Werner Steinbrinck

Verlegeort
Onkel-Bräsig-Straße 111
Bezirk/Ortsteil
Neukölln
Verlegedatum
18. Juli 2025
Geboren
19. April 1917 in Neukölln
Beruf
Chemielaborant
Verhaftet
von 22. Mai 1942
Hingerichtet
18. August 1942 in Plötzensee
Biografie

Der aus einer Neuköllner Arbeiterfamilie stammende Werner Steinbrinck begegnete nicht nur in seinem Elternhaus, sondern auch während seiner Schullaufbahn sozialistischen Ideen. Im Anschluss an den Besuch der weltlichen Gemeinschaftsschule in der Rütli-Straße wurde er von 1931 bis 1933 Schüler an der Karl-Marx-Schule, wo er dem KJVD nahestehenden Sozialistischen Schülerbund angehörte.
Nachdem die Schule gleichgeschaltet und in ein Gymnasium umgewandelt wurde, verließ Steinbrinck die Lehranstalt und begann eine Lehre als Chemielaborant in einer jüdischen Firma, die ihn auch nach der Lehrzeit weiterbeschäftigte.
Politisch arbeitete er in einer illegalen KJVD-Gruppe des Unterbezirks Süd-Ost. Als Verantwortlicher für die Herausgabe der Unterbezirkszeitung „Junge Garde“ wurde Steinbrinck 1934 in die Leitung aufgenommen und lernte den Unterbezirksleiter Herbert Baum kennen, in dessen Wohnung die Leitungssitzung stattfanden. Die Gruppe erstellte und verteilte antifaschistisches Material und führte, getarnt als Wanderfahrten, umfangreiche Schulungen mit bis zu 40 Mitgliedern durch. Aufgrund dieser mangelhaften Konspiration wurden mehrere Leitungsmitglieder verhaftet. Zwar kam Steinbrinck aus Mangel an Beweisen wieder auf freien Fuß, doch andere, so seine damalige Freundin, wurden wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt.
Gemeinsam mit seiner neuen Freundin, der Röntgenassistentin Hilde Jadamowitz, die er noch aus Volksschulzeiten und aus der KJVD-Gruppe kannte, setzte er die illegale Arbeit fort. Über seinen Freund und Genossen Kurt Gossweiler wurde er Mitglied eines Britzer antifaschistischen Zirkels, in dem er u.a. mit den Kommunisten Werner und Elfriede Schaumann, Georg Vötter und Joachim Franke in Verbindung kam. Gleichzeitig unterhielt er weiterhin Kontakt zu Herbert Baum, der mittlerweile antifaschistische Jugendliche um sich geschart hatte, in der Mehrheit Jüdinnen und Juden. So gelangten die von der Britzer Gruppe erstellten Materialien „An die deutsche Ärzteschafft“, „Der Weg zum Sieg“ und „Der Ausweg“ auch an die „Baum-Gruppe“, die nach dem Überfall auf die Sowjetunion verfasst und in Umlauf gebracht worden waren.
Als die Nationalsozialisten im Frühjahr 1942 die Ausstellung „Das Sowjetparadies“ im Berliner Lustgarten eröffneten, in der ein Schreckensbild des bolschewistischen Untermenschen zwecks Mobilisierung des Wehrwillens in der deutschen Bevölkerung gezeichnet wurde, beschlossen einige Mitglieder der Britzer Gruppe und der Baum-Gruppe, ein antifaschistisches Zeichen zu setzen.
Treibende Kräfte waren Herbert Baum, Werner Steinbrinck und Joachim Franke, die einen Sprengstoffanschlag ins Auge gefasst hatten. Die in beiden Gruppen nicht unumstrittene Aktion fand am 18. Mai 1942 statt. Neben Werner Steinbrinck, seiner Freundin Hilde Jadamowitz und Joachim Franke sowie zwei weitere Mitglieder des Britzer Widerstandskreises beteiligten aus der Gruppe um Herbert Baum 6 Mitglieder an der Aktion.
Das Unternehmen erwies sich als Fehlschlag, da die Brandsätze nicht zündeten und es lediglich zu einer Verpuffung kam. Die Schau ging am nächsten Morgen weiter, die Nazis verhängten ein Veröffentlichungsverbot. Gleichzeitig nahm eine Sonderkommission der Gestapo die Arbeit auf und es erfolgten bereits vier Tage nach dem Anschlag die ersten Verhaftungen. Betroffen von diesen waren auch Werner Steinbrinck, seine Freundin Hilde Jadamowitz und Joachim Franke.
In den nächsten Tagen und Wochen wurden weitere Mitglieder der beiden Widerstandsgruppen sowie Antifaschistinnen und Antifaschisten, die mit Mitgliedern der beiden Gruppen Kontakt besaßen, verhaftet. In sechs Gerichtsverfahren wurden mehr als 20 Todesurteile sowie eine Vielzahl von Haftstrafen ausgesprochen. Werner Steinbrinck wurde ebenso wie seine Freundin Hilde Jadamowitz und sein Mitstreiter Joachim Franke in dem ersten Verfahren von einem Sondergericht am 16. Juni 1942 zum Tode verurteilt und am 18. August 1942 in Plötzensee hingerichtet.