Selma Holdstein geb. Rosenfeld

Verlegeort
Schreinerstraße 21
Bezirk/Ortsteil
Friedrichshain
Verlegedatum
03. April 2025
Geboren
28. Februar 1914 in Berlin
Deportation
am 02. März 1943 nach Auschwitz
Ermordet
Biografie

Selma Cäcilie Rosenfeld kam am 28. Februar 1914 in Berlin als Tochter des jüdischen Kaufmanns Isaak Rosenfeld und dessen Ehefrau Chaje Riwe „Regina“, geb. Kaufmann, zur Welt. Ihre Eltern stammten aus Przemyśl in Galizien, das damals Teil des Habsburgerreichs war und heute im äußersten Südosten Polens, an der Grenze zur Ukraine, liegt. Selmas ältere Schwester Ida war am 12. September 1912 noch in Przemyśl geboren.

Isaak Rosenfeld betrieb in der Palisadenstraße 57 im Bezirk Friedrichshain eine Eierhandlung. Selmas Vater fiel im Ersten Weltkrieg.

Über das Leben der Familie Rosenfeld im Berlin der 1920er Jahre haben sich keine Informationen erhalten. In den Berliner Adressbüchern dieser Zeit ist die Familie nicht verzeichnet – wahrscheinlich lebte Regina mit ihren Töchtern bei Verwandten. Seit ca. 1930 wohnten sie in der Simplonstraße 32, etwa 1934 zogen sie in eine Drei-Zimmer-Wohnung im ersten Stock des Vorderhauses der Dirschauer Straße 13.

Selmas Schwester Ida heiratete am 2. Oktober 1936 Alfred Holdstein (*1911), der nach der Hochzeit zur Familie seiner Frau in die Dirschauer Straße 13 zog. Vermutlich lernte Selma dadurch Alfreds jüngeren Bruder Reinhard, geb. am 7. März 1915 in Graudenz (Westpreußen), kennen und lieben. Sie heirateten am 19. Mai 1938. Zum Zeitpunkt der Hochzeit war Selma als Verkäuferin im Damenkonfektionsgeschäft von Heinrich Perl in der Invalidenstraße 132 angestellt. Ihr Ehemann war als Verkäufer im Gardinen- und Teppichgeschäft Paul Adam in der Frankfurter Allee 56 tätig.

Selma wohnte fortan bei Reinhard und seinen Eltern David und Helene Holdstein in der Schreinerstraße 21. Zu einem unbekannten Zeitpunkt mussten sie in die Landsberger Straße 119 verziehen.

Das Geschäft Paul Adam musste Ende 1938 geschlossen werden und Reinhard Holdstein verlor seine Stellung. Er wurde kurz darauf von der „Zentraldienststelle für Juden beim Berliner Arbeitsamt“ aufgefordert, Zwangsarbeit zu leisten. Seit Ende 1939 war er etwa für ein Jahr bei der Tiefbau-Firma Otto Trebitz zur Zwangsarbeit verpflichtet, später wurde er bei der Reichsbahn bei Gleisarbeiten eingesetzt. Sicherlich musste auch Selma Holdstein Zwangsarbeit leisten.

Selmas Mutter Regina Rosenfeld, ihre Schwester Ida und Alfred Holdstein wurden am 18. Oktober 1941 mit dem 1. Osttransport in das Ghetto Lodz deportiert. Regina Rosenfeld kam dort am 13. Mai 1942 ums Leben. Nur zwei Wochen später, am 27. Mai, starb auch Ida im Alter von nur 29 Jahren. Alfred Holdstein wurde im Zuge der Liquidierung des Lodzer Ghettos am 6. Juli 1944 in das Vernichtungslager Kulmhof deportiert und ermordet.

Die Familie Holdstein wurde am 27. Februar 1943 Opfer der „Fabrikaktion“, bei der die bis dahin von der Deportation verschonten letzten Berliner Juden, die in kriegswichtigen Betrieben zwangsbeschäftigt waren, verhaftet und deportiert wurden.

Selma Holdstein und ihre Schwiegereltern David und Helene Holdstein wurden mit dem 32. Osttransport am 2. März 1943 nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Ihr Ehemann Reinhard Holdstein wurde mit dem 34. Osttransport am 4. März 1943 nach Auschwitz deportiert und zur Zwangsarbeit selektiert. Er überlebte mehrere Konzentrationslager und wanderte 1949 in die USA aus.