Lydia Ellgaß geb. Wolffberg

Verlegeort
Ansbacher Straße 18
Historischer Name
Ansbacher Straße 8a
Bezirk/Ortsteil
Schöneberg
Verlegedatum
18. Juli 2025
Geboren
20. Dezember 1896 in Breslau / Wrocław
Deportation
am 15. August 1942 nach Riga
Ermordet
18. August 1942 in Riga
Biografie

Lydia Wolffberg kam am 20. Dezember 1896 in Breslau als Tochter des Dr. med Louis Wolffberg und seiner Frau Helene geborene Gottschalk zur Welt. Sie war die jüngste von vier Kindern, der älteste Sohn, Herbert, war 1889 geboren und starb in jungen Jahren, ihm folgte Richard, der am 13. Juli 1891 geboren wurde. Die Tochter Liesbeth wurde 1893 geboren und starb ebenfalls früh. Über die Kindheit und Jugend von Lydia ist nichts bekannt, sie erlernte vermutlich keinen Beruf. Am 14. Oktober 1922 heiratete sie vor dem Standesamt Charlottenburg in Berlin den katholischen Witwer Johannes Bonaventura Ellgaß. Das Paar lebte im Berliner Westend in der Kastanienallee 21, Johannes (Hans) war Großhändler von Fleisch- und Wurstwaren. 1926 trat Lydia aus der jüdischen Religionsgemeinschaft aus und konvertierte zum Katholizismus. Lydias Vater starb 1935. Damals lebte das Paar in der Ansbacher Straße 8 a (heute 18) in einer 3 ½ Zimmer Wohnung im II OG rechts. 

Als ihre Mutter 1939 in Breslau starb erbte Lydia einige Wertpapiere, die ihrem Wertpapierdepot gutgeschrieben wurden. In diesem Jahr machte Johannes Ellgaß ein handschriftliches Testament, in dem er seine Frau Lydia als Alleinerbin einsetzte. Zunächst war Lydia noch geschützt durch ihre privilegierte "Mischehe" mit dem nichtjüdischen Johannes Ellgaß. Als dieser dann am 13. Januar 1941 auf dem Großfleischmarkt in der Landsberger Allee an einem Herzschlag starb musste Lydia auch den Judenstern tragen und die Repressalien der Nazis gegenüber Jüdinnen und Juden erdulden. Sie versuchte Teile ihres Vermögens vor dem Zugriff der Nazis zu schützen, indem sie notariell ihre Wohnungseinrichtung den Nichten ihres verstorbenen Ehemannes schenkte und sich selbst ein lebenslanges Nutzungsrecht vorbehielt. Im Rahmen des Erbfalles nach ihrem Ehemann wurden auf ihr Wertpapierdepot mehrere Wertpapiere ihres Ehemannes übertragen. Nach 1941 wurde ihr die Verfügungsgewalt über ihr Vermögen entzogen. In der Nacht vom 14. August 1942 wurde Lydia Ellgaß aus ihrer Wohnung abgeholt und am nächsten Tag nach Riga deportiert, wo sie am 18. August 1942 ermordet wurde. Sie wurde nur 45 Jahre alt.

Ihr Bruder Richard war schwach begabt und konnte kaum lesen und schreiben, sein Vater hatte dafür gesorgt, dass er als Gärtner im Botanischen Garten in Breslau arbeiten konnte. Nach der Machtübernahme der Nazis wurde Richard in Leubus, einer Heil- und Pflegeanstalt, untergebracht. Im Dezember 1940 wurde Richard Wolffberg vermutlich in der Tötungsanstalt Sonnenstein bei Pirna ermordet.

Lydias Mutter, Helene geborene Gottschalk, war die Tochter von Benno Gottschalk und seiner Frau Sara geborene Freundlich. Einer ihrer Brüder war Hugo Gottschalk, ein Mühlenbesitzer, der 1934 starb. Er war mit Bertha geborene Wolffberg verheiratet, einer Schwester von Helenes Mann Louis Wolffberg. Hugo und Bertha Gottschalk hatten 3 Töchter: Nanny, die Arthur Lewin heiratete und 1944 ermordet wurde , Käthe, die Max Knipfer heiratete und überlebte, und Gertrud, die Georg Anker heiratete und einen Sohn Bruno hatte (1890 – 1911). Von Gertrud stammt George Fogelson ab, der die Stolpersteinverlegung für Lydia Ellgaß initiierte.