Dr. Kurt Jakob Machol

Location 
Yorckstraße 88
District
Kreuzberg
Stone was laid
16 February 2023
Born
09 February 1904 in Hemer (Westfalen)
Occupation
Rechtsanwalt
Deportation
on 26 September 1942 to Raasiku
Murdered
in Raasiku
Biography

Kurt Jakob Machol wurde als jüngstes von drei Kindern am 9. Februar 1904 in Hemer in Westfalen geboren.

Seine Eltern waren der Arzt Dr. med. Hartwig Machol (1862-1942) und Elsbeth Jacobine Machol, geb. Badt (1865-1941). Beide waren jüdischen Glaubens. Hartwig Machol nannte sich seit der Reifeprüfung Hermann Machol.

Bei Kurt Jakobs Geburt lebten in der Familie der neun Jahre ältere Bruder Paul Louis (1895-1915), die vier Jahre ältere Schwester Charlotte (1898-1969) und der damals bereits 11-jährige Halbbruder Heinz Joseph (1892-1943). Heinz Joseph entstammte der ersten Ehe von Hermann Machol mit Hedwig, geb. Klemperer (1870-1892). Hedwig Machol verstarb kurz nach Heinz' Geburt im Kindbett.

1917, nach dem Tod des Kriegsfreiwilligen Paul Louis in Frankreich, zog die Familie nach Niederschönhausen vor die Tore Berlins, wo Kurts Vater seine Arztpraxis weiterführte. Kurt besuchte das Reform-Realgymnasium zu Berlin-Niederschönhausen, wo er am 3. März 1923 die Reifeprüfung ablegte.

Er studierte Rechtswissenschaften in Berlin und promovierte bereits als Referendar 1928 mit 24 Jahren an der Universität Breslau zum Thema „Das Verhältnis des Landtages zur Regierung beim Landesausnahmezustand nach Artikel 48 Absatz IV der Rechtsverfassung“.

Am 7. Februar 1928 wurde Kurt Machol erstmalig für den Staatsdienst vereidigt, nachdem er am 19. Januar des Jahres in Berlin seine erste juristische Prüfung bestanden hatte.

Am 13. Oktober 1931 legte er ebenfalls in Berlin die große Staatsprüfung ab. Mit 27 Jahren wurde er als Rechtsanwalt vereidigt. Seine Kanzlei führte Kurt Machol zunächst in Niederschönhausen. Kaum zwei Jahre später, analog zum „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, wurde ihm die Zulassung zur Vertretung entzogen, was nach einem Verfahren zur Wiederzulassung vorübergehend aufgehoben wurde. 

Seine politische Heimat fand Kurt Machol im völkisch orientierten „Verband Nationaldeutscher Juden“, in dem er bis zum Verbot 1935 teilweise federführend tätig war.

Am 15. Oktober 1936 schlossen Dr. Kurt Jakob Machol und Editha Tuch die Ehe. Ihre gemeinsame Wohnung war im 4. Stock in der Yorckstraße 88, einem Haus der katholischen St. Bonifatius Gemeinde in Kreuzberg.

Am 27. September 1938 wurde Dr. Kurt Machol nach der Fünften Verordnung zum Reichsbürgergesetz die Zulassung als Rechtsanwalt entzogen. Am 1. Dezember wurde sein Name aus der Rechtsanwaltsliste des Landgerichts Berlin und des Amtsgerichts Pankow gelöscht. Auf Antrag wurde er am 3. November unter Vorbehalt als Jüdischer Konsulent für die Landgerichtsbezirke Berlin und Neuruppin zugelassen.

Am 21. September 1940 wurden Kurt und Editha Machol von D. Günther Dehn in der Messias Kapelle, Kastanienallee 22, im Prenzlauer Berg/Pankow, getauft. Editha erwartete zu der Zeit den gemeinsamen Sohn. Kurt Machol war bereits 1936 aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten, Editha Machol kurz vor der Taufe.

Am 7. Dezember 1940 wurde der Sohn Abel Stephan geboren.

Ende 1941 und Anfang 1942 verstarben Kurt Machols Eltern Elsbeth und Hartwig. Fünf Monate später, am 26. September 1942 wurden der 38-jährige Dr. Kurt Jakob Machol mit seiner 33-jährigen Frau Editha und dem kleinen fast 2-jährigen Abel Stephan vom Güterbahnhof Moabit mit dem „20. Osttransport“ nach Raasiku in Estland verschleppt.

Der Transport, der mit einem Zug aus Frankfurt gekoppelt worden war, umfasste 1049 Personen, 895 Frauen und 354 Männer, darunter 108 Kinder bis zu 10 Jahren. Der Zug fuhr über Riga, wo er einige Zeit hielt, nach Raasiku. Ankunft dort war vermutlich der 30. September. Scheffler und Schulle beschreiben den Ablauf der unmittelbar nach Ankunft erfolgenden Mordaktion:

Bei beiden Transporten [vorausgegangen war ein Transport aus Theresienstadt] setzte umgehend eine rigorose Selektierung ein. Bis auf jeweils 100-150 junge Frauen und Mädchen und jeweils 60-80 Männer wurden alle anderen zu bereitstehenden Omnibussen gebracht, mit denen sie nach und nach weggefahren wurden“. Bei Kalevi-Liivi wurden die über 1600 Menschen „durch ein Spalier, das [...] estnische Polizisten bildeten, zu bereits ausgehobenen Gruben in einem Dünengelände, und über eine Art Rampe in diese hineingetrieben. Vorher mussten sie sich ausziehen [...]. Alles ging unter ständigem Schreien in äußerster Schnelligkeit vonstatten, so dass den Opfern keine Zeit zum Nachdenken blieb. Ein Kommando von sechs bis acht estnischen Polizisten nahm die Erschießungen vor.“ 

Auch Dr. Kurt Machol, Editha Machol und der kleine Abel Stephan gelten als dort ermordet.