Fritz Schönthal wurde 1893 in Wien in eine jüdische Familie geboren. Nachdem er als junger Mann am ersten Weltkrieg teilgenommen und dann einige Jahre als Kriegsgefangener in Sibirien verbracht hatte, sah er keine Möglichkeit mehr, seine vorher angestrebte Karriere als Sänger zu realisieren. In Wien heiratete er die ebenfalls musikbegeisterte Ida Spitz, mit der er dann nach Hamburg ging. Dort absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung an der Handelsschule. Seine Tochter Ruth kam 1924 in Hamburg auf die Welt und sollte später mithilfe der frühen Förderung durch ihre Eltern eine international anerkannte Komponistin in den U.S.A. werden.
Um das Jahr 1925 zog Fritz Schönthal mit seiner Familie weiter nach Berlin. Dort baute er einen erfolgreichen Löt- und Schweißbetrieb auf. 1926 wurde sein Sohn Peter geboren. Im Jüdischen Adressbuch 1931/32 ist Fritz Schönthal in der Krausenstraße 2 gemeldet. Offenbar ging es der Familie wirtschaftlich so gut, dass sie dann in eine repräsentative Wohnung im Vorderhaus der Oranienburger Straße 37 in Berlin-Mitte umzog.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich das Leben der Schönthals drastisch. Fritz Schönthals Tochter erinnerte sich später an den Terror vorbeiziehender Nazi-Schlägertruppen in der Oranienburger Straße, die die Familie immer stärker ängstigten. Wie alle jüdischen Kaufmänner wird auch Fritz Schönthal die wirtschaftlichen Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus zu spüren bekommen haben. Früh muss ihm und seiner Frau Ida klar gewesen sein, dass ein Leben in Deutschland keine Zukunft mehr hat.
Der letzte Berliner Wohnort der Familie in der Wielandstr. 18 in Berlin-Charlottenburg steht in Zusammenhang damit, dass Fritz Schönthal seine Geschäfte nach 1933 immer weiter einschränken musste und offenbar die Flucht vorbereitete. Es liegt kein genaues Umzugsjahr vor, auch bleibt unbekannt, ob es ein Zufall war, dass die Schönthals ausgerechnet in dieses Haus zogen, in dem es nicht feindlich zuging:
Am Haus in der Wielandstr. 18 erinnert eine Berliner Gedenktafel an den Hausmeister Otto Jogmin (1894-1989), der jüdischen Bewohnern und Bewohnerinnen couragiert half, indem er ihre Religionszugehörigkeit aus den Hausbüchern strich und einen Kellerdurchbruch für die spontane Flucht bei Durchsuchungen machte. Später wurde er als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt. Da die Wohnung der Schönthals noch nach ihrer Flucht bis 1939 unter ihrem Namen geführt wurde, besteht die Möglichkeit, dass der Hausmeister – wie in anderen, nachgewiesenen Fällen – weiteren Verfolgten einen temporären Schutz in der Wohnung vermitteln konnte.
Im Juni 1938 tarnten die Schönthals ihre Flucht aus Deutschland als Urlaubsreise. Die Familie zog zunächst zu Fritz‘ Bruder nach Stockholm und dann in eine eigene Wohnung im Großraum der Stadt. Ruth Schönthal berichtete in Interviews, dass ihr Vater angesichts der Nähe des nationalsozialistischen Deutschlands vergeblich versuchte, Visa für die U.S.A. zu erlangen. Letztlich erhielt er Ende März 1941 Visa für Mexiko.
Eine abenteuerliche und anstrengende, mehrmonatige Reise führte die Familie zunächst mit dem Flugzeug nach Moskau, dann mit der transsibirischen Eisenbahn nach Wladiwostok und darauf mit dem Schiff nach Yokohama. Nach mehrwöchiger Wartezeit in Japan ging die Reise von Tokio nach Mexiko. In Mexiko-Stadt baute Fritz Schönthal mit seiner Frau Ida eine Manufaktur für mexikanisches Kunstgewerbe auf, an die ein Geschäft angegliedert war. Er musste erleben, wie sein Sohn Peter zunehmend an den erlittenen Traumata der Entwurzelung und Flucht litt, psychisch schwer erkrankte und 1942 starb. Seine Tochter Ruth hingegen setzte das musikalische Erbe ihrer Eltern fort und konnte ihre Ausbildung zu einer Konzertpianistin und Komponistin fortsetzen.
Fritz Schönthal starb 1953 in Mexiko-Stadt.
All texts and images on this website are protected by copyright and may not be used without the permission of the copyright holder.