Margarete Blau geb. Fuchs

Verlegeort
Rothariweg 16 B
Historischer Name
Albrechtstraße 83
Bezirk/Ortsteil
Tempelhof
Verlegedatum
18. Juli 2025
Geboren
22. August 1886 in Berlin
Flucht
1939 Frankreich, Kolumbien
Überlebt
Biografie

Margarete Fuchs wird am 22.08.1886 in der elterlichen Wohnung, Luisenufer 22 in Berlin geboren. Ihr Vater Jakob Fuchs, geboren 1850 ist Kaufmann und Fabrikbesitzer, seine Frau Luise Jablonski, geboren 1853, führt den Haushalt. Margarete ist das zweite Kind, sie hat einen fünf Jahre älteren Bruder Siegbert. Die Kinder wachsen behütet und als Teil einer engen Gemeinschaft in der Luisenstadt auf.  „Der Michaelkirchplatz war bis 1903 meine tägliche Erholung,“ schreibt Margarete über 90 Jahre später. 

Am 10.10.1907 heiratet Margarete in Charlottenburg den Galanteriewarenhändler Gustav Blau. Das Paar zieht in die Luckauer Straße 7, Cousins und Cousinen der großen Blau‘schen Sippe wohnen zwei Häuser weiter. Das Paar bekommt zwei Söhne: Günther wird 1908, Heinz 1910 geboren. 

Ab 1918 ist die Familie in Charlottenburg gemeldet, dort wohnt sie in der Berliner Straße 103, der Leder- und Galanteriewarenhandel Gustavs befindet sich weiterhin in der Luckauer Straße 7. 1932 ziehen die Blaus nach Tempelhof um in die Albrechtstraße 83, heute Rothariweg 16b, doch schon drei Jahre später stirbt der „allseits beliebte“ Gustav Blau am Herzschlag. Margarete Blau zieht noch im gleichen Jahr mit ihrem ältesten Sohn Günther in die Uhlandstraße 61, sie ist dort als kaufmännische Angestellte gemeldet. Es ist davon auszugehen, dass auch Heinz mit in der Wohnung wohnt. Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 beginnen auch Zwangsmaßnahmen gegen die Familie Blau. Darunter fallen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben.

Unter dem Druck der Nazis fliehen Margarete und Heinz Blau. Sie haben am 4. Juni 1938 ein Visum des kolumbianischen Konsulats in Berlin bekommen und reisen – wahrscheinlich 1939 – zunächst nach Frankreich, wo Heinz sich als Architekt verdient. Wie lange dieser Aufenthalt währt, ist ungewiss. Mit 53 Jahren beginnt Margarete Blau eine Odyssee, während derer sie in den kommenden Jahren neben Englisch auch Französisch und Spanisch lernen wird. 

1947 beantragt Margarete Blau, mittlerweile in Baranquilla, Kolumbien, wohnhaft, die Verlängerung ihres Notvisums und bemüht sich um die Einbürgerung. Als Hausfrau hält sie ihrem Sohn Heinz, jetzt Henry, den Rücken frei. Zwanzig Jahre bleiben sie in Kolumbien, dann folgt ein weiterer Umzug in ein anderes Land, dieses Mal nach New York. Es soll der letzte große Umzug sein. Margarete wohnt bis zu ihrem Tod bei ihrem Sohn Heinz, später mit seiner Ehefrau Brigitte. Heinz erzählt später stolz, dass seine Mutter ihren 92. Geburtstag „bei voller geistiger Frische“ erlebt. Und in der Tat schreibt sie der deutschen Familie noch kleine Erinnerungen vom Michaelkirchplatz und der „Luisenstadt“ auf und empfiehlt Theodor Fontane als Lektüre gegen Heimweh. Wenig später, am 29. Juli 1979, stirbt sie nach kurzer Krankheit. Sie wird 92 Jahre alt und ist in der Nähe von Heinz‘ Ferienhaus in Bearsville, NY, etwa 100km von NYC, beigesetzt.