Kurt Mosler wurde am 16. Oktober 1890 in Berlin geboren. Er stammte aus einer jüdischen Familie. Seine Eltern waren Max Mosler und Lydia Merseburger (*06.05.1858). Kurt hatte einen älteren Bruder, Hans, der am 23. April 1889 geboren wurde. Ein weiterer Bruder, Erich, starb als Säugling sechs Wochen nach der Geburt. Die Familie von Max Mosler wohnte Am Botanischen Garten 16 in Berlin-Lichterfelde.
Kurt absolvierte eine kaufmännische Lehre bei der Dresdner Bank und lebte vor dem Ersten Weltkrieg einige Zeit in England. Im Ersten Weltkrieg diente er bei der Deutschen Marine. Danach war Kurt Mosler offenbar bei verschiedenen Banken und Kreditinstituten erfolgreich beschäftigt.
Er heiratete Frida (Frieda) Goldstein, die am 15. September 1891 in Berlin geboren wurde und ebenfalls aus einer jüdischen Familie stammte. Das Paar bekam zwei Kinder: Die Tochter Traud wurde am 8. September 1919 und der Sohn Werner am 23. November 1922 in Berlin geboren. Von 1919 bis 1924 lebte die Familie Mosler in Lichterfelde, in der Lorzingstraße 4.
Kurt Mosler machte eine erfolgreiche Karriere im Bank- und Versicherungsgeschäft. Im Jahr 1923 erwarb er ein Grundstück in der Rothenburgstraße 24 nahe dem Rathaus Steglitz, am Fuß des Fichtenberges, zwischen der Evangelischen Matthäuskirche und dem Botanischen Garten. Das Grundstück erstreckte sich von der Rothenburgstraße bis zur Waetzoldstraße. Er ließ ein villenähnliches Doppelhaus bauen. 1925 zog die Familie gemeinsam mit Kurts Mutter Lydia in die rechte, zur Waetzoldstr. gelegene Haushälfte ein. Kurts Vater, Max Mosler, war am 23. Dezember 1924 verstorben, woraufhin Kurts Mutter Lydia die Wohnung Am Botanischen Garten aufgab.
Laut Eintrag im Berliner Handelsregister gründete Kurt 1929 in der Königstraße 25/26 ein eigenes Bankhaus und Versicherungsunternehmen, das jedoch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten bereits zum 1. Januar 1934 liquidiert wurde. Sein Eintrag im Berliner Adressbuch von 1930 lautete „Bankkommissionsgeschäfte“, interessanterweise mit der Adressangabe Klosterstr. 29.
Ab 1933 wurde die berufliche Existenz für Kurt Mosler immer schwieriger. Er betätigte sich als freier Makler und wurde Gesellschafter bei Max Scheftel, der eine Gürtelfabrik in der Alexanderstraße 39 betrieb. 1935 schied er aus dieser Position bei Max Scheftel bereits wieder aus. Scheftel führte daraufhin das Unternehmen bis 1938 allein weiter, nunmehr mit Sitz in der Leipziger Straße 94.
1935 versuchte Kurt Mosler nach Holland zu emigrieren und dort eine neue Existenz aufzubauen, jedoch ohne Erfolg. Er kehrte im Sommer 1936 nach Deutschland zurück. Im selben Jahr nahm er eine Hypothek auf das Grundstück in der Rothenburgstraße 24 auf. Der Kredit wurde einerseits für den Umbau des Hauses verwendet, um weitere Vermietungsmöglichkeiten – und damit neue Einnahmequellen – zu schaffen. Andererseits nutzte Kurt das Geld als Startkapital für die Gründung einer Druckerei, die zwischen 1937 und 1938 als „Norm-Kleindruck-Vertrieb“ in der Wilhelmstraße 33 im Berliner Adressbuch eingetragen war. Laut den Angaben seiner Tochter Traud in den von ihr gestellten Entschädigungsanträgen verfolgte Kurt zu dieser Zeit den Plan, nach England zu emigrieren. 1938 wurde er jedoch unter Androhung von KZ-Haft gezwungen, den Druckereibetrieb zu verkaufen und bis Ende des Jahres zu übergeben. Kurt Mosler erhielt nie die Auslösesumme für den Betrieb.
