- Verlegeort
- Franz-Mehring-Platz 2
- Historischer Name
- Küstriner Platz 9
- Bezirk/Ortsteil
- Friedrichshain
- Verlegedatum
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03. April 2025
- Geboren
- 19. September 1890 in Berlin
- Verhaftet
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von 15. April 1944
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Ermordet
- 19. April 1944 in Berlin
Julius Ernst Max Perzel kam am 19. September 1890 in Berlin als Sohn des Arbeiters Max Perzel und dessen Ehefrau Marie, geb. Lorch, zur Welt. Zum Zeitpunkt seiner Geburt lebte die Familie in der Manteuffelstraße 110, auch seine ersten Lebensjahre verbrachte Ernst Perzel in Kreuzberg. Über seine Kindheit und Jugend haben sich ansonsten keine Informationen erhalten. Er erlernte den Beruf des Tischlers und trat um 1910 der SPD, 1917 der USPD und 1919/20 der KPD bei. Außerdem wurde er schon frühzeitig Mitglied in der Gewerkschaft „Deutscher Holzarbeiterverband“.
Am 4. Oktober 1913 heiratete er die Näherin Klara Otter, geb. 1893 in Berlin. Seine Ehefrau verstarb im Alter von nur 24 Jahren im Februar 1918 im Krankenhaus Friedrichshain.
Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem Ernst Perzel als Soldat teilgenommen hatte, heiratete er am 19. April 1919 im östlich von Berlin gelegenen Altlandsberg (Brandenburg) die 1894 ebendort geborene Luise Gens. Sie brachte die 1915 in Altlandsberg geborene Tochter Käthe mit in die Ehe.
Ernst Perzel war seit 1925 beim Berliner Holzkontor AG als Messermeister beschäftigt. Dort wurden Furniere aus Edelhölzern hergestellt. Die Familie wohnte deshalb im Haus Küstriner Platz 9 (entspricht heute etwa der Adresse Franz-Mehring-Platz 2) in einer Dienstwohnung auf dem 2. Hof. Die Wohnung lag mitten in einem weitläufigen Betriebsgelände, das u.a. der Lagerung starker Baumstämme diente.
Ernst Perzel und seine Ehefrau kauften in den 1930er Jahren ein Einfamilienhaus in Altlandsberg. Es war verkehrsgünstig ab Berlin gelegen, denn die Kleinstadt Altlandsberg war damals mit der „Kleinbahn“ von Hoppegarten aus erreichbar. Das geräumige und wohnlich eingerichtete Haus wurde am Wochenende und im Urlaub von der Familie zur Erholung genutzt.
Nach dem Verbot der KPD durch die Nationalsozialisten 1933 war Ernst Perzel illegal aktiv. Seine Wohnung diente aufgrund ihrer besonderen Lage als Ort geheimer Zusammenkünfte. Es wurden Flugblätter vervielfältigt und verbreitet. Das Ehepaar Perzel beherbergte monatelang verschiedene Genossen, die sich verstecken mussten.
Ernst Perzels politische Einstellung überzeugte auch seine Tochter Käthe und deren Ehemann Heinz Grunske, den sie 1937 geheiratet hatte, sich dem Widerstand gegen die Nazis anzuschließen. Sie wohnten ebenfalls an der Adresse Küstriner Platz 9, allerdings im Vorderhaus. Die Ehepaare Grunske und Perzel unterstützten zahlreiche im Berliner Holzkontor beschäftigte französische Zwangsarbeiter illegal mit Speisen, Getränken und Literatur.
In der Wohnung der Perzels war seit Ende 1943 der Kommunist Paul Hinze untergetaucht. Am 14. April 1944 hatte dieser sein Versteck verlassen und kehrte von einem Treffen nicht zurück.
Am 15. April 1944 erschien vor Tagesanbruch die Gestapo , durchsuchte die Wohnung, nahm Ernst Perzel fest und brachte ihn ins Polizeipräsidium am Alexanderplatz.
Einige Tage später wurde Luise Perzel mitgeteilt, dass sich ihr Ehemann in seiner Zelle erhängt hätte. Laut der Sterbeurkunde wurde Ernst Perzel am 19. April 1944 um 5.10 Uhr im Polizeipräsidium tot aufgefunden.
Zwei seiner Genossen erhielten die Erlaubnis, Ernst Perzel im Leichenschauhaus noch einmal zu sehen. Sie schilderten, dass die Leiche Spuren von Misshandlungen aufwies und seine Kleidung blutbeschmiert war. Sie hielten es für ausgeschlossen, dass Ernst Perzel Selbstmord begangen hatte. Wahrscheinlich ist, dass er an den Folgen von Folter verstorben ist, weil die Gestapo versuchte, Namen von Genossen aus ihm herauszupressen, oder dass er bei einem Verhör ermordet wurde.
Am Haus Küstriner Platz 9 wurde nach dem Krieg eine Gedenktafel für Ernst Perzel angebracht. Das Gebäude wurde allerdings in den 1960er Jahren im Zuge der Neugestaltung des Areals abgerissen, der Verbleib der Gedenktafel ist unklar.
Die Witwe von Ernst Perzel wurde in der DDR als Opfer des Faschismus anerkannt. Sie hatte bis zu ihrem Lebensende Verbindung zu den Genossen, die in der Nazi-Zeit an der illegalen Arbeit beteiligt waren, und deren Familien. Luise Perzel verstarb 1970 in Berlin-Friedrichshain.
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