Max Moses Hirschfeld wurde am 18. September 1875 in Berlin geboren. Sein Vater war der Kaufmann Simon Hirschfeld (1833- 1901), seine Mutter war Doris Hirschfeld, geb. Friedeberg (1847- 1917). Max hatte die ältere Schwester Frieda, die 1899 im Alter von 27 Jahren verstarb und den älteren Bruder Ludwig Hirschfeld, der später Regierungsbaumeister wurde und rechtzeitig nach Brasilien flüchten konnte.
Die Familie Hirschberg lebte in der Steinmetzstraße in Schöneberg, wo der Vater eine Vertretung ausw. Hut- und Gummifabrikation führte. (siehe Berliner Adressbuch 1900).
Max Hirschfeld studierte in Berlin Medizin, promovierte „Über das Scharlach diphtheroid und dessen Behandlung“, erhielt 1897 seine Approbation und wurde für viele Jahre ein beliebter praktischer Arzt, erst in der Steinmetzstraße und dann in der Bülowstraße.
Max heiratete Margarete Betty Friedeberg, die am 18. April 1878 geboren war, am 30. April 1906 in Stettin, im damaligen Preußen. Das erste Kind, ein Sohn, verstarb im Alter von 7 Jahren. Ihre einzige Tochter Renate, lateinisch: die Wiedergeborene, wurde am 9. November 1919 im Haus Bülowstr.17 geboren. Sie flüchtete im Alter von 19 Jahren im Oktober 1938 nach Argentinien.
In den späteren Entschädigungsakten finden sich Aussagen einer ehemaligen Patientin, die die Arztfamilie schon ab 1915 kannte und im Lauf der Jahre mit Ihnen befreundet war. Sie beschrieb Max Hirschfeld als hochgeschätzten Arzt, der seine Tätigkeit aus innerster Berufung verrichtete, und der im 1. Weltkrieg als Militärarzt ausgezeichnet worden war. Dr. Hirschfeld sei auch als Wohlfahrtsarzt tätig gewesen.
Eine weitere eidesstattliche Erklärung des Hausmeisterehepaars aus der Bülowstr.17 zeigt auf, dass das Ehepaar Hirschfeld 1911 ins Haus eingezogen sei, dort eine 6-Zimmer-Wohnung in der 2. Etage bezog, wovon 2 Zimmer für die Arztpraxis genutzt worden seien. Dr. Hirschfeld habe sowohl Kassen - als auch Privatpatienten behandelt und er habe auch als Betriebsarzt für die damalige große Konditorei Telschow in der Nachbarschaft fungiert. Er sei auch öfter nachts konsultiert worden.
Die Privaträume der Hirschfelds seien sehr gepflegt gewesen, gut bürgerlich eingerichtet mit Teppichen, wertvollen Bildern und Kunstgegenständen und ausgestattet mit einer umfangreichen Fachbibliothek.
Dem Buch „Freiheit und Bindung“ von Simone Ladwig-Winters ist zu entnehmen, dass Dr. Max Hirschfeld und Margarete Hirschfeld ab 1929 Mitglieder in der Jüdischen Reformgemeinde wurden, einer Gemeinde, die ein modernisiertes Judentum wünschte, also weg von überlieferten orthodoxen Glaubensgesetzen wie den strengen Speisevorschriften, der Trennung von Frauen und Männern in den Gottesdiensten, dem Verbot von Orgelmusik und Chorgesang in den Synagogen. Die Jüdische Reformgemeinde forderte die vollständige Gleichstellung für jüdische Bürger innerhalb der deutschen Gesellschaft.
Es ist nicht schwierig, sich vorzustellen, wie sich das Leben der jüdischen Bevölkerung langsam nach und nach durch die zahlreichen antijüdischen Gesetze verschlechterte und verdunkelte.
Im Haus Bülowstr.17 gab es ab 1886 eine Apotheke, die durch ausdrückliche Genehmigung von Kaiser Wilhelm I. den Namen Königin-Luise- Apotheke führen durfte. Diese Apotheke samt Haus und Grundstück übernahm am 30. September 1930 Kurt Altmann zum Preis von 312.000 RM. Im Jahr 1936 musste Kurt Altmann aufgrund der „Verordnung über die Verpachtung und Verwaltung öffentlicher Apotheken“ die Apotheke verpachten. Er flüchtete mit seiner Familie nach Palästina und gründete auch dort eine Apotheke mit dem Namen Altman´s Pharmacy. Nach dem Krieg kam er zurück nach Berlin, bekam auch seine Apotheke zurück und führte sie eine Weile.
Mit Sicherheit haben sich die Familien Hirschfeld und Altmann gut gekannt.
Die Tochter Renate flüchtete Ende Oktober 1938 nach Argentinien.
Wie allen jüdischen Ärzten wurde auch Dr. Hirschfeld am 9. Dezember 1938 die Approbation entzogen. Er durfte dann nur noch als sogenannter Krankenbehandler arbeiten, was bedeutete, dass er nur noch jüdische PatientInnen behandeln durfte. Dies hatte neben der sozialen Ächtung auch finanzielle Einbußen zur Folge.
Der Information aus mappingthelives.de ist zu entnehmen, dass zum Zeitpunkt der Volkszählung am 17. Mai 1939 Minna David, geb. Rose (1868) und ihre Tochter Hertha David (1898) bei den Hirschfelds zur Untermiete wohnten. Das Kinderzimmer von Renate musste also als Zwangsraum vermietet werden. Minna David wurde am 13.August 1942 nach Theresienstadt deportiert, Hertha David wurde am 1. März 1943 nach Auschwitz deportiert.
Ab dem 1. September 1941 mussten Max und Margarete Hirschfeld, wie alle Juden, sichtbar den sogenannten Judenstern tragen. Laut weiterer Aussage des früheren Hausmeisterehepaars wurde das Ehepaar Hirschfeld am 24. Juni 1942 durch Beamte der geheimen Staatspolizei aus ihrer Wohnung abgeholt. Es konnten leider die Namen Max Moses und Margarete Betty Hirschfeld auf keiner Deportationsliste gefunden werden. Somit wissen wir auch nichts Genaues zu ihrem weiteren Schicksal.
Es existieren leider auch keine „Vermögenserklärungen“ , die eigentlich alle Juden vor ihrer Deportation ausfüllen mussten.
Im Entschädigungsverfahren von 1952, welches die Tochter Renate aus Argentinien bestritt, bescheinigt die Jüdische Gemeinde zu Berlin dass das Ehepaar Hirschfeld am 24. Juni 1942 von der Gestapo abgeholt worden und in die Große Hamburger Straße gebracht worden sei. Von dort seien sie zu einem nicht bekannten Zeitpunkt nach Polen deportiert worden. Man habe seit Anfang Oktober 1942 nichts mehr von ihnen gehört.
In der Familie gibt es die Information, es habe eine Karte der Eheleute Hirschfeld aus dem KZ Mackeim, nördlich von Lodz gelegen, gegeben. Diese Karte konnten wir leider nicht finden.
Somit konnten wir weder den Ort des Todes, noch das genaue Todesdatum herausfinden und auch nicht, wie das Ehepaar gestorben ist. Aus diesem Grund steht auf den Steinen: Schicksal unbekannt.
Dr. Max Moses Hirschfeld war 67 Jahre alt, als er aus seiner Wohnung verschleppt wurde.
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