Harri Samuel Bober wurde am 29. Juni 1922 als Sohn des Elektrotechnikers Alfred Bober und dessen Ehefrau Klara in Berlin geboren.
Alfred ist von 1922 bis 1938 in den Berliner Adressbüchern unter der Anschrift Treskowstr. 55 (heute Knaackstr. 86) genannt. Sein Beruf ist mit Monteur angegeben.
Ab der Ausgabe 1939 sowie in den Unterlagen der Volkszählung vom Mai 1939 wohnte Harri mit seinen Eltern in Prenzlauer Berg, Choriner Straße 26, Aufg. II in der IV. Etage.
Über Harris Schulzeit wissen wir nichts. Er muss um Ostern 1929 eingeschult worden sein und hat vermutlich Ostern 1937 die Volksschule mit der 8. Klasse abgeschlossen. Ob er nach Abschluss der Schule eine Ausbildung aufnahm, ist ebenfalls nicht bekannt. Als jüdischer Jugendlicher war er zur NS-Zeit zunehmend immer zahlreicheren gesellschaftlichen wie rechtlichen Repressionen unterworfen und ihm letztlich die bürgerlichen Rechte aberkannt. Vermutlich war er in den Jahren ab 1939 – wie die meisten arbeitsfähigen Jüdinnen und Juden – zur Zwangsarbeit verpflichtet.
Am 12. März 1943 wurde die gesamte Familie Bober mit dem „36. Osttransport“ von Berlin nach Auschwitz deportiert. Es waren neben Harri seine Eltern, seine Schwester Betti mit ihrem Ehemann Heinz Hirsch sowie deren Tochter, Harris sechs Monate alte Nichte, Jona.
Am 13. März 1943 kamen mit diesem Transport 964 jüdische Männer, Frauen und Kinder im Konzentrations- und Vernichtungslager an. An der Rampe wurden 218 Männer und 147 Frauen als Arbeitssklaven ins Lager geschickt. Unter ihnen waren Harri Samuel Bober, dem die SS die Nummer 107881 auf den linken Unterarm tätowieren ließ, sein Vater und sein Schwager.
Die übrigen 599 Personen wurden sofort in die Gaskammer getrieben und umgebracht. Unter den Ermordeten befanden sich Harris Mutter, seine Schwester und die Nichte Jona. Sein Vater und der Schwager überlebten die Zwangsarbeit in Auschwitz nur wenige Wochen: bereits am 1. April beziehungsweise am 6. Juni 1943 wurde ihr Tod in der Verwaltung des Konzentrationslagers dokumentiert.
Harri Bober musste im Lager Auschwitz III Monowitz Zwangsarbeit beim Aufbau der IG-Farben-Fabrik dort leisten. Er wurde am 14. April 1943 wegen allgemeiner Schwäche vom Häftlingskrankenbau Buna ins Stammlager Auschwitz überwiesen. Nach einer Selektion durch die SS-Anthropologen Bruno Berger und Hans Fleischhacker im Juni 1943 wurde der 21-Jährige am 30. Juli 1943 mit weiteren 85 Jüdinnen und Juden ins KZ Natzweiler-Struthof gebracht und dort am 18. August 1943 in der Gaskammer ermordet.
Am Anatomischen Institut der Reichsuniversität Straßburg sollten die 86 Leichen zu Skeletten präpariert werden, um die dortige anthropologische Sammlung um eine Ausstellung über „die jüdische Rasse“ zu erweitern. Die geplante Ausstellung des Straßburger Anatomieprofessors und SS-Arztes August Hirt wurde nie realisiert. Die sterblichen Überreste der Ermordeten wurden nach der Befreiung auf dem jüdischen Friedhof in Strasbourg beigesetzt.
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