Hildegard Hildegund Johanna Spandau née Schayer

Location 
Zähringerstraße 33
District
Wilmersdorf
Stone was laid
15 September 2025
Born
21 April 1912 in Berlin
Occupation
Kontoristin, Sekretärin
Escape
1939 Chile
Survived
Biography

Hildegard Hildegund Johanna Spandau geb. Schayer wurde am 21. April 1912 in Berlin geboren und immer Gundi genannt. Sie war die Tochter von Prof. Siegbert Schayer und Selma Schayer geb. Dann (Stolperstein Tübinger Str. 4 a). Ihr Vater verstarb bereits im April 1913, als sie gerade ein Jahr alt war. Sie wurde dann von ihrer Mutter allein erzogen. Die Mutter Selma zog mit ihr nach dem Tod von Siegbert Schayer von der Greifswalder Straße in die Tübinger Straße 4a, nahe dem damaligen Kaiserplatz, dem jetzigen Bundesplatz.

Gundi erlernte den Beruf der Kontoristin und Sekretärin und arbeitete ab 1929 bei verschiedenen Schriftstellern und in verschiedenen Betrieben mit jeweils sehr guten Zeugnissen. Sie arbeitete auch zeitweise im Hilfsverein der Juden in Deutschland. Wie alle Juden, die in dieser Zeit in Deutschland lebten, mußte Gundi unter den zunehmenden Repressionen und den vielen antijüdischen Gesetze durch der Nazis leiden.

Am 18. August 1937 heiratete sie Günther Leo Spandau, der am 24. Oktober 1904 in Eberswalde geboren war. Sie bekamen schon im September 1937 ihre Tochter Monika. Die junge Familie lebte in der Zähringer Str.33, in der 5. Etage.

Ihre letzte Anstellung erhielt Gundi durch Kontakte ihrer Mutter zur Botschaft von Chile in der Kurfürstenstraße 114. Sie wurde dort Sekretärin des chilenischen Botschafters. Sie hatte das Glück, für sich, ihren Mann, ihr Kind, ihre Mutter und ihre Schwiegermutter jeweils Visa für die Einreise nach Chile zu bekommen.

Gemeinsam fuhren sie am 23. August 1939 nach Hamburg, um von dort mit dem Dampfer „Copiapo" nach Chile zu flüchten. Aber am Morgen der geplanten Abreise, dem 25. August wurden Gundi und ihr Mann wegen angeblichen Devisenschmuggels im Hotel „Vier Jahreszeiten" verhaftet und zurück nach Berlin befördert, wo sie einige Tage im Untersuchungsgefängnis am Alexanderplatz verbringen mussten. Nach ihrer Freilassung war gerade der 2. Weltkrieg ausgebrochen, ihr Umzugsgepäck und alle Wertgegenstände waren beschlagnahmt und der Dampfer war ohne sie, aber mit ihrer Mutter Selma Schayer und ihrer Schwiegermutter Emma Spandau abgefahren.

Die junge Familie musste sich mit Hilfe von Freunden bis zu ihrer nächsten Fluchtgelegenheit durchschlagen. Sie nahmen Ende Oktober einen Zug in die Schweiz, fuhren von dort nach Genua in Italien und von dort mit dem Dampfer „Conte Grande" nach Chile. Sie erreichten Santiago im November 1939 und waren dann wieder mit ihren beiden Müttern zusammen.

Die ersten Jahre waren sehr schwer. Sie zogen nach Temuco, eine Stadt etwa 670 km südlich von Santiago. Dort lebte eine größere deutsche Gemeinschaft. Sie kauften 1940 ein Restaurant in Temuco, wo Gundi in der Küche und Günther in der Bar arbeitete. Wegen zu geringer Verdienstmöglichkeiten verkauften sie das Restaurant nach einigen Jahren aber wieder.

1950 zog Gundi mit der inzwischen 13-jährigen Monika nach Santiago, wo sie eine Arbeit als Sekretärin bei der Firma Gildemeister fand. Günther war in Temuco geblieben, denn er hatte die Konzession des Vereins der jüdischen Gemeinde Temuco übernommen. Außerdem musste er sich um seine Mutter Emma kümmern, die inzwischen 80 Jahre alt und ohne Einkommen war.

Am 17.Oktober 1958 stellte Gundi einen Antrag an die Berliner Wiedergutmachungsämter wegen Schadens im beruflichen Fortkommen und am 16. Mai 1978 einen Antrag auf Altersruhegeld. Dieser wurde ab September 1978 bewilligt.

Gundi verstarb 2008 im Alter von 96 Jahren in ihrer neuen Heimat Chile.