Wilhem Ostwald

Verlegeort
Martin-Luther-Straße 88
Historischer Name
Martin-Luther-Straße 31
Bezirk/Ortsteil
Schöneberg
Verlegedatum
17. Juli 2025
Geboren
29. Januar 1890 in Witten an der Ruhr
Beruf
Kaufmann
Deportation
am 24. August 1943 nach Theresienstadt
Ermordet
27. März 1943 in Theresienstadt
Biografie

Die Geschwister Julie und Wilhelm Ostwald waren Kinder von Jacob Ostwald (Lichtenau Krs. Büren 1839 – Berlin-Schöneberg 1929) und Sara Ostwald geb. Neumark (Hofgeismar 1850 - Berlin-Schöneberg 1929), Heirat am 20.11.1878 in Lippstadt.

Wilhelm Ostwald wurde am 29.1.1890 in Witten/Ruhr geboren, seine Schwester Julie am 16.1.1881.

Beide hatten einen älteren Bruder Siegfried (Witten/Ruhr, Nordstraße 19, 15.1.1880 – Wien 23.3.1935). Er heiratete am 28.3.1908 in Berlin Helene Anna (Anny) Wolff (Berlin 2.6.1885 – Alameda/Kalifornien 26.9.1959). Wilhelm war Kaufmann. Julie übte keinen Beruf aus. Beide zogen um 1905 nach Berlin. Dort arbeitete bereits ihr Bruder Siegfried als Bankkaufmann. Jacob Ostwald war Lehrer und Prediger der jüdischen Gemeinde in Witten/Ruhr seit Mitte 1863 und blieb dort tätig bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im August 1903. Seit Mitte 1870 hatte die Schule den Status einer öffentlichen Schule und Jacob Ostwald erhielt eine lebenslange Anstellung. Die Eltern folgten ihren Kindern 1910 nach Berlin und bezogen eine Wohnung des Beamten-Wohnungs-Vereins zu Berlin e. G. in der Martin-Luther-Straße 31 (erste Etage). Seit der Verlängerung der Martin-Luther-Straße 1963 und der Neunummerierung hat das Haus die Nummer 88. Dort starb Jacob Ostwald an den Folgen eines Verkehrsunfalls und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Seine Frau Sara starb nur wenige Wochen später und wurde ebenfalls in Weißensee beigesetzt. Auf dem Friedhof befindet sich auch das Grab von Julius und Clara Wolff, der Eltern von Siegfried Ostwalds Frau Anna (Anny).

Die Geschwister Julie und Wilhelm Ostwald übernahmen die Wohnung der Eltern und wohnten dort bis zu ihrem Ausschluss aus der Wohnungsgenossenschaft und dem erzwungenen Auszug um den Jahreswechsel 1938/39. Bei der Volkszählung vom 17.5.1939 hatten beide die Wohnanschrift Potsdam, Seestraße 45. Julie Ostwald wurde am 3.10.1942 aus dem jüdischen Altenheim in Potsdam-Babelsberg, Bergstraße 1 (heute Spitzweggasse 2a) in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie starb dort am 7.2.1943. Wilhelm Ostwald wurde am 24.8.1942 aus dem Krankenhaus der orthodoxen Gemeinde Adass Jisroel, Berlin-Mitte, Elsässer Straße 85 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Er starb dort am 27.3.1943. Auf der Deportationsliste ist „gebrechlich“ vermerkt. Beide waren kinderlos.

Aus der Ehe des 1935 verstorbenen Bruders Siegfried gingen drei Kinder hervor. Seine Witwe und die Kinder flüchteten vor dem Nationalsozialismus aus Österreich. Die Nachfahren leben in den Vereinigten Staaten von Amerika. 

Für seine Enkelkinder schrieb Jacob Ostwald 1913 seine Lebenserinnerungen nieder. Diese wurden im September 1976 in den USA von Lilly Stross für die des Deutschen nicht mehr mächtigen Nachkommen ins Englische übertragen und sind im Internet zu finden. Die Erinnerungen wurden sorgfältig ins Deutsche rückübertragen und von der Stadt Witten 1994 unter dem Titel „'Um Spott und Hohn der Wittener loszuwerden …', Erinnerungen des jüdischen Lehrers und Kantors Jacob Ostwald 1863-1910“ herausgegeben. Über darin genannte Namen gelang es, Kontakte zu Nachkommen in den USA zu knüpfen. Der Verbleib des deutschen Originals der Erinnerungen Jacob Ostwalds ist bislang nicht geklärt.

Die beiden Stolpersteine für Julie und Wilhelm Ostwald sind die ersten, die vor einer Wohnanlage aus dem Altbestand des Beamten-Wohnungs-Vereins zu Berlin eG verlegt wurden.