- Location
- Jessnerstraße 10
- Historical name
- Kronprinzenstraße 4
- District
- Friedrichshain
- Stone was laid
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16 October 2024
- Born
- 09 February 1890 in Wronke (Posen) / Wronki
- Deportation
- on 19 January 1942 to Riga
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Murdered
Siegfried Nossen kam am 9. Februar 1890 in Wronke in der preußischen Provinz Posen als Sohn des jüdischen Handelsmanns Nossen Nossen und dessen Ehefrau Dobrisch, geb. Lewin, zur Welt. Die kleine Stadt Wronke (polnisch Wronki) liegt 55 km nordwestlich von Posen am Fluss Warthe. Siegfried hatte mindestens noch eine Schwester: Marie (*1888). Über seine Kindheit und Jugend haben sich keine Informationen erhalten. Er übersiedelte zu einem unbekannten Zeitpunkt in die Hauptstadt des Deutschen Reiches.
In Berlin heiratete der Zigarrenmacher Siegfried Nossen am 3. September 1918 Berta Geismar, geb. Feige, geb. am 16. Mai 1889 in Hildesheim. Auch sie gehörte der jüdischen Religionsgemeinschaft an. Bertas erster Ehemann war 1916 im Ersten Weltkrieg gefallen.
Das junge Ehepaar wohnte zunächst in der Taborstraße 8 in Kreuzberg, 1925 zogen sie in eine 2-Zimmer-Wohnung in der Kronprinzenstraße 4 in Friedrichshain (heute Jessnerstraße 10).
Am 5. Mai 1919 brachte Siegfrieds Ehefrau die Zwillinge Norbert und Horst zur Welt. Da die Kinder offenbar Frühgeburten waren, verbrachten sie ihre ersten Lebensmonate im Krankenhaus. Norbert Nossen verstarb am 23. Juli 1919 im Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhaus im Wedding. Horst wurde erst mit sieben Monaten nach Hause entlassen. Er sollte in seiner geistigen Entwicklung zurückbleiben und besuchte die Hilfsschule. Danach absolvierte er 4 ½ Jahre eine Lehre als Bootsbauer und arbeitete anschließend als Tischler in Möbelfabriken. Da Siegfried Nossen schwer herzleidend und seine Ehefrau zuckerkrank war, trug Horst mit seinem Verdienst wesentlich zum Unterhalt der Familie bei.
Im Frühjahr 1939 lernte Horst Nossen in einem Lokal die Hausangestellte Luise Gralow kennen und ging mit ihr eine Beziehung ein, die nach den damaligen Gesetzen verboten war – die 1919 geborene Luise Gralow war „Arierin“.
Durch das am 15. September 1935 erlassene Gesetz zum „Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ wurde die Eheschließung und der außereheliche Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Nichtjuden verboten. Verstöße gegen das Gesetz wurden als „Rassenschande“ bezeichnet und mit Gefängnis oder Zuchthaus bedroht.
Als die Mutter von Luise Gralow erfuhr, dass Horst Nossen Jude war, stellte sie am 15. April 1940 Strafanzeige. Zu diesem Zeitpunkt war ihre Tochter im 3. Monat schwanger.
Horst kam am 18. April in Untersuchungshaft, am 23. August 1940 wurde er vom Landgericht Berlin wegen „Rassenschande“ zu einer Zuchthausstrafe von 1 1/2 Jahren unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt.
Von Berlin wurde er am 16. September 1940 zunächst in das Zuchthaus Luckau, am 23. September in das Zuchthaus Brandenburg-Görden überführt. Ende Mai 1941 wurde Horst Nossen in das Strafgefängnis Lingen überstellt, von wo er in das an der niederländischen Grenze gelegene Strafgefangenen-Lager V Neusustrum verschleppt wurde. Es gehörte zu den berüchtigten „Emslandlagern“. Die Gefangenen mussten hier unter schlechtesten Bedingungen Arbeiten im Moor verrichten. Dazu zählten die Entwässerung des Moors, das Stechen von Torf sowie das Anlegen von Straßen.
Siegfried Nossen musste inzwischen Zwangsarbeit bei der Lackfabrik Duco AG in Berlin-Spindlersfeld verrichten. Er und seine Ehefrau bemühten sich um eine Auswanderung ihres Sohnes nach der Verbüßung seiner Strafe: Sie hatten für ihn im Oktober 1941 eine Schiffspassage in die Dominikanische Republik ergattert. Doch ihnen war anscheinend nicht bewusst, dass er unter die im Juni 1940 erlassene „Kriegstäter-Verordnung“ fiel: Danach sollten Vollzugszeiten, die in die Zeit des Krieges fallen, in die Strafzeit nicht einberechnet werden – diese hätte erst nach Kriegsende begonnen.
Die unmenschlichen Lebensbedingungen in Neusustrum forderten zahlreiche Todesopfer, unter ihnen auch Horst Nossen: Laut einer Nachricht an das Landgericht Berlin verstarb er am 25. November 1942 im Krankenrevier an Durchfall.
Siegfried und Berta Nossen waren bereits am 19. Januar 1942 vom Bahnhof Grunewald mit dem 9. Osttransport in das Ghetto Riga deportiert worden. Hier verliert sich ihre Spur. Sie wurden zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet.
Siegfrieds Schwester Marie hatte 1923 den Nichtjuden Franz Klein geheiratet und war durch diese „Mischehe“ vor der Deportation geschützt.
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