Horst Wohl wurde am 25.01.1930 als zweites Kind des Kaufmanns Max Wohl und dessen Ehefrau Hanna, geb. Leiser, in Körlin a.d. Persante (dem heutigen Karlino in Polen) geboren. Mit seinem älteren Bruder Peter verbrachte er dort die ersten Jahre seiner Kindheit. Seine Eltern besaßen in dem Ort ein Geschäftshaus. Horst wurde zu Ostern 1936 eingeschult.
Die furchtbaren Ereignisse der Pogromnacht vom 9. November 1938 waren sehr wahrscheinlich dafür ausschlaggebend, dass die Eltern sich sofort um die Sicherheit ihrer Söhne kümmerten und diese in größere Städte schickten, in der trügerischen Hoffnung, dass die Anonymität der Großstadt das Leben etwas sicherer gestalten könnte.
Schon am 21. November 1938 wechselte Horst auf eine Schule nach Berlin und wohnte bei seiner Tante Rosa Loewy und seinem Onkel Max Loewy in Friedrichshain (damals Horst-Wessel-Stadt), An der Bartholomäuskirche 2. Zu diesem Zeitpunkt war Horst erst acht Jahre alt und ging das zweite Jahr zur Schule.
Mit Beginn des neuen Schuljahres im März 1939 wechselte dann auch sein zwölfjähriger Bruder Peter auf eine Berliner Volksschule. Er wohnte bei der Familie des Zahnarztes Dr. John Lehmann und dessen Ehefrau Elisabeth, geb. Raddan, in der Alexanderstr. 21 in Berlin-Mitte.
Die Eltern Hanna und Max lebten weiter in Körlin, wie aus den überlieferten Unterlagen der Volkszählung vom Mai 1939 zu entnehmen ist.
Am 18. Juli 1940 verstarb Horsts Onkel Max in Berlin. Horst lebte weiter bei der nun verwitweten Tante Rosa in der gemeinsamen Wohnung in Friedrichshain. Im Oktober 1941 wurde Rosa Loewy mit einem der ersten Deportationszüge von Berlin in das Ghetto Litzmannstadt verschleppt.
Ob Horsts Eltern bereits 1940 nach dem Tod Max Loewys nach Berlin kamen, ist nicht bekannt. Es ist anzunehmen, dass sie spätestens zum Zeitpunkt der Deportation von Rosa Loewy im Oktober 1941 zu ihren Kindern nach Berlin zogen.
Gemeinsam mit seinen Eltern und seinem Bruder lebte Horst zuletzt zur Untermiete bei Ernst und Lucie Finkenstein in einer Zweizimmerwohnung mit Küche in der Choriner Str. 71. Im Oktober 1942 wurde das Ehepaar Finkenstein nach Riga deportiert.
Die Familienmitglieder Wohl waren – wie alle „arbeitsfähigen“ jüdischen Bürgerinnen und Bürger – ab dem Frühjahr 1939 zur Zwangsarbeit verpflichtet. Über Horst ist bekannt, dass er zuletzt in der Gormannstr. 3 in Berlin beschäftigt war. Der genaue Zeitraum des Arbeitseinsatzes ist nicht bekannt. Horst – Jahrgang 1930 – war, auch nach damaligem Verständnis, noch ein Kind!
In der Gormannstr. 3 war vor der Nutzung durch die Nationalsozialisten ein sogenanntes Heimathaus und ein Altenheim der jüdischen Gemeinde untergebracht. Ab November 1942 wurde das Gebäude auf Weisung der Gestapo zur Zentralküche der Jüdischen Gemeinde und diente teilweise auch als provisorisches „Sammellager“. Die Arbeitsstellen der drei anderen Wohls sind nicht bekannt.
Horst wurde mit seiner Familie im Rahmen der sogenannten „Fabrikaktion“ festgenommen. Bei dieser Großrazzia wurden zwischen dem 01. und 12. März 1943 ca. 8000 bisher von der Deportation verschont gebliebene Berliner Jüdinnen und Juden verhaftet. Bis zum 27. Februar 1943 waren sie noch zwangsbeschäftigt. Sie wurden meist direkt an ihren Arbeitsplätzen, auf offener Straße oder in ihren Wohnungen festgenommen, in Sammellager gebracht und anschließend nach Auschwitz deportiert.
Zuerst wurden Horsts Bruder Peter und seine Mutter am 01. März 1943 mit dem „31. Osttransport“ in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Da ihre Namen auf den Transportlisten nicht zusammen aufgeführt sind, ist leider anzunehmen, dass sich die beiden während des Transportes noch nicht einmal sehen konnten.
Am 04. März 1943 wurden Horst und sein Vater mit dem „34. Osttransport“ ebenfalls in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert.
Die Familie überlebte den
Holocaust
nicht. Ihre genauen Todesdaten sind unbekannt.
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