- Verlegeort
- Fontanepromenade 16
- Bezirk/Ortsteil
- Kreuzberg
- Verlegedatum
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11. März 2024
- Geboren
- 28. November 1872 in Wien
- Flucht
- 1938 Holland
- Interniert
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von 11. Dezember 1942 in Westerbork
- Deportation
- am 10. Januar 1943 nach Auschwitz
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Ermordet
- 21. Januar 1943 in Auschwitz
Ferdinand Bogen kam am 28. November 1872 in Wien als Sohn des jüdischen Kaufmanns Ludwig Bogen und dessen Ehefrau Emma Haenflein, verh. Bogen, zur Welt. Er hatte noch mindestens eine Schwester, die fünf Jahre jüngere Elsa (*1877). Um 1880 zog die Familie Bogen von Wien nach Breslau, wo Ferdinand das Realgymnasium am Zwinger besuchte. Anschließend absolvierte er eine kaufmännische Lehre in einem Konfektionshaus. Nachdem er mit seiner Familie etwa 1893 nach Berlin übergesiedelt war, trat Ferdinand Bogen in die Konfektionsfirma für Damenmäntel D. Levin am Hausvogteiplatz ein und wurde erster Einkäufer.
Der Hausvogteiplatz war im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert das Zentrum des Berliner Konfektionsviertels. Der dort ansässige Mode-Großhandel produzierte und verkaufte über 90 Prozent der gesamten deutschen Damenmode. Die Textilbetriebe waren überwiegend in jüdischem Besitz, auch unter den Angestellten waren viele Juden.
Ferdinand Bogen heiratete am 19. März 1908 in Berlin Johanna Bonwitt (*28.11.1874) in Rodenberg (nahe Hannover). Auch sie gehörte der jüdischen Religionsgemeinschaft an. Das Ehepaar bekam zwei Kinder: Franz (*8.2.1909) und Marianne (*1.3.1911). Um 1916 bezog die Familie eine Vierzimmerwohnung im zweiten Stock des Hauses in der Fontanepromenade 16.
Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem Ferdinand Bogen in den Reihen der österreichischen Armee teilgenommen hatte, verließ er die Firma D. Levin und machte sich als Vertreter großer Damenstoff-Fabriken Thüringens, Sachsens und des Rheinlandes in Berlin selbständig. Er unterhielt ein ständiges Büro im Berliner Konfektionsviertel. Sein Geschäft florierte und er verdiente gut, die Familie hatte einen hohen Lebensstandard. Sie beschäftigten ein ständiges Dienstmädchen und konnten ihren Kindern eine gute Ausbildung ermöglichen: Der Sohn besuchte das Friedrichs-Realgymnasium in der Schleiermacherstraße, die Tochter das Lyzeum in Neukölln.
Seit 1933 begann auch Ferdinand Bogen zunehmend unter dem Boykott jüdischer Geschäftsleute zu leiden. Sein Sohn Franz, der an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt-Universität) Jura studiert hatte, entschloss sich zur Auswanderung nach Palästina. Voraussetzung für eines der von der britischen Mandatsmacht ausgestellten Einreisevisa war aber eine landwirtschaftliche oder handwerkliche Ausbildung. Franz Bogen absolvierte also eine Lehre als Rohrleger und erhielt eine Einreiseerlaubnis für Palästina, die allerdings für ein Ehepaar ausgestellt wurde. Er heiratete daraufhin die ebenfalls auswanderungswillige landwirtschaftliche Praktikantin Hilda Hennig, die 1915 in Neukölln geboren worden war, und emigrierte mit ihr nach Palästina im Jahr 1934. Das Paar ließ sich gleich nach der Ankunft wieder scheiden und Franz heiratete später Hanni de Winter, eine aus den Niederlanden stammende Jüdin. Ferdinands Tochter Marianne hatte 1931 ihre Ausbildung als Kindergärtnerin und Hortnerin abgeschlossen und war als solche bei der Jüdischen Gemeinde Berlin angestellt. Im März 1939 wanderte sie nach England aus, wo sie zunächst als Hausangestellte arbeitete.
Ferdinand und Johanna Bogen flohen Ende 1938 in die Niederlande, wo sie von den Schwiegereltern ihres Sohnes, Samuel de Winter und dessen Ehefrau Sophia Francisca de Leeuw in Arnheim aufgenommen und unterstützt wurden. Am 11. Dezember 1942 wurde das Ehepaar Bogen von seinem letzten Wohnort, dem „Heim für alte israelitische Männer“ in Arnheim in das „polizeiliche Judendurchgangslager Kamp Westerbork“ eingeliefert. An ihre Tochter Marianne schrieben sie an diesem Tag in einem Rot-Kreuz-Brief:
„Heute werden wir umgesiedelt. Sind gesund und guten Muts.“
Offenbar hatten sie noch bis zuletzt gehofft, eine Einreiseerlaubnis nach Palästina zu bekommen, doch diese Hoffnung sollte sich nicht erfüllen. Am 18. Januar 1943 wurden Ferdinand und Johanna Bogen nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Ferdinand Bogens Schwester Elsa, verh. Markt, war von ihrem Wohnort in Breslau am 27. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert worden, wo sie am 14. September 1942 ums Leben kam.
Nachdem Franz Bogens zweite Ehefrau 1950 an Tuberkulose gestorben war, heiratete er die aus Leipzig stammende Judith Kroch (*1924) und gründete mit ihr eine Familie. Er änderte seinen Namen in Moshe Kashti und arbeitete für das israelische Verteidigungsministerium. Er starb 1994.
Die Tochter Marianne arbeitete ab 1943 in ihrem alten Beruf als Kindergärtnerin in einem Kriegskindertagesheim in London, 1946 wurde sie bei der Stadt London als Kindergartenlehrerin angestellt. Sie heiratete 1947 den deutsch-jüdischen Flüchtling Bernhard Kristeller (*1904), der von Beruf Apotheker war. Er starb 1956 in London, Marianne Kristeller verstarb 2010.
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