Alfred Bober wurde am 28. Februar 1891 als zweiter Sohn des Schneiders Samuel Bober und dessen Ehefrau Goldine, geb. Boas, in Glogau/Schlesien (heute Głogów/Polen) geboren. Etwa um 1895 zog die Familie nach Berlin. Sie ließen sich in Berlin-Mitte nieder.
Ab 1918 finden wir Samuel Bober im Berliner Adressbuch als Haushaltsvorstand in der Dunckerstraße 86 in Berlin-Prenzlauer Berg. Im November 1920 starb Samuel. Die insgesamt fünf Söhne wohnten bis zu ihren jeweiligen Eheschließungen (zwischen 1913 und 1920) bei ihrer nun verwitweten Mutter Goldine.
Alfred Bober heiratete um 1919 die drei Jahre ältere im preußischen Ostrowo (heute Ostrów Wielkopolski/Polen) geborene Klara Bober. Die Eheurkunde konnte nicht recherchiert werden – vermutlich hat das Paar nicht in Berlin geheiratet. Daher können wir einen eventuellen Verwandtschaftsgrad der beiden (Cousin/Cousine?) nicht ermitteln. Am Schalttag, dem 29. Februar 1920, kam ihre Tochter Betti in Berlin zur Welt. Ihr folgte am 29. Juni 1922 der Sohn Harri Samuel.
Alfred ist in den Berliner Adressbüchern zwischen den Jahren 1922 bis 1938 unter der Anschrift Treskowstraße 55, II. Etage (heute Knaackstr. 86) als Elektrotechniker bzw. Mechaniker zu finden. Sehr wahrscheinlich infolge der antisemitischen Maßnahmen und Gesetzgebungen in Deutschland (vermutlich verlor Alfred seine Anstellung) zog die Familie Bober dann in die Choriner Straße 26, II. Aufgang, IV. Etage.
Dieses Haus gehörte der Jüdischen Gemeinde. Hier hatte auch das Jüdische Wohlfahrtsamt seinen Sitz. In den Unterlagen der am 17. Mai 1939 im Deutschen Reich durchgeführten Volkszählung wurden Alfred und Klara mit ihrem Sohn Harri unter dieser Anschrift erfasst.
Der Wohnsitz der 19-jährigen Tochter Betti wurde im Jüdischen Altersheim in der Großen Hamburger Straße 26 dokumentiert. Sehr wahrscheinlich arbeitete sie dort.
Sicher waren Alfred und Klara Bober zur Zwangsarbeit verpflichtet. Wo sie diese ableisten mussten, konnte nicht ermittelt werden.
Am 12. März 1943 wurden der 52-jährige Alfred, seine 55-jährige Frau Klara, ihr 21-jähriger Sohn Harri, die 23-jährige Tochter Betti, deren 27-jähriger Ehemann Heinz und deren sechs Monate alte Tochter mit dem „36. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert.
Am 13. März 1943 kamen mit diesem Transport 964 jüdische Männer, Frauen und Kinder dort an. An der „Rampe“ wurden 218 Männer und 147 Frauen als Arbeitssklaven ins Lager geschickt. Die übrigen 599 Personen wurden sofort in die Gaskammer getrieben und ermordet.
Alfred Bober wurde auf der „Rampe“ von Auschwitz als „arbeitsfähig“ selektiert. Er überlebte die Lagerbedingungen nur wenige Tage. Der 1. April 1943 wurde als sein Todesdatum dokumentiert. Auch von den anderen am 13. März 1943 nach Auschwitz verschleppten Familienmitgliedern überlebte niemand die Shoah.
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