1938 wurden auf das Grundstück in der Rothenburgstraße zwei zusätzliche Hypotheken eingetragen. Diese dienten gegenüber dem Deutschen Reich als Sicherheiten für die „Reichsfluchtsteuer“, die für Kurt Moslers Mutter Lydia sowie für die verwitwete Gertrud Goldstein zu entrichten war. Gertrud war mit Emil Goldstein verheiratet gewesen, dem Bruder von Fridas Vater Siegfried, und somit eine Tante von Frida Mosler. Emil und Gertrud Goldstein hatten seit 1926 nachweislich unter der Adresse „Im Dohl 47“ in Berlin-Dahlem gelebt. Jedoch starb Emil Goldstein kurz darauf. Ab 1930 war die Witwe als alleinige Eigentümerin im Berliner Adressbuch eingetragen. 1935 wurde die Immobilie „Im Dohl 47“ an eine neue Eigentümerin übertragen, und Gertrud Goldstein zog in die Starstraße 2b in Dahlem. 1939 wurde sie bei der Volkszählung in der Rothenburgstraße 24 bei Kurt Mosler erfasst.
1939 musste sich Kurt Mosler zwangsläufig von Haus und Grundstück in der Rothenburgstraße trennen. Der Wert des Hauses wurde unter Einschaltung eines Maklers und Gutachters, der angebliche umfangreiche Bauschäden feststellte, wahrscheinlich weit unter dem tatsächlichen Wert „geschätzt“. Das Anwesen wurde im April 1939 an Max Notz (Import und Großhandel mit Butter, Käse, Milchkonserven) und den Bäckermeister Georg Oberbach verkauft.
Zum 1. Oktober 1939 mussten Kurt und Frida Mosler ihr früheres Heim endgültig räumen. Kurt und Frida zogen mit Kurts Mutter Lydia in eine Dreizimmerwohnung in der Prinzregentenstraße 4 in Wilmersdorf. Wertvoller Hausrat – Möbel, Teppiche, Bilder, Geschirr – wurde bei der Firma Kopania in der Bergstraße 91 in Steglitz eingelagert.
Eventuell zog auch Gertrud Goldstein mit Frida, Kurt und Lydia Mosler in die Wohnung in der Prinzregentenstraße 4 ein. Ihre letzte bekannte Adresse war jedoch die Güntzelstraße 17 in Wilmersdorf. Am 29. September 1942 beging Gertrud Goldstein Suizid.
Die Kinder von Kurt und Frida Mosler konnten im Jahr 1939 nach England fliehen: Tochter Traud im März 1939 und Sohn Werner Ende Juli 1939. Beide fanden in England eine neue Heimat.
Kurt und Frida Mosler blieben in Berlin – sie konnten weder eine Bürgschaft noch 100 US-Dollar vorweisen, um ein Visum zur Ausreise aus Deutschland zu erhalten. Vielleicht wollten sie auch ihre betagten Mütter Lydia und Rosalia, die beide inzwischen über 80 Jahre alt waren, nicht allein in Deutschland zurücklassen. Fridas Mutter Rosalia starb am 20. Dezember 1940, Kurts Mutter Lydia am 29. Juli 1941.
Am 2. März 1943 wurde Kurt Mosler mit dem „32. Osttransport“ mit etwa 1750 weiteren Menschen nach Auschwitz deportiert und ermordet. Seine Frau Frida wurde am 4. März 1943 mit dem 34. Osttransport mit über 1100 weiteren Jüdinnen und Juden aus Berlin nach Auschwitz deportiert und ebenfalls ermordet. Das Krematorium II in Auschwitz-Birkenau war am 5. März 1943 „probehalber angefeuert“ worden.
Über Kurt Moslers Bruder Hans wissen wir wenig. Wir vermuten nach den Angaben im Berliner Adressbuch, wonach er 1929 laut Jüdischem und laut Berliner Adressbuch mindestens bis 1933 in Lichterfelde „Unter den Eichen 127“ lebte, dass er Diplom-Ingenieur war. 1935 war er im Berliner Adressbuch in Friedenau in der Sponholzstr. 30 und 1938 in Schöneberg, Innsbrucker Platz 1, eingetragen. Laut Volkszählungsdaten emigrierte er in die USA. Angeblich starb er jedoch im August 1939 in Melbourne, Australien.
Die Kinder von Kurt und Frida Mosler, Traud und Werner, stellten mehrere Entschädigungs- und Wiedergutmachungsanträge bei den westdeutschen Behörden. Darin ging es um Entschädigungen für verlorene Haushaltsgegenstände, entgangene Bildungschancen sowie um die Rückerstattung des Grundstücks in der Rothenburgstraße und den nicht gezahlten Kaufpreis für die Druckerei ihres Vaters. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen erhielten sie Entschädigungsbeträge, die im Vergleich zu den verlorenen Vermögenswerten gering waren. Die Rückerstattung des Grundstücks in der Rothenburgstraße endete lediglich mit einem Vergleich.
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