Charlotte Przybilla, geb. Neumann wurde am 11. Dezember 1895 in Marianowo im Kreis Birnbaum in der preußischen Provinz Posen (heute Polen) geboren. Ihre Eltern waren der Arbeiter Hermann Neumann und dessen Ehefrau Agnes Nowak, verh. Neumann.
Charlotte erlernte den Beruf der Schneiderin und zog nach Berlin, wo sie ihren späteren Ehemann kennenlernte – Johann Przybilla, einen selbstständigen Kohlehändler, der vier Jahre im Ersten Weltkrieg gedient hatte. Sie heirateten am 14. Juni 1919 in Berlin und wohnten in der Wielandstraße 20 in Mahlsdorf, dem Elternhaus Johanns.
Durch ihren Mann kam Charlotte Anfang der 1920er-Jahre in Kontakt mit der Arbeiterbewegung und trat schließlich 1924/1925 der KPD bei. Sie absolvierte in den folgenden Jahren sowohl den Referentenkurs als auch den Samariterkurs des ASV „Fichte“ (Arbeitersportverein), dem sie, wie ihr Mann, ebenfalls beitrat. Darüber hinaus war sie Mitglied der Roten Hilfe, seit 1932 Frauenleiterin in der KPD und in der Funktion als Kassiererin im Samariterbund.
Nach der Machtübernahme durch die NSDAP 1933 arbeitete Charlotte illegal weiter und beteiligte sich mit ihrem Mann im antifaschistischen Widerstand. Nach der ersten Verhaftung ihres Mannes im September 1933 und seiner Entlassung 17 Monate später sah sich das Ehepaar zunehmenden Schikanen ausgesetzt. 1939 wurde Charlotte durch den Verrat eines ehemaligen KPD-Mitglieds von der Gestapo vorgeladen, nachdem sie sich negativ über den Krieg geäußert hatte.
Ihre illegale Arbeit in Form von Hilfe bei der Unterbringung flüchtiger Genossen aus Russland führte schließlich 1943 dazu, dass sie zusammen mit ihrem Mann und anderen Genossen wegen Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt wurde. Einige Wochen vor Prozessbeginn erlitt Charlotte einen Schlaganfall und wurde zunächst aus dem Prozessgeschehen herausgenommen. Zu einem zweiten Prozess kam es nicht, da sie nach Hannover ausweichen konnte und so ihre Vorladung nicht erhielt. Der dritte Prozessanlauf wurde schließlich durch die vorrückenden Amerikaner verhindert, in deren Gebiet sie sich aufhielt.
Nach Kriegsende, am 30. Oktober 1945, wurde sie offiziell zunächst als Hinterbliebene und zwei Jahre später, am 13. Oktober 1947, als Opfer des Faschismus (OdF) Gruppe I anerkannt.
Charlotte Przybilla verstarb am 17. Februar 1953 im Krankenhaus am Grabensprung in Biesdorf.
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