- Verlegeort
- Max-Beer-Straße 41
- Historischer Name
- Dragonerstarsse 6a
- Bezirk/Ortsteil
- Mitte
- Verlegedatum
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06. Oktober 2023
- Geboren
- 14. Juni 1925 in Berlin
- Flucht
- 1933 Polen
- Interniert
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von 01. April 1940 bis bis 09. November 1944 in Łódź / Litzmannstadt
- Verlegt
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von 09. November 1944 bis bis 23. Januar 1945 in Buchenwald
- Deportation
- 1944 nach Auschwitz
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Überlebt
Bernhard Steinberg wurde am 14. Juni 1925 in Berlin geboren. Seine Eltern waren Moses (*03.06.1898, in Galizien/Österreich-Ungarn) und Cyrla Steinberg, geb. Solny (*29.10.1899 in Galizien/Österreich-Ungarn). Bernhard hatte eine Schwester, Seli, die am 7. Juli 1926 in Berlin zur Welt kam.
Die Eltern lebten spätestens seit 1925 mit ihren Kindern in Berlin. Seit 1931 wohnte die Familie im Berliner „Scheunenviertel“ in der Dragonerstraße 6a (heutige Max-Beer-Straße 35 (41)) an der nordwestlichen Ecke der Kreuzung Schendelgasse, heute Schendelpark.
Diese Straße, zusammen mit der parallelen Grenadierstraße (heute: Almstadtstraße), bildete das Zentrum des „Ghettos mit offenen Toren“ der osteuropäischen Juden in Berlin. Die jüdische Gemeinde in Berlin wuchs als Folge der Migration jüdischer Familien zunächst aus Russland (Pogrome 1881/82/1905) sowie während und nach dem Ersten Weltkrieg aus Galizien, Ungarn und Polen auf 170000 Mitglieder.
Viele von ihnen lebten in ärmlichen Verhältnissen im sogenannten „Scheunenviertel“, welches bereits in den 1920er Jahren im Zentrum des antisemitischen Terrors in Berlin stand. Unmittelbar nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten und der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im Januar 1933 nahm der Terror gegen Jüdinnen und Juden im „Scheunenviertel“ exponentiell zu.
Am 9. März 1933 marodierte die SA durch das Scheunenviertel, misshandelte mehrere osteuropäische Juden in den Kellern ihrer Stationen. Am 1. April des Jahres fand der sog. „Judenboykott“ statt, bei dem es zu Boykottaktionen vor Geschäften in jüdischem Besitz kam. Ebenfalls im April fand eine Razzia der Schutzpolizei und der nationalsozialistischen Hilfspolizei statt. Die ersten jüdischen Bewohner des Scheunenviertels kamen bereits im April 1933 in wilde Konzentrationslager .
Auch die Steinbergs waren ein Opfer dieser ersten Verfolgungswellen. Moses wurde von der SA schwer misshandelt, wahrscheinlich auch, weil er u.a. im Vorstand des Jüdischen Kulturbundes präsent war.
Kurze Zeit später, im Sommer 1933, verließ die Familie aus Furcht vor weiteren Misshandlungen durch die Nazis Berlin in Richtung des polnischen Łódź. Bernhards Austritt aus der Schule wurde am 04.09.1933 mit „nach unbekannt verzogen” auf seiner Schülerkarte vermerkt. Als letzte Berliner Adresse gab Bernhard Steinberg später die Rykestraße 20 an. Diese befand sich zwei Blocks von der damaligen Wohnung von Cyrlas Steinbergs Bruder Chaim Solny und seiner Familie in der Franseckystraße 46, heute Sredskistraße 39, und vor allem außerhalb des „Scheunenviertels“.
Die Rykestraße findet sich für die Steinbergs weder in einer der Ausgaben des Berliner Adressbuchs, noch in anderen zeitgenössischen Dokumenten. Wahrscheinlich fungierte diese Adresse als Zwischenstation auf der Flucht aus Deutschland. In dem Fall wäre Dragonerstraße 6a der letzte freiwillige Wohnort der Steinbergs in Berlin.
Auf dem Einlieferungsschein Selis im KZ Stutthof ist „Aleja 1 Maja 37“ als letzte Adresse angegeben. Dies ist eine Straße im Zentrum von Łódź im Stadtteil Stare Polesie außerhalb des späteren Ghettos. Es ist die Adresse, welche in den späteren Ghetto -Bewohnerlisten auftaucht. Ob es die einzige oder nur die letzte selbstbestimmte Adresse in Łódź nach der Flucht aus Deutschland war, ist unbekannt.
Nachdem Moses Steinberg bereits 1940 in Łódź eines natürlichen Todes gestorben war, wurden Mutter Cyrla, Bernhard und seine Schwester Seli am 1. April 1940 in Łódź verhaftet und in das dortige Ghetto gesperrt. Danach verliert sich ihre genaue Spur. Wahrscheinlich haben sie bis zur Verschleppung nach Auschwitz im August 1944 im Ghetto in Łódź gelebt.
In seinem Antrag auf Inhaftierungsbescheinigung beim International Tracing Service gibt Bernhard als Zeitraum seiner Deportation nach Auschwitz den August 1944 an. Dieser Monat fällt mit der Liquidation des Ghettos Łódź zusammen.
Bereits am 03.09.1944 wurden Bernhards Mutter Cyrla und seine Schwester Seli von Auschwitz in das KZ Stutthof verschleppt. Cyrlas (hier: Czirla) Häftlingsnummer lautete 82601, Selis (hier: Selly) 83600. Cyrla ist am 08.11.1944 in Stutthof ermordet worden. Für Seli Steinberg gibt es keine Aufzeichnungen mehr nach der Einlieferung. Auch sie wurde vermutlich in Stutthof ermordet.
Am 09.11.1944 tauchte Bernhard als Häftling B 9577 in Dokumenten des Auschwitzer Außenlagers Tschechowitz im Rahmen einer Reihenuntersuchung auf. Am 23.01.1945 wurde er ins KZ Buchenwald überstellt. Seine Häftlingsnummer lautete spätestens dort 119722. Die Politische Abteilung verzeichnete ihn am selben Tag als Neuzugang aus dem KZ Auschwitz . Am 26.01. 1945 wurde er vom Lagerarzt des KZ Buchenwald als „arbeits- und transportfähig“ eingestuft. Am 19.03.1945 ist er auf der Transportliste für das Außenkommando Magdeburg vermerkt. Bernhard hat den Holocaust überlebt.
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