Martha Fliess

Verlegeort
Mehringdamm 88
Historischer Name
Belle-Alliance-Straße 31
Bezirk/Ortsteil
Kreuzberg
Verlegedatum
14. April 2026
Geboren
27. Dezember 1922 in Berlin
Flucht
1939 Holland
Deportation
am 02. Oktober 1942 von Westerbork nach Auschwitz
Ermordet
Biografie

Martha Fliess kam am 27. Dezember 1922 in Berlin als Tochter des jüdischen Kaufmanns Martin Fliess und dessen Ehefrau Taube Edith, geb. Krohn, zur Welt. Die Familie lebte im Haus Belle-Alliance-Straße 31 (heute Mehringdamm 88), in dem auch Marthas Großmutter Elise Fliess und der ältere Bruder ihres Vaters, Eduard Fliess, wohnten. Das ursprüngliche Gebäude existiert nicht mehr, es wurde im Krieg zerstört.

Als Martha vier Jahre alt war, starb ihr Vater Martin Fliess am 16. September 1927 mit nur 41 Jahren. Ihre Mutter heiratete am 22. August 1929 ihren Schwager, den Kaufmann Eduard Fliess. Doch auch dieser verstarb bereits am 21. August 1931 in der Wohnung in der Belle-Alliance-Straße 31. Marthas Großmutter Elise Fliess war schon 1930 verstorben.

1933 zog Edith Fliess mit ihrer Tochter nach Tempelhof in den Badener Ring 40h, Mitte der 1930er Jahre in das Haus Hohenzollernkorso 68 (1936 umbenannt und umnummeriert in Manfred-von-Richthofen-Straße 13). Ende der 1930er Jahre lebten sie bei Ediths Schwester Johanna und deren Familie in der Flensburger Straße 20 in Tiergarten.

Über Marthas Kindheit und Jugend haben sich ansonsten keine Informationen erhalten: Es ist nicht bekannt, welche Schule sie besuchte und ob sie danach eine Ausbildung absolvierte.

Am 28. April 1939 heiratete Marthas Mutter in Berlin den jüdischen Vertreter Jacob Polak, der 1896 in Amsterdam geboren und dort wohnhaft war. Durch die Heirat mit einem niederländischen Staatsangehörigen war es für Edith und ihre Tochter möglich, nach Holland auszureisen. Ende Juli 1939 emigrierte die 16-jährige Martha Fliess mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater in die Niederlande.

Martha heiratete am 7. Januar 1942 in Amsterdam den Handelsvertreter Stephan Henry Frankfort, geb. 1915 in Amsterdam. Die Ehe hielt allerdings nur wenige Monate: Im Juni 1942 lebten sie wieder getrennt und Martha zog zurück zu Mutter und Stiefvater.

Martha Frankfort war seit dem 18. Juli 1942, ihre Mutter Edith Polak seit 19. August 1942 im „polizeilichen Judendurchgangslager Kamp Westerbork“ interniert. Von dort wurden sie am 2. Oktober 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Vermutlich wurde auch ihr Stiefvater mit diesem Transport verschleppt. Jacob Polak wurde im Zwangsarbeitslager Schoppinitz, in Kattowitz, zu Gleisbauarbeiten herangezogen und am 31. Oktober 1943 ermordet.

Marthas Tante Johanna, verwitwete Berger, wurde mit ihrem Sohn Heinrich (*1924) am 17. November 1941 von Berlin mit dem 6. Osttransport in das litauische Kowno (Kaunas), Fort IX deportiert, wo sie am 25. November 1941 erschossen wurden.