- Verlegeort
- Dresdener Straße 123
- Bezirk/Ortsteil
- Kreuzberg
- Verlegedatum
-
09. März 2026
- Geboren
- 15. Februar 1929 in Berlin
- Flucht
- 1938 USA
- Deportation
-
Überlebt
Lili Schoeps kam am 15. Februar 1929 in Berlin als Tochter des jüdischen Arztes Dr. Erwin Schoeps und dessen Ehefrau Hildegard, geb. Wolff, zur Welt. Sie hatte noch eine ältere Schwester namens Eva (*1924). Die Familie wohnte in der zweiten Etage des Vorderhauses Dresdener Straße 123, wo sich auch die gutgehende Arztpraxis des Vaters befand.
Nachdem die Nationalsozialisten 1933 an die Macht gekommen waren, verlor Dr. Erwin Schoeps immer mehr Patienten und sein Einkommen ging zurück. Die zunehmende Diskriminierung und soziale Ausgrenzung von Juden und die Sorge, dass Eva und Lili keine angemessene Ausbildung erhalten könnten, veranlasste die Familie, ihre Auswanderung vorzubereiten.
Erwin Schoeps reiste zu entfernten Verwandten in die USA, um sich vorzustellen und sie zu bitten, eine beglaubigte Bürgschaftserklärung (Affidavit) zu unterschreiben, um ihm und seiner Familie die Einreise in die USA zu ermöglichen. Erwin Schoeps kehrte schließlich mit den erforderlichen Papieren nach Deutschland zurück. Die Familie war nun gezwungen, binnen kürzester Zeit den Großteil ihres Besitzes zu Schleuderpreisen zu verkaufen und eine hohe Reichsfluchtsteuer zu zahlen. Im September 1938 verließ die Familie Schoeps Berlin und wanderte in die USA aus. Sie kamen am 3. Oktober 1938 in New York City an. Lilis Vater begann sofort englisch zu lernen und sich auf die ärztliche Zulassungsprüfung vorzubereiten. Nachdem er diese im Juni 1940 bestanden hatte, ließ sich die Familie in der Kleinstadt Waverly im Bundesstaat New York, etwa 300 km nordwestlich von New York City gelegen, nieder. Dort baute Dr. Erwin Schoeps wieder eine erfolgreiche Arztpraxis auf.
Lili war eine gute Schülerin und schloss die Waverly High School als Zweitbeste ihres Jahrgangs ab. Danach absolvierte sie ein Bachelorstudium in Psychologie an der Syracuse University, New York. Lili Schoeps lernte während ihres Studiums in Syracuse Jules Josephson (*1924) kennen, der dort ein Aufbaustudium im Bereich Ingenieurwesen absolvierte.
Lili Schoeps und Jules Josephson waren im August 1950 das erste Paar, das im neuen Jüdischen Zentrum von Waverly heiratete. In den nächsten zehn Jahren zogen sie wegen Jules' Arbeit mehrmals um, bekamen in dieser Zeit drei Söhne – Eric, Paul und Marc – und ließen sich schließlich in Pittsburgh, Pennsylvania, nieder, das Lili als ihre amerikanische Heimatstadt betrachtete und wo sie den größten Teil ihres Erwachsenenlebens verbrachte. Lili und Jules bekamen in Pittsburgh zwei weitere Kinder – Heidi und Eva – und Lili schuf sich ein erfülltes Leben, während sie ihre fünf Kinder großzog.
Im Juli 1964 ereignete sich eine Tragödie, als Lilis Schwester Eva zusammen mit ihrem Mann James Patrick Daly und ihrem Sohn Peter bei einem Autounfall ums Leben kam. Lilis Nichte Sheila war die einzige Überlebende und zog im Alter von 11 Jahren zu der Familie ihrer Tante nach Pittsburgh.
Nachdem das jüngste Kind in die Grundschule gekommen war, absolvierte Lili an der University of Pittsburgh ein Masterstudium in Rehabilitationspädagogik. Nach ihrem Abschluss Mitte der 1970er Jahre begann sie bei Goodwill Industries zu arbeiten. Sie war als Drogenberaterin in einer Resozialisierungseinrichtung tätig.
Als Jules etwa 1980 eine Stelle in Washington, D.C. annahm, zog Lili nach Chesapeake Beach im Bundesstaat Maryland, um bei ihm zu sein, und arbeitete als Drogenberaterin und später als Programmkoordinatorin für die Regierung von Calvert County, Maryland. Jules Josephson starb 1991. Lili zog Mitte der 1990er Jahre von Chesapeake Beach zurück nach Pittsburgh, um dort ihren Ruhestand zu verbringen.
Lili lebte im Stadtteil Shadyside und verbrachte so viel Zeit wie möglich damit, mit ihrem großen Freundeskreis in Pittsburgh Symphonie- und Theateraufführungen zu besuchen. In früheren Jahren trat sie selbst als Schauspielerin und Opernsängerin auf. Lili reiste auch viel um die Welt, u.a. nach Europa, Asien und in den Nahen Osten, und die Familie empfing häufig internationale Gäste in ihrem Haus.
Lili Josephson starb am 21. Juli 2022 und hinterließ fünf Kinder, fünf Enkelkinder und vier Urenkelkinder. Sie bleibt als liebevolle, hilfsbereite und freundliche Frau in Erinnerung, die sich um ihre Familie kümmerte und für alle nur das Beste wollte.
